Zweiter Versuch, in den digitalen Großformatdruck vorzustoßen
Brother plant Übernahme von Mutoh
von Redaktion print.de,
Klappt der zweite Versuch von Brother, per Übernahme großflächiger in den digitalen Großformatdruck einzusteigen? (Bild: freepik.com/creativeart)
Brother Industries hat ein öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien der Mutoh Holdings Co., Ltd. angekündigt. Mit einem Gesamtvolumen von rund 35 Milliarden Yen (ca. 205 Millionen Euro) will der japanische Druckerhersteller den auf digitale Großformatdrucksysteme spezialisierten Wettbewerber zu einer vollständigen Tochtergesellschaft machen. Das Angebot läuft bis zum 23. März 2026.
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Strategischer Schritt nach gescheiterter Roland-DG-Übernahme
Brother bietet den Mutoh-Aktionären 7.626 Yen je Aktie – ein deutlicher Aufschlag zum letzten Schlusskurs von knapp 3.000 Yen vor der Ankündigung. Die Transaktion ist Teil der mittelfristigen Geschäftsstrategie „CS B2027“, mit der Brother sein industrielles Druckgeschäft ausbauen will.
Bereits im Frühjahr 2024 hatte Brother versucht, Roland DG zu übernehmen, scheiterte jedoch am Widerstand des Managements, das ein Management-Buy-out durchsetzte. Mit Mutoh richtet Brother nun den Fokus auf einen kleineren, aber strategisch passenden Kandidaten.
Ergänzung im Großformat-Portfolio
Mutoh Holdings erwirtschaftete im Geschäftsjahr bis März 2025 einen Umsatz von 18,1 Milliarden Yen (rund 100 Millionen Euro) – mit weltweit etwa 600 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist auf Großformatdrucksysteme mit UV- und Eco-Solvent-Technologie sowie auf Schneidplotter spezialisiert.
Brother sieht in der Akquisition mehrere Synergien: Die Produktpaletten beider Unternehmen ergänzen sich, insbesondere bei Tintentypen. Während Mutoh vor allem auf UV- und Lösungsmittel-basierte Tinten setzt, könnte Brother seine Latex-Drucktechnologie einbringen (hier bereits bestehende Brother-Großformatdrucker basieren auf dem Chassis des Roland DG TrueVIS AP-640).
Zudem ist Mutoh derzeit stark von Epson-Druckköpfen abhängig – eine schrittweise Umstellung auf Brother-Technologie könnte, wie man hört, Kostenvorteile bringen, birgt allerdings auch Integrationsrisiken.
Finanzierung und Zeitplan
Brother will die Übernahme vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 66,29 Prozent der Aktien. Brother hat angeblich bereits Zusagen von Aktionären erhalten, die 41,68 Prozent der Anteile halten. Sollte die Mindestquote erreicht werden, plant Brother ein sogenanntes „Squeeze-out-Verfahren“, um auch die verbleibenden Minderheitsaktionäre herauszukaufen und Mutoh von der Börse zu nehmen.
Der erwartete Abschluss der Transaktion ist für den 23. März 2026 geplant. Brother betont, keine größeren Umstrukturierungen bei Mutoh anzustreben, sondern vielmehr Kosteneffizienz, Cross-Selling und Produktentwicklung voranzutreiben.