Beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag in Büdelsdorf

Gebrauchte und neue Technik kreativ zusammengefügt

Nebst der Integration von gebrauchten Modulen entstand im SHZ-Druckzentrum in Büdelsdorf eine zweite, neue MSD/Rollstream-Linie mit 20 Anlegern.(Bild: Ferag)

Im Druckzentrum in Büdelsdorf produziert der zur NOZ MHN Gruppe gehörende Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag Tages- und Wochenzeitungen für den Norden Deutschlands. Da sich das Portfolio immer mehr in Richtung Wochenblätter samt zahlreichen Beilagen verschoben hat, wurde der Versandraum den neuen Erfordernissen angepasst. Aus überwiegend gebrauchten Modulen stellten SHZ-Mitarbeiter mit Unterstützung der Ferag eine komplette weitere Einstecklinie zusammen.

2001 wurde das Druckzentrum in Büdelsdorf  in Betrieb genommen. Dabei setzte man viele Jahre auf ein hochflexibles Onlineproduktions-Konzept: dank dreier Matrixweichen konnte man jeden Falzausgang mit jeder Verarbeitungslinie kombinieren – passend für das damalige, von Tageszeitungen dominierte Druckprogramm.

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Auch heute noch ist der Standort Büdelsdorf gut beschäftigt. Als eine von vier Druckereien innerhalb der NOZ MHN Gruppe, einer der großen Regionalzeitungs-Gruppen Deutschlands, werden täglich rund 150.000 Tageszeitungsexemplare gedruckt. Sie verteilen sich auf 14 unterschiedliche Titel und bringen entsprechend viele Einrichte- und Wechselvorgänge mit sich. Für den Druck stehen zwei doppeltbreite und eine dreifachbreite Rotation zur Verfügung. Jährlich werden von den aktuell 76 Mitarbeitern etwa 11.500 Tonnen Papier verarbeitet.

Anforderungen haben sich deutlich gewandelt

So sehr die flexible Tageszeitungs-Nachtproduktion im Fokus stand, so war zu Anfang das Beilagengeschäft eher weniger bedeutsam. Die Ausstattung der drei Ferag-Linien für ein Hauptprodukt und bis zu sieben bzw. zehn Beilagen war ausreichend. Ein Zustand, der sich zwei Jahrzehnte später völlig anders darstellt: Heute werden in Büdelsdorf pro Jahr rund 550 Millionen Beilagen eingesteckt. Hochauflagige Anzeigenblätter lasten die Kapazität zu einem ganz wesentlichen Teil aus. Bereits 2007 hatte man im SHZ-Druckzentrum eine Einstecklinie mit einer MSD-Einstecktrommel plus Zusammentragstrecke für bis zu 20 Beilagen nachgerüstet. Inzwischen wird unter Nutzung vieler Ferag-Auf- und Abwickelstationen überwiegend offline produziert.

Die Druckerei in hohen Norden Deutschland gehört heute zu jenen Betrieben, die immer mehr Aufträge von anderen Standorten integrieren. Über viele Jahre hatte das Team um Thomas Meyer, Leiter des SHZ-Druckzentrums, deshalb vorausschauend agiert und zugegriffen, wenn in Deutschland auf Grund von Betriebsstilllegungen gut gepflegte Weiterverarbeitungstechnik verfügbar wurde. Dies war schon in der Vergangenheit hilfreich, wenn durch die Neuordnung der Produktion auch Verarbeitungslinien angepasst werden mussten.

Verschiedene gebrauchte Einzelmodule wie Ferag-Auf- und Abwickelstationen sowie MultiStack-Kreuzleger aus unterschiedlichen Standorten wurden integriert. (Bild: Ferag)

Zu zwei MSD-Trommeln, die einst in Wuppertal standen, kamen zwischenzeitlich Zusammentrag-Technik, Anleger vom Typ Jetfeeder und Multistack-Kreuzleger aus verschiedenen Betrieben wie Meckenheim, Essen oder Bielefeld. Das hauseigene Werkstatt-Team eignete sich über die Jahre viel Know-how an, und konnte bald ­– unterstützt durch die Ferag und die Ferag Deutschland – auch den Zustand von Versandraumtechnik richtig beurteilen, die Module fachgerecht zerlegen und einlagern.

Dank neuer Aufträge wurde weitere Einstecklinie nötig

Zu den Druckjobs, die nach Büdelsdorf verlagert wurden, gehören seit dem 1. November 2021 die bisherigen Titel und Fremd-Aufträge des Boyens-Verlages, der seine eigenen Kapazitäten am Standort Heide stillgelegt hat. Darunter ist auch ein Anzeigenblatt, das bei einer Auflage von rund 220.000 Exemplaren nicht selten bis zu 24 Beilagen transportiert. Und weil es donnerstags und freitags parallel zu ähnlichen, bereits bestehenden Aufträgen durchzuschleusen ist, wurde im Druckzentrum Büdelsdorf dringend eine weitere Versandraum-Linie benötigt.

Diese wurde nun im Sommer 2021 überwiegend aus gebrauchten Modulen zusammengestellt. Das waren teils bereits erworbene Module, andere wurden passend aus dem gerade verfügbaren Angebot auf dem Markt zugekauft. Ergänzt durch eine fabrikneue Rollstream-Einheit und diverse neue Jetfeeder, die ebenfalls von der Ferag geliefert wurden, entstand in Büdelsdorf eine zweite MSD/Rollstream-Linie mit 20 Anlegern – ähnlich jener, die seit 2007 produziert. Aufbauend auf einem Engineering-Konzept der Ferag AG und mit Hilfe von Retrofit-Leistungen der Ferag Deutschland GmbH, wurde sie mit maßgeblicher Unterstützung durch SHZ-Mitarbeiter montiert und schließlich durch die Ferag Deutschland in Betrieb genommen.

Thomas Meyer: „Nach weniger als 4 Monaten Arbeit lief die Linie an und alles funktionierte. Das hätten wir so in unseren kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten.“ Die Zusammenarbeit mit der Ferag AG und Ferag Deutschland sei „super“ gewesen: „Wir wussten, dass es auf Grund der völlig unterschiedlichen Herkunft der Einzelmodule möglicherweise hakelig werden könnte. Aber es dann doch abgelaufen wie eine Neuinstallation“, freuen sich Meyer und sein Technik-Team, bei dem es natürlich eine ausgesprochen hohe Identifikation mit der zusätzlichen Versandraumlinie gibt.

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