Mit dem Motioncutter flexibler, integrierbar und produktiver

O.D.D. (Bad Kreuznach): digitales Laser-Printfinishing statt analogem Stanzen

Von links: O.D.D.-Betriebsleiter Christian Sieber, Themediahouse- Geschäftsführer Jörg Scheffler und Florian Sperlich (Abteilungsleiter Digitaldruck bei O.D.D.): Nicht nur Papier lässt sich mit dem Motioncutter punktgenau bearbeiten.(Bild: Christian Lukas)

Der Motioncutter ist ein digitales Highspeed-Finishing-System, das klassische Stanz- und Weiterverarbeitungsanlagen ersetzt. Im Kern handelt es sich um eine laserbasierte Lösung: Ein Laser bearbeitet Bogen oder Rollenmaterial, schneidet, graviert, ritzt, perforiert oder nutet. Der Clou: Physische Stanzwerkzeuge oder Formen sind nicht mehr nötig. Stattdessen erfolgt die Bearbeitung rein daten- und softwaregesteuert.

Ein Unternehmen, das den Motioncutter des Herstellers Themediahouse einsetzt, ist O.D.D. Print + Medien aus Bad Kreuznach. „Ich habe im November 2023 eher zufällig erste Arbeitsproben gesehen“, erinnert sich Christian Sieber, Betriebsleiter in dem 130 Mitarbeiter starken Druckhaus. Er nahm mit Firmengründer Jörg Scheffler Kontakt auf; im April 2024 traf man sich zu einem Materialtest in Mühlacker bei Pforzheim. Ein Test, der, wie Christian Sieber bemerkt, „äußerst erfreulich verlief.“

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Renommierter Marktteilnehmer

Geschäftsdrucksachen, Broschüren, Prospekte und Flyer jeglicher Art zählen zu den Standardprintprodukten der 1988 gegründeten Druckerei. Der große Schwerpunkt von O.D.D. liegt jedoch auf dem Segment Label und Packaging, also Etiketten, Rollenhaftetiketten und Verpackungslösungen in kleinen und mittleren Auflagen. Dabei kombiniert das Haus klassische Offset- und Digitaldruckverfahren mit modernen Inkjet- und Weiterverarbeitungstechnologien. So gehört seit etwa dreieinhalb Jahren eine moderne HP Indigo 15K zum Maschinenpark.

„Ein großer Auftraggeber für O.D.D. ist ein renommierter Lack- und Farbenhersteller, für den wir sämtliche Etiketten produzieren“, erklärt Christian Sieber. „Besonders stark vertreten sind zudem Kunden aus der Nahrungsergänzungsmittel- und der Pharmabranche. Komplettiert wird unser Kundenstamm durch zahlreiche Industriekunden aus den unterschiedlichsten Branchen.“ Und die kommen wiederum aus der gesamten DACH-Region.

Der Motioncutter ist durch sein Design mit Sicherheit in jeder Produktion auffällig. Die Lasereinheit ist darin sicher und wartungsarm verbaut. (Bild: Christian Lukas)

Vorzüge eines digitalen Finishingsystems

Nicht zuletzt das breite Spektrum an Druckaufträgen, von klassischen Akzidenzen bis hin zum Etikettendruck, hat im Hause O.D.D. einen Prozess in Gang gesetzt, in dem Datenaufbereitung, Automatisierung, Prepress-Workflows und Produktionsprozesse eng miteinander verzahnt sind, um Effizienz, Qualität und Flexibilität (speziell bei personalisierten Produkten) sicherzustellen. Druckvorstufe und Datenmanagement wachsen zunehmend zusammen. Und hier kommt der Motioncutter wieder ins Spiel: „Als digitales Finishingsystem fügt er sich nahtlos in die Workflows ein und sorgt dafür, dass zeitaufwendige oder personalisierte Jobs schneller, flexibler und effizienter umgesetzt werden – ganz ohne mechanisches Stanzen“, so Spieber. „Ein Beispiel: Wir haben einen speziellen Etikettentyp, den wir ösen müssen.“ Jahrzehntelang geschah das Stanzen hierfür an einem Cylinder, 1.500 Etiketten/Stunde. „Jetzt schaffen wir 3.200 pro Stunde.“ Nahezu alle Jobs, die bislang über Cylinder/Tiegel liefen, wurden inzwischen auf den Motioncutter übertragen.

Besonders bei den möglichen Materialstärken sprengt er Grenzen: Mit einem patentierten Vakuum-Laser-Förderband, das die Druckbögen möglichst flach hält, können Produkte mit Grammaturen von 50–500 g/m² und dreidimensionale Elemente bis 150 mm Höhe gelasert werden. Die Bogen, die über einen Stapelanleger zugeführt werden, sind formatflexibel von 148 x 210 mm (DIN A5) bis 585 x 750 mm und können randabfallend verarbeitet werden, da das Vakuum keine zusätzliche Fläche benötigt. Eine eingebaute Reinigungsstation hält das Laser-Förderband automatisch sauber, für gleichbleibend hohe Ausgabequalität. Was weggelasert wird, fällt heraus oder verdampft direkt. Und der Motioncutter kann nicht nur Papier oder Folie bearbeiten. „Wir haben für einen Messeauftritt des erwähnten Farbenherstellers Kunststoff-Farbeimerdeckel graviert“, erzählt Sperlich. „Dass das funktioniert“, schmunzelt Jörg Scheffler, „wussten selbst wir nicht.“

Ein Kamerasystem triggert jeden Bogen, Toleranzen im Digitaldruck werden so erkannt und ausgeglichen. (Bild: Christian Lukas)

Für Echtzeit-Produktionsumgebungen

„In unserer Branche“, so Jörg Scheffler, „laufen Druckdaten heute hochautomatisiert.“ Scheffler kommt selbst aus dem Druck: Er kennt die Seite des Systementwicklers, er kennt aber auch die des Anwenders aus jahrelanger Berufserfahrung. „In der Weiterverarbeitung stecken viele Prozesse jedoch noch immer in analogen Abläufen fest. Der Motioncutter ist ein Werkzeug, um diese Lücke zu schließen.“ Denn durch die immer digitalisierteren Produktionsprozesse entsteht der Bedarf an speziellen, eiligen Druckaufträgen heutzutage oftmals so schnell und kurzfristig, dass die klassische Stanzwerkzeugherstellung gar nicht mehr hinterherkommt. „Der Motioncutter ist unsere Antwort auf diese Echtzeit-Produktionsumgebungen.“

Herzstück des Motioncutter ist die Lasereinheit. Serienmäßig ist diese mit einem nominal 450-Watt-Laser ausgestattet, der gemessen über 600 Watt ausgibt; inzwischen wird auch eine Variante mit nominal 650 und gemessenen 800 Watt angeboten, um bei dickeren Materialien, höherer Geschwindigkeit oder stärkeren Substraten Leistungsspielraum zu gewinnen. Rein technisch wären noch höhere Leistungen machbar, praktisch bringen diese jedoch keine Vorteile: Bei feinen Schnitten/filigranen Konturen muss der Laser langsamer umgelenkt werden, um saubere Kanten und exakte Detailarbeit zu gewährleisten; eine höhere Leistung führt da nur zu mehr thermischer Belastung und schlechteren Schnittkanten. Damit sind höhere Wattzahlen für viele Jobs weder effizient noch sinnvoll.

Im Hause O.D.D. Print+Medien, das erst vor wenigen Wochen Silber bei den Druck & Medien Awards in der Kategorie „Verpackungsdrucker des Jahres“ gewonnen hat, ist man überzeugt, dass die Möglichkeiten des Motioncutter längst nicht ausgeschöpft sind. Vieles, was technisch machbar wäre, hat man im Alltag noch gar nicht „angefasst“ – das System bietet deutlich mehr Potenzial, als derzeit genutzt wird.

Kontakt:

O.D.D.
www.odd.de

Motioncutter
www.motioncutter.com/de