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Benchmarking, autonomes Drucken und Predictive Service – Wie die Druckindustrie die Vernetzung der Produktion vorantreibt.
Kommentar von Torsten Uhlig zum Thema Nachhaltigkeit

Echte Nachhaltigkeit oder Greenwashing?

Torsten Uhlig

In der Druckindustrie ist das Bewusstsein und die Notwendigkeit, umweltbewusst zu produzieren schon lange angekommen. Die Frage ist, was hinter den verschiedenen Öko- und Nachhaltigkeitssiegeln steckt. 

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Wenn man sich heute Internetauftritte von Druckereien anschaut, tauchen häufig Worte wie „Nachhaltigkeit“, „Öko“ oder „Bio“ auf. Nachprüfbare Parameter, wie zum Beispiel Energieeffizienz, spielen dabei eine bedeutende Rolle und werden von vielen Auftraggebern mittlerweile als Standards angesehen oder sind sogar Grundlage für Geschäftsbeziehungen. Es gibt beeindruckende Beispiele, wo Unternehmen konsequent und freiwillig mehr tun, als von ihnen verlangt wird.

Allerdings fällt auf, dass es eine Vielzahl an Umwelt-Labels und/oder Zertifizierungen gibt, die zum Teil sogar untereinander konkurrieren. Man kann schnell den Überblick und die Orientierung verlieren. Nachprüfbarkeit ist nicht einfach. Nicht nur Außenstehende fragen sich, ob es sich hier einfach nur um schöne Aushängeschilder handelt, um dem Zeitgeist zu entsprechen. Der Begriff „Greenwashing“ peppt auf.

Diese Wortschöpfung ist nicht im Zusammenhang mit der Druckindustrie entstanden. Die Begrifflichkeit wurde für Konzerne oder Unternehmen geprägt, die trotz umweltschädigender Produktion nach außen den Anschein abgeben, ökologisch, ressourcenschonend und verantwortungsvoll zu handeln. Oft ist es eine geschickte PR-Argumentation, die ein einzelnes positives Feld symbolträchtig hervorhebt, um nach außen gut dazustehen.

Jedes einzelne Unternehmen hat seine Glaubwürdigkeit selbst in der Hand, mit Maßnahmen wie bereits eingangs erwähnt. Bei den Verbrauchsmaterialien glauben wir den Angaben der Hersteller bzw. Lieferanten. Ist dies zu leichtgläubig oder vielleicht zu oberflächlich? Bei Nachfragen der Kunden wird dazu geneigt, einfach das Datenblatt oder die Konformitätserklärung des jeweiligen Herstellers weiterzuleiten. Aber sind wir nicht auch verpflichtet zu wissen, womit wir arbeiten und was wir da in Umlauf bringen? Natürlich ist nicht jeder von uns Chemiker und in der Lage ein zehnseitiges Sicherheitsdatenblatt auf alle Angaben bis ins Detail zu prüfen, geschweige denn, Inhaltsstoffe und Grenzwerte im Zusammenhang zu interpretieren.

Größere Unternehmen haben dafür Verantwortliche, die dies prüfen oder sogar aufwändige Untersuchungen veranlassen können, aber ein kleines oder mittelständiges Unternehmen hat diese Möglichkeiten nur bedingt. Aber die Begriffe „Bio“ oder noch gewagter „biologisch abbaubar“ zu benutzen, erfordert hieb und stichfeste Nachweise. Das Wissen darüber ist oftmals erschreckend oberflächlich. Wenn man seine Produkte oder seine Produktionswege entsprechend deklariert, muss man der Prüfung und Nachfrage standhalten. Dies bedeutet, dass man darüber Bescheid weiß, was in den Verbrauchsmaterialien (wie etwa Substrate, Farben, Lacke, Reiniger) enthalten ist und wie diese hergestellt werden bzw. welche Inhaltsstoffe verwendet worden sind.

Es kostet Energie und Zeit, sich damit zu beschäftigen und genauer hinter die Kulissen zu schauen, aber Sicherheit und Glaubwürdigkeit in der Argumentation und Kundenberatung entsprechen den Erfordernissen der Zeit und sichern Aufträge. Unsere Kunden stellen diese Fragen und dies auch völlig zu Recht!


Torsten Uhlig ist Druckexperte, Techniker und Berater in der grafischen Industrie. Mit seinem Unternehmen TU Solutions setzt er den Fokus auf Oberflächen: Veredelungen, Lacke, Beschichtungen, Spezialanwendungen und Problemlösungen. Sein Kommentar erschien in Deutscher Drucker 23/2020. Das Heft kann über den print.de-Shop bezogen werden.

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In dieser Sonderpublikation werden verschiedene Unternehmen vorgestellt, die eines vereint: Die Liebe zum Drucken.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Für alle Interessierten empfehle ich die Seite: UmDEX.de
    Dort werden alle relevanten und glaubhaften Zertifikat die Druckereien im deutschsprachigen Raum erwerben und auditieren können/müssen im Vergleich gezeigt. Da kann man ganz einfach umweltgerechte und nachhaltig produzierende Druckereibetriebe von Greenwashing unterscheiden.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Anders als Herr Drechsler halte ich nicht Zertifikate für das entscheidende Kriterium, sondern den Anwendungszweck und die Lebensdauer des Druckproduktes an sich. Allerdings habe ich allerhöchste Achtung vor den Unternehmen in unserer Branche, die sich redlich bemühen ressourcenschonend zu produzieren und sich hierbei viele gute Gedanken machen.
    Jedoch werden Druckereien, die versuchen nachhaltig und ressourcen-schonend zu produzieren, in einen Topf geworfen mit Herstellern von Druckprodukten wie Telefonverzeichnissen und Anzeigenblättern, die nur als Feigenblatt für die ungefragte Zustellung von Werbebeilagen dienen.

    Im Seniorenzentrum meiner Eltern hängt ein Aushang, dass es der Leitung gelungen ist, die Belieferung mit Anzeigenblättern zu stoppen, und deshalb weniger Bäume gefällt werden müssen.
    Unsere Schulkinder sprechen nicht von Papier, sondern von “Totholz” wenn über gedruckte Skripte gesprochen wird. Leider bittere Realität.

    Auf diesen Kommentar antworten

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