Kommentar

„Social Distancing“, aber nicht so!

(Bild: Vektor Kunst auf Pixabay)

Innerhalb weniger Wochen sind zwei prominente Rollenoffsetdruckereien, J. Fink Druck und Körner Druck, in die Insolvenz geraten. Das Auffallende daran: Nicht die Druckereien selbst, sondern Krankenkassen haben beim Amtsgericht die Anträge auf die Insolvenzen gestellt.

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Beide Vorgänge zeigen, wie gefährlich die aktuelle Aussetzung der Insolvenzanzeigepflicht sein kann. Was in manchen Fällen sinnvoll ist, kann auch zum Boomerang werden: Manche Firmen machen nämlich zurzeit Geschäfte mit Unternehmen, die schon längst nicht mehr überlebensfähig sind. Wenn die Insolvenzen eines Tages wieder regulär angezeigt werden müssen, sind Dominoeffekte zu befürchten.

Die Umstände der Zahlungsunfähigkeit von J. Fink und Körner – beide Unternehmen waren erst im Mai 2019 von der niederländischen Circle Media Group an das finnische Private-Equity-Unternehmen Printers Group Oy verkauft worden – sind fragwürdig: Wie die auf „Sale-and-Rent-Back“-Immobilientransaktionen spezialisierte Falkensteg Real Estate im Januar 2020 berichtete, hat die J. Fink Druck GmbH kurz zuvor ihr Betriebsgebäude in Ostfildern verkauft: „Im Rahmen der Transaktion hat die J.Fink Druck GmbH das Gebäude mit einem Triple-Net-Vertrag und einer 15-jährigen Laufzeit zzgl. zweimal 5 Jahre Option zurückgemietet. Das Objekt hat eine Nutzfläche von ca. 5.200 qm bei einer Grundstücksfläche von ca. 12.000 qm. (…) Bei dem Käufer handelt es sich um eine Schweizer Aktiengesellschaft.“ Da stellt sich natürlich die Frage: Wo ist das Geld aus dem Verkauf geblieben?

Die Lieferanten jedenfalls mussten ihre Lieferungen einstellen. Zu den Gelackmeierten gehörten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einer der Insolvenzverwalter, Dr. Dietmar Haffa, stellte fest, die Mitarbeiter hätten „mitunter seit April Teile Ihres Lohnes nicht mehr erhalten. Offenbar wurde Kurzarbeitergeld beantragt und auch genehmigt, aber vom Unternehmen nicht an die Mitarbeiter weitergereicht“.

In eine wirtschaftliche Schieflage kann man geraten. Wie hier aber mit den Partnern und Mitarbeitern umgegangen wurde, ist nicht akzeptabel. Die öffentliche Berichterstattung über die beiden Firmen wirft zudem ein schlechtes und falsches Licht auf die Branche insgesamt. Die meisten Druckereien wirtschaften nämlich seriös und bemühen sich, zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Krise bestmöglich zu bewältigen. Diesen Betrieben gilt unsere ganze Hochachtung.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. So wird das einstige Rennpferd der Branche zum Schlachtroß. Es wurde aber schon vorher zu Tode geritten – mit Heer und Circle im Sattel.
    Die Immobilie wurde noch rechtzeitig vor Insolvenz ins Ausland verkauft. Die Stadtwerke haben bereits den Strom abgedreht https://www.bbheute.de/nachrichten/insolvenzantrag-gegen-koerner-druck-14-8-2020/
    Aus den Verkauf des restlichen Lagerpapiers werden die Sozialbeiträge begleichen. Ich schätze der Rest der Gläubiger wird nicht mehr viel Freude an Fink und Körner haben.

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  2. Noch besser wird es jetzt. In dem Artikel der Stuttgarter Zeitung will der Finnische Investor Geld von der Bank und dem Staat um die Firma zu retten. Mich würde nicht wundern wenn er Geld bekommt, davon aber nichts in der Firma sondern nur in seinem Geldbeutel landet.
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.druckereien-in-sindelfingen-und-ostfildern-stehen-vor-dem-aus-kaum-noch-hoffnung-fuer-koerner-druck.6e8a0ded-bf48-4f7c-813c-4e1a25caec8b._amp.html

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  3. So etwas von frech! Erst ausbeinen, Kohle im Nirwana !! Aber dann eine Auferstehung mit Staats-Bankengeldern fordern !!
    Gott Grü0 die Kunst

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  4. Beide Firmen waren eigentlich schon im Herbst 2019 insolvent. Löhne wurden schon damals schleppend ausbezahlt. Lieferanten teilweise gar nicht. Mitarbeiter sind schon lange vor Corona geflüchtet, wenn es dazu eine Möglichkeit gab.
    Für den Geschäftsführer kam Corona wie gerufen. Er musste keine Insolvenz anmelden und hat das Kurzarbeitergeld kassiert und eingesackt.
    Wenn ich meine Einkommenssteuer einen Tag zu spät überweise, kostet das.
    Wo ist hier die Justiz???

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