Interview mit Peter Goer, Sappi Deutschland

Produktionskosten senken, Effizienz steigern, industriell Drucken

(Bild: Sappi Deutschland)
Peter Goer, Geschäftsführer Sappi Deutschland GmbH.

Sappi Europe, Hersteller und Anbieter von gestrichenem Feinpapier, Verpackungen und Spezialpapieren, bringt in Kürze eine Software namens Octoboost auf den Markt, die die Effizienz mittelständischer Druckereien steigern soll. Was sind die Hintergründe und was kann die Software? Deutscher Drucker befragt in seiner Ausgabe 15-16/2018 Peter Goer, Geschäftsführer der Sappi Deutschland GmbH, nach den Möglichkeiten und Hintergründen dieser Softwareeinführung.

DD: Herr Goer, wie schätzen Sie die aktuelle Situation auf dem Papier- und Druckmarkt ein?
Goer: Die Druckbranche steht aktuell vor sehr großen Herausforderungen. Disruptive Entwicklungen wie der Online-Druck, das Thema Industrie 4.0 und die digitale Transformation stellen klassische Geschäftsmodelle in Frage. Aktuelle Kostensteigerungen, ausgelöst durch die weltweit stark steigende Nachfrage nach Zellstoff, kommen noch hinzu und machen es niemandem in der Handelskette Papierhersteller, -händler und Drucker leichter.

Anzeige

Wir sind täglich mit Druckereien in Kontakt, von denen viele das ungute Gefühl haben, dass sich in ihren Workflow unwirtschaftliche Abläufe eingeschlichen haben könnten – sei es beim Einsatz des teuren Bedruckstoffs Papier, bei der Nutzung vorhandener Druckkapazitäten oder auch beim Zeitaufwand für administrative Produktionsplanungs- und -verwaltungsaufgaben. Das war unser Ansatz für weitere Untersuchungen.

Ihren Beobachtungen folgten genaue Untersuchungen?
Ja, wir haben Analysen in rund 100 mittelständischen Druckereien in Europa durchgeführt, deren jährlicher Papiereinsatz zwischen 1.000 und 7.000 Tonnen liegt, und die über Umsätze von zwei bis 20 Mio. Euro verfügen. Dabei wurde deutlich, wie dort der Einsatz von Papier, Druckkapazität und Administratorzeit gehandhabt wird.

Die Ergebnisse, beispielsweise das Papier betreffend, sprechen eine deutliche Sprache. Zwischen der Menge an Papier, die eine Druckerei einkauft und der bedruckten Menge, die ausgeliefert wird, liegt ein Verlust von ca. 25 Prozent. Dieser entsteht hauptsächlich durch Beschnitt, Einrichtebogen bzw. Makulatur. Also gelangen von einer Tonne Papier, die der Drucker einkauft, lediglich rund 750 kg in Form von Druckprodukten zum Kunden. Dieser und auch andere ermittelte Werte sind natürlich Durchschnittswerte, aber bis dato haben wir in jedem von uns analysierten Unternehmen massive Effizienzsteigerungspotentiale freilegen können. Und wenn man bedenkt, dass das Papier zunehmend teurer und somit als Bedruckstoff wertvoller wird, ist es aus unserer Sicht umso wichtiger, effizient damit umzugehen.

Was brachten Ihre Analysen hinsichtlich Druckkapazität und Administratorzeit zutage?
In den von uns untersuchten Druckereien hat sich gezeigt, dass eine Bogenoffsetmaschine nicht einmal in der Hälfte der Arbeitszeit Geld verdient. So wird eine Druckmaschine heute im Rahmen der zweischichtigen Auslastung, von Montag 6 Uhr bis Freitag 22 Uhr, nur zu 42 Prozent genutzt. Bis zu 58 Prozent der Maschinenkapazität entfallen vor allem auf Rüstzeiten. Aber auch der Zeitaufwand in der Auftragsvorbereitung und -planung, beim manuellen Anordnen der Aufträge auf der Druckform sowie im Einkauf ist enorm. Hier ermittelten wir Zeitverluste von rund 63 Prozent.

Welchen Ansatz sollten Druckereien nun verfolgen?
Kosten zu sparen und die Druckeffizienz – sowie durch E-Commerce gleichzeitig den Umsatz – zu steigern, dass sind in unseren Augen die Stellschrauben, die ein Druckdienstleister nutzen sollte, um zukunftsfähig zu werden und/oder zu bleiben. Damit mittelständische Druckereien, egal ob im klassischen Bogenoffset- oder im Digitaldruck tätig, dies in den Fokus ihrer Arbeit stellen können, haben wir die plattformunabhängige Softwarelösung „Octoboost“ entwickelt. Octoboost ist cloudbasiert, skalierbar und kompatibel mit allen am Markt befindlichen Offset- und Digitaldruckmaschinen. Mit Hilfe eines intuitiven E-Commerce-/Vertriebs-Moduls, das nutzerfreundliche Open- bzw. Closed-Webshops erstellt, und in Verbindung mit einem leistungsfähigen Print Efficiency Cockpit, kann diese Anwendung mittelständischen Druckereien helfen, Prozesse zu optimieren, ihre Effizienz zu steigern und sich besser am Markt zu behaupten. [5647]

Das gesamte Interview mit Peter Goer lesen Sie in Deutscher Drucker 15-16/2018, der im print.de-Shop zur Bestellung bereit steht. Stets auf dem neuesten Stand der Informationen aus der Druckbranche sind Sie mit einem Abonnement von Deutscher Drucker, hier geht es zu den Abo-Modellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: