Produkt: Deutscher Drucker 14-15/2019
Deutscher Drucker 14-15/2019
Journal für Druckgeschichte +++ Mitarbeiter mit Motor: Roboter in Industrieunternehmen +++ Zeit zum Lesen: Tipps für die Urlaubslektüre
Insider-Kolumne von Stefan Meißner aus Deutscher Drucker 7/2019

XJDF macht (fast) alles neu: Druckereien – lernt XJDF!

Kaum ein Standard erscheint so undurchsichtig und „staubig“ wie JDF. Ende der 90er-Jahre entwickelt, sollte dieser die gute alte Auftragstasche ins elektronische Zeitalter hieven. Dazu wurde zunächst eine konsistente Nomenklatur für das grafische Gewerbe geschaffen.

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JDF ist wie eine Sprache, mit der Produkte und Prozesse im richtigen Detaillierungsgrad beschrieben werden können. Das ist die Grundlage für jegliche Automatisierung – es kann ja nur automatisiert werden, was eindeutig beschrieben werden kann. Druckereien sollten JDF im Rahmen schlüsselfertiger Lösungen nutzen. Die Implementierung lag bei den Herstellern von Maschinen und Software für die Druckindustrie. Diese haben JDF jeweils auf ihre Umgebungen angepasst – es entstanden JDF-Dialekte und der Vorteil eines Standards war wieder dahin.

Auch das Konzept der digitalen Auftragstasche erwies sich als nicht praktikabel. Eine Auftragstasche bringt ja sämtliche Auftragsdaten an alle Maschinen. Das galt auch für JDF – immer musste eine umfassende Datei erstellt und übertragen werden, auch wenn nur einfache Informationen übermittelt werden sollten. So wurde JDF statt als digitale Auftragstasche mehr als Technologie für die Kommunikation zwischen Applikationen und Maschinen verwendet. Wohl auch deswegen fällt oft der Begriff der „JDF- Kompatibilität“ – die gibt es aber nicht, eine Software oder Maschine kann bestenfalls zu Teilen von JDF kompatibel sein.

Daher hat das CIP4-Konsortium die „Interoperability Conformance Specifications“, kurz ICS, eingeführt. Das Konsortium aus Unternehmen der grafischen Industrie treibt die Entwicklung von JDF voran. ICS-Dokumente beschreiben die Kommunikation zwischen Applikationen und Maschinen und definieren die JDF-Mindestanforderungen für den jeweiligen Arbeitsschritt. Solche Spezifikationen sind für eine Reihe von Anwendungsfällen verfügbar wie etwa die Anbindung von MIS-Systemen an Vorstufenworkflows. Eine im Mai 2018 gegründete CIP4-Arbeitsgruppe befasst sich mit der Entwicklung eines ICS für die Qualitätskontrolle.

„Druckereien, bei denen Automatisierung und Standardisierung im Mittelpunkt stehen, sollten sich mit XJDF beschäftigen.“

Da die technischen Grundlagen von JDF aus den 90er-Jahren stammen, war es Zeit für eine Neufassung. XJDF steht für „Exchange Job Definition Format“ – es basiert nicht mehr auf der Idee eines vollständigen Jobtickets, sondern stellt die Schnittstellentechnologie in den Mittelpunkt. Das Format wird damit einfacher und restriktiver – Entwickler finden sich schneller ein und die Gefahr von Dialekten wird minimiert. Erhalten bleibt aber der Vorteil der konsistenten Sprache, das Herzstück der JDF-Spezifikation. Druckereien, bei denen Automatisierung und Standardisierung im Mittelpunkt stehen, sollten sich unbedingt mit XJDF beschäftigen. Wie gesagt, nur was maschinenlesbar beschrieben werden kann, kann auch automatisiert werden. Und das ist der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg – die Wertschöpfung in der Druckindustrie liegt ja heute nicht mehr in hohen Auflagen, sondern in optimalen, kosteneffizienten Prozessen.

→ Ihre Meinung? insider@print.de

Stefan Meißer (35), Chairman der XJDF-Arbeitsgruppe des CIP4-Konsortiums, war maßgeblich an der Entwicklung dieses Standards beteiligt. Nach seiner Tätigkeit als Senior Prepress Automation Coordinator bei Flyeralarm ist er seit Anfang März Director Application Print bei Perfect Pattern. Das Unternehmen entwickelt Produktionsoptimierungen auf Basis künstlicher Intelligenz unter anderem für die Druckindustrie.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Da bin ich aber gespannt, wann FA und co XJDF umsetzen.

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