Retrofit-Lösung für die Etikettenproduktion

Digitale Nachrüstung statt neuer Maschine

Great Lakes Label mit der integrierten DSiQ-R-Retrofit-Lösung in der Etikettenproduktion.(Bild: Domino)

Kürzere Auflagen, variable Daten und schnelle Lieferzeiten setzen Etikettenverarbeiter unter Druck. Zwei Unternehmen aus den USA und Großbritannien zeigen, wie sich digitale Druckfunktionen in bestehende Flexodrucklinien integrieren lassen – ohne neue Maschine und ohne zusätzlichen Platzbedarf.

Die Anforderungen an die Etikettenproduktion verändern sich spürbar. Kunden erwarten kleinere Auflagen, mehr Varianten und kurze Reaktionszeiten. Für viele Weiterverarbeiter stellt sich damit die Frage, wie sich digitale Druckmöglichkeiten sinnvoll in bestehende Produktionsstrukturen einbinden lassen. Eine komplett neue Digitaldruckmaschine ist dabei oft teuer und organisatorisch aufwendig. Retrofit-Technologien gelten deshalb als pragmatischer Weg.

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Ein Beispiel dafür ist das nachrüstbare Digitaldruckmodul N610i-R, das in bestehende Flexodrucklinien integriert werden kann. Zwei Weiterverarbeiter, Great Lakes Label aus den USA und Jenacre Labels aus Großbritannien, haben sich kürzlich für diesen Ansatz entschieden und digitale Druckfunktionen in ihre vorhandenen Maschinen eingebunden.

Great Lakes Label installierte das Modul im Rahmen einer Retrofit-Lösung an einer Flexodruckmaschine der Performance Series P5. Jenacre Labels integrierte das System in eine bestehende Nilpeter-Druckmaschine. Beide Unternehmen verfolgten dabei ähnliche Ziele: digitale Druckmöglichkeiten nutzen, ohne bestehende Abläufe grundlegend zu verändern.

Tony Cook, Gründer und CEO von Great Lakes Label, beschreibt die Ausgangslage so: „Mit der steigenden Nachfrage nach kürzeren Produktionsläufen und variablem Druck war für uns klar, dass digital der nächste logische Schritt ist. Gleichzeitig wollten wir unsere bestehenden Möglichkeiten ergänzen, ohne die Effizienz zu beeinträchtigen.“

Auch bei Jenacre Labels stand die Produktion komplexer Etiketten mit variablen Daten im Fokus. Geschäftsführer David Duncan erklärt: „Digitaldruck war die offensichtliche Antwort, aber eine eigenständige Digitaldruckmaschine mit zusätzlichen Offline-Finishing-Schritten kam für uns weder aus Kosten- noch aus Logistikgründen in Frage. Wir wollten eine Inline-Lösung für unsere bestehenden Nilpeter-Maschinen.“

Beide Unternehmen berichten von schnellen Effekten nach der Installation. Jenacre Labels hebt vor allem die Flexibilität im Produktionsalltag hervor: „Bereits ab dem ersten Tag war die Möglichkeit, effizient mehrere SKUs zu fahren, ein großer Vorteil. Die Druckkonsistenz ist ausgezeichnet. Vor- und Anpassungen direkt an der Maschine ohne Farbmischungen oder Plattenwechsel haben einen erheblichen Unterschied gemacht, die Produktionszeit verbessert, die Effizienz gesteigert und unsere Durchlaufzeiten reduziert.“

Great Lakes Label gibt an, durch die Integration digitaler Druckfunktionen rund 30 Prozent Kapazität auf anderen Maschinen freigesetzt zu haben. Für Tony Cook war auch der frühe Einstieg entscheidend: „Wir waren begeistert, die ersten nordamerikanischen Verarbeiter zu sein, die diese Technologie implementiert haben. Diese Partnerschaft ist für uns ein echter Wendepunkt. Sie ermöglicht es uns, unsere Kunden mit hochwertigen, effizienten Digitaldrucklösungen zu bedienen und gleichzeitig von allen Vorteilen des Flexodrucks zu profitieren.“

Aus Sicht des Herstellers bestätigt das Projekt den Bedarf an integrierten Lösungen. Michael Matthews, Produktmanager DP Colour, ordnet die Rückmeldungen ein: „Bei Domino unterstützen wir Weiterverarbeiter dabei, die Produktionsflexibilität zu erhöhen, Durchlaufzeiten zu verkürzen und Prozesse zu verschlanken. Durch die direkte Integration digitaler Druckfunktionen in bestehende Linien können Jenacre Labels und Great Lakes Label wesentlich schneller auf Anforderungen und Wünsche ihrer Kunden reagieren.“

Beide Weiterverarbeiter kommen zu einem ähnlichen Fazit: Die digitale Nachrüstung ist für sie kein kurzfristiger Test, sondern ein gezielter Schritt, um ihre Etikettenproduktion auf veränderte Marktanforderungen auszurichten.