Monotype »Type Trends Report«

Das sind die aktuellen Trends im Schriftdesign

Typografie: Der aktuelle Monotype »Type Trends Report 2021« zeigt auf, was die kreative Gestaltungs-Community gerade umtreibt. Die elf zentralen Schriftdesign-Trends finden Sie in der Bildergalerie in der Mitte dieses Berichts.
Der aktuelle Monotype »Type Trends Report 2021« zeigt auf, was die kreative Gestaltungs-Community gerade umtreibt. Die elf zentralen Schriftdesign-Trends finden Sie in der Bildergalerie in der Mitte dieses Berichts. (Bild: Monotype)


In seinem »Type Trends Report« fasst der Schrift- und Font-Technologie-Spezialist Monotype die aktuell wichtigsten Entwicklungen im Bereich Design und Gestaltung zusammen. Insgesamt elf »typografische Strömungen« konnten die Designer des Monotype Studio identifizieren, die die aktuelle Gestaltung vorantreiben, das Branding prägen und die kreative Gemeinschaft beschäftigen.

 

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Typografie: Marken auf der Suche nach einer authentischen visuellen Stimme

 

Die Trends belegen, wie eine gnadenlos digitalisierte Kommunikation immer stärker die Sehnsucht nach etwas Greifbarem weckt. Der Monotype-Report stellt dazu wegweisende Projekte vor, die Typografie und Technologie einsetzen und dabei das Potenzial der aktuellen Bildschirmgeräte nutzen sowie gleichzeitig die vertraute Designsprache vergangener Jahre neu zur Anwendung bringen. Er nimmt verschiedene Bewegungen unter die Lupe, die aktuell eine Renaissance in der typografischen Kommunikation belegen. Angetrieben ist dieses Thema vor allem von Marken, die auf der Suche nach einer authentischen visuellen Stimme sind, um den neuen Ansprüchen der Konsumenten zu begegnen.

So zeigen Beispiele wie das Design in Motion-Festival (Agentur: Studio Dumbar) sowie das Barcelona Jazz Festival (Agentur: Summa) etwa, wie mit einem typografischen Brand Design Grenzen durchbrochen, Unerwartetes inszeniert und Marken durch mobile Typografie eine neue Dimension gegeben werden kann. Beide Designs sind passend für eine Welt in ständiger Bewegung und verknüpfen mit Hilfe der Variable-Font-Technologie Bewegung mit Schriftdesign – ein klarer Trend, um bislang unentdeckte Ebenen von Lettering und Dynamik freizulegen.

Ein weiterer Trend: Virtuell wird zur Realität. Denn die digitale und die reale Kommunikation fließen zusammen. Weil sich Schrift dabei immer dynamischer und interaktiver zeigt, beschleunigt sich das Zusammenspiel von Buchstabenformen und virtuellen Räumen. WPP Amsteldok, Pokémon Go, Type in Space und das Design in Motion-Festival sind nur einige Beispiele für eine neue Präsenz der Schrift in virtuellen Räumen – mit zunehmender Immersion. Neuartigen Schriftbegegnungen in Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und in realen Räumen gehört die Zukunft.

 

Variable Geschwindigkeit: Dieser Trend passt zu einer Welt in ständiger, tosender Bewegung. Designer experimentieren mit einer neuen Sprache gegensätzlicher Proportionen: Sie mischen und verändern Buchstabenbreiten, um Wörter zu bauen, die sich ausdehnen und schrumpfen, sich beschleunigen und verlangsamen. Gleichzeitig erschließen Variable Fonts neue, unbekannte Stufen in Sachen Bandbreite und Dynamik. Sie setzen den Abstand zwischen den Schriftschnitten – wie wir das bisher kannten – außer Kraft, und befeuern eine neue Ära des Experimentierens und Präsentierens, die von den ersten Marken gerade erkundet werden.
Virtuell wird Realität: In der Typografie manifestiert sich das Zusammenwachsen der virtuellen, digitalen Welt mit dem echten Leben im Trend zu dynamischen Schriften, die interaktiv reagieren oder eine gewisse Interaktivität eingebaut haben, die in virtuellen und Augmented-Reality-Umgebungen existieren, wo sie sich anpassen und in Echtzeit antworten.
Nahbare Schrift: In der kommerziellen Typografie schleicht sich nach Jahren des vornehmlichen Einsatzes der geometrischen, humanistischen oder geometrisch-humanistischen Sans verstärkt ein Gefühl von »Wärme« ein – in Form geometrischer Schriften mit einer weichen Seite, was man unter dem Begriff »nahbare Schriften« zusammenfassen könnte.
Die Idee, ganz groß: Während die nahbare Schrift subtil ist, vielleicht schon zurückhaltend, erweist sich dieser Trend als das genaue Gegenteil.
Hand im Spiel: Schon Mitte der 2000er-Jahre gab es eine Reihe von Marken, die auf das Handgemachte setzten, auf die materielle Qualität des Handwerks und den Prozess, etwas von Grund auf neu zu erschaffen. Dieser Trend hatte immer mal Hochs und Tiefs – aber jetzt, in einer vollständig digitalisierten Welt, ist er ganz groß im Kommen, weil die Menschen nach etwas Warmem, Vertrautem und Menschlichem suchen.
Kult der Kontraste: Wie beim Trend der nahbaren Schrift, kann ein kleiner Eingriff – zum Beispiel die Veränderung der Breite des vertikalen oder horizontalen Strichs – eine normale Schrift zu einer besonderen Schrift machen, die vor Persönlichkeit strotzt. Ein solche Maßnahme erlaubt Marken, sich von einer sterilen oder polierten Sans zu emanzipieren.
Seitensprünge: Der Schrifttrend des umgekehrten Kontrasts hält vor allem in »kreativeren« Branchen Einzug, etwa bei digitalen Marken, im Musikbereich, Bio-Süßigkeiten und Branchen, die gerne mal Regeln brechen.
Mehr Weichzeichner, bitte: Dieser Trend setzt auf klassische, charakterstarke Serifenschriften, die vor lauter Kurven und Schwüngen zu sprudeln scheinen – ein Augenschmaus, der dazu einlädt, einen Moment zu verweilen und zu entspannen.
Klötzchen statt Kleckern: Der Trick dieses Trends besteht darin, Futurismus und Nostalgie zu verknüpfen.
Die Macht des »R»: Eine bestimmte Gruppe von Menschen erinnert ein bestimmtes »R«, mit einem eigenartigen Bein, an eine ganz bestimme Sache: STAR WARS. Und dieses »R« sieht man jetzt quasi an jeder Ecke, es taucht überall auf und Marken lieben es. Der Buchstabe zeigt einen geraden diagonalen Abstrich, der am Ende ein klein wenig ins Horizontale gleitet und ein Füßchen bildet, das sagt: »Ich bin schrullig«, »Ich bin einzigartig«, »Ich spiele nicht nach diesen Regeln«.
Maßvolle Strenge: Dieser Trend des »Nicht-Design« knüpft an eine Entwicklung an, die uns schon im letzten Jahr beschäftigt hat: »Helvetica-nicht-Helvetica«. Damit ist eine Welle neuer Schriften gemeint, die den Großteil ihrer DNS der Helvetica verdanken, aber gerade noch genug »Anstand« besitzen, um ein bisschen anders auszusehen – oder ziemlich anders sein wollen.

 

Dass Typografie wieder menschlicher, wärmer und anfassbarer wird, beweisen die Logotypen von Wilder Fields, Ochre und Hanayu im Type Trend Report. Marken aller Größen und Couleur verlassen gerade die aufgeräumten Pfade, die sie einst mit geometrischen Sans-Serifs eingeschlagen haben, und verleihen ihrer visuellen Markenstimme mit kalligrafischen Momenten und organischen Formen mehr Charakter. Weitere Beispiele von Burger King, Gucci und Hello Fresh zeigen, dass Vergangenheit die Zukunft ist. Von der Rückkehr des ikonischen »R« aus Star Wars bis hin zur Anziehungskraft von Handmade und handgemalt: Eine nostalgische Schriftästhetik ist hier auf der Suche nach ihrer Zukunft. Der Schritt zum Vintage-Stil beim eigenen Logo, eine gewisse Zwanglosigkeit, gewollte Imperfektion und lebendige Farbklimata belegen, dass Marken eine natürlichere und tiefere Verbindung zu den Verbrauchern suchen.

Das Revival dreidimensional konstruierter Blockbuchstaben beweist einen weiteren Trend: Die Schrift will wieder im Zentrum stehen! Kühne und freche Buchstaben maximieren die Präsenz einer Marke auf spielerische Weise – ein bisschen retro, aber nicht sentimental. Von Twitch über ACMI, Nike + HORT bis hin zu The Dieline: Große Buchstaben stehen für Markenbewusstsein.

Mit gemäßigter Strenge aber dem trotzigen Bekenntnis zum Nicht-Design: Schriften dieses Genres lehnen sich gerne an die DNA der Helvetica an, wobei sie mit Ecken und Kanten selbstbewusst auftreten. Die Branchen, die sich diesen Trend zunutze machen, reichen von der Pizzamarke über Verlagsprodukte und Spitzenköche bis hin zu Highend-Modelogos. [14618]

Den vollständigen »Type Trends Report 2021« können Sie HIER (nach Registrierung) bei Monotype herunterladen. Einen detaillierten Einblick in die typografischen Trends des Jahres liefert ein spannendes aktuelles Monotype-Webinar-Video.

 

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