Koenig & Bauer 4.0: Wie der Drucker Fehler vermeidet, bevor sie eintreten

Moderator Sven Oswald (RBB), Alexander Stern (KBA-Sheetfed) und Dirk Winkler (KBA-Sheetfed) bei einer der Live-Präsentationen (v.l.). Unten: Die neue Flachbettstanze Ipress 106 K Pro, die als Weltneuheit bei der Open House gezeigt wurde.

Im Rahmen einer Open House – „Koenig & Bauer 4.0 Packaging & Connected Services“ – verfolgten vom 6. bis 8. Juni mehr als 600 Anwender aus knapp 40 Ländern bei KBA-Sheetfed Solutions in Radebeul bei Dresden verschiedene Präsentationen live. Gezeigt wurde und vermittelt werden sollte, „wie die digitale Transformation den modernen Druckereialltag verändert, Prozessabläufe optimiert, neue Kundenerlebnisse schafft und die Unternehmen noch profitabler macht“, so Thomas Göcke, Leiter Marketing und CRM bei KBA-Sheetfed, bei der Veranstaltung.

In Live-Sessions wurden den Fachbesuchern Lösungen zur Verschlankung der Prozesse in allen Phasen der Druckproduktion, in bezug auf Lean Management und bei der Standardisierung mit dem Ziel vermittelt, Fehler zu verhindern. Hinzu kamen datenbasierte Mehrwertlösungen im Service, die Abläufe transparenter und Wartungen planbarer gestalten sollen.

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In einer vernetzten Druckfabrik durchgängig digitale Prozesse

Als Auftakt produzierte eine Rapida 76 hochwertige Luxusverpackungen in LED-UV-Technologie mit Deckweiß auf metallisiertem Karton. In einer komplexen Präsentation erlebten die Druckfachleute danach durchgängige digitale Prozesse mit dem MIS Optimus Dash mit Logotronic Professional und Esko Equinox, einer Rapida 105 Pro, die unterschiedliche, mit dem MIS vorbereitete Verpackungsjobs produzierte, der Flachbettstanze Ipress 106 K Pro (Weltneuheit), der Rapida Live-Apps Family und Servicelösungen wie Press-Call, Visual Press Support, Performance Reports und Möglichkeiten des Predictive Maintenance. Sven Oswald, u. a. Wissenschaftsmoderator beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Berlin-Brandenburg (RBB), hielt alle Fäden zusammen und zeigte im Zusammenspiel mit den Koenig & Bauer-Fachleuten Möglichkeiten moderner Datenkommunikation in der vernetzten Druckfabrik auf.

Im MIS-System Optimus Dash wurden die Aufträge mit allen erforderlichen Arbeitsschritten vor den Augen des Fachpublikums live angelegt. Nach der Anlage des Jobs im MIS ging der Auftrag auf die Rapida 105 Pro. Für den Drucker sind alle vom MIS im JDF-Ticket weitergegebenen Informationen sofort im Leitstand verfügbar. Er nutzt die Auftragsinformationen zusammen mit den CIP3-Voreinstelldaten aus der Druckvorstufe zum automatisierten Einrichten der Maschine. Nach Plattenwechsel, Farbeinlauf und Inline-Registerkorrekturen begann der Druck von Joghurt-Verpackungen im erweiterten Farbraum 6c mit Esko Equinox.

Permanent im Blick: Produktion und Kosten

Über Logotronic Professional und die Funktionen Press Watch und Speed Watch sind für das Management des Druckbetriebes jederzeit alle Maschinen- und Betriebsdaten zur Druckproduktion verfügbar – auch dezentral auf Smartphone oder Tablet. Nach abgeschlossenem Druck sendet Logotronic Professional alle Produktionszeiten und Verbrauchsmengen zurück an das Leitsystem Optimus. Dabei werden nicht nur Zeiten, sondern auch maschinenspezifische Meldungen gespeichert: jede Probebogenentnahme, jede Produktionsunterbrechung ist mit Auftragsbezug protokolliert. Optimus generiert aus den angefallenen Produktionszeiten mit wenigen Mausklicks einen Cost-Breakdown. Das Unternehmen sieht sofort, ob es wirtschaftlich produziert.

Nach der Joghurt-Verpackung produzierte die Rapida 105 Pro weitere Druckjobs vollautomatisch. Ergotronic Auto Run startet eine Folge von Druckaufträgen, wobei vom Bediener voreingestellte Werte, Arbeitsschritte und Abläufe zur Anwendung gelangen. Er selbst muss dabei nicht mehr eingreifen. Dirk Winkler, Bereichsleiter Druck, kommentierte die einzelnen automatisch ablaufenden Arbeitsschritte und machte sie so für die Fachbesucher transparent. Ein Blick auf das MIS zeigte, was im steten Wechsel zwischen Theorie und Praxis an der Rapida 105 Pro passiert ist.

Gleichzeitig mit der Druckproduktion präsentierte Koenig & Bauer als Weltneuheit die Flachbettstanze Ipress 106 K Pro beim Stanzen von Faltschachteln. Sie verfügt über den Anleger der Rapida-Maschinen. Zu den Merkmalen der Maschine gehören laut Koenig & Bauer integrierte Nutzentrennung, hoher Bedienkomfort, hohe Registergenauigkeit, kurze Rüstzeiten sowie flexible Konfigurationsmöglichkeiten.

Zum Abschluss der Druckdemonstration inszenierte Dirk Winkler bewusst einen Fehler im Bogenlauf der Rapida 105 Pro. Via Press Call erfolgte am Leitstand die Kommunikation mit der Hotline von Koenig & Bauer. Die üblichen Anrufe entfallen. Ohne Zeitverzug und ohne Umwege kann durch die Hotline auf alle fernwartungs-relevanten Daten zugegriffen werden. Zur Fehlerbehebung nutzen Drucker und Service-Mitarbeiter u. a. den Visual Press Support. Der Drucker baut einen Video-Stream zum Service-Mitarbeiter auf. Der Service-Mitarbeiter kann im Video Markierungen anbringen, Bilder daraus speichern und ablegen. Daneben hat der Service-Mitarbeiter die Möglichkeit, Dokumente auf dem Bildschirm des Mobilgerätes an der Druckmaschine anzuzeigen, um die Lösungsfindung zu unterstützen. Alle diese Daten werden zum Service-Fall in der CRM-Plattform dokumentiert, so dass diese auch bei späteren Service-Einsätzen zur Verfügung stehen.

Auf Basis der von den Rapida-Maschinen gelieferten Daten bietet Koenig & Bauer eine Reihe weiterer digitaler Services an. So erhalten Anwender mit einem Fernwartungsvertrag und statischer VPN-Verbindung (Windows-Plattform) zum Beispiel monatlich einen Performance Report, der die Leistungsdaten (nicht-auftragsbezogene Daten) sowie KPI (Key-Performance-Indikatoren) seiner Maschine in übersichtlicher grafischer Form dargestellt.

Neben dem Bild von vergangenen Ereignissen lassen sich die Datenströme von den Rapida-Maschinen nutzen, um proaktiv (zum Beispiel die Ausführung von Wartungen) und prädiktiv Ereignisse vorauszusagen. Dazu entwickelt Koenig & Bauer mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) und Optimierungsmethoden wie dem „Machine Deep Learning“ Tools, mit denen sich Muster erkennen lassen, um ungeplante Ausfälle frühzeitig zu erkennen, zu vermeiden und erforderliche Wartungen planbar zu gestalten. Langfristiges Ziel ist es, Fehler zu vermeiden bevor sie eintreten. Die vom System ermittelten Daten stehen beim Anwender im Kundenportal zur Verfügung.

In weitere Breakout-Sessions sahen die Druckfachleute High-Volume-Verpackungsproduktion im Mittel- und Großformat sowie die Produktion von Luxusverpackungen auf einer Rapida-106-Doppellackmaschine und der Rotationsstanze Rapida RDC 106.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. War eine TOP Veranstaltung mit exzellenten Kommentaren unserer Kunden! Eine Freude, dabei gewesen zu sein!

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