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Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien

„Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!“

Christian Aumüller, Geschäftsführer von Aumüller Druck in Regensburg, hinterfragt die ökologische Sinnhaftigkeit der FSC-/PEFC-Zertifizierung von Druckpapieren. (Bildquelle: Aumüller Druck)

Hier das interessante Kurzinterview, das branchenintern zu Diskussionen anregen soll, in voller Länge:

  • print.de: Herr Aumüller, warum treibt Sie das Thema FSC/PEFC-Zertifizierung gerade so um?
  • Christian Aumüller: Weil es hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von FSC und PEFC in der Druckindustrie heftig „brodelt“. Ein Grund dafür ist, dass diese Zertifizierungen aus der Holzwirtschaft kommen und ausschließlich die nachhaltige Bewirtschaftung des Rohstoffs Holz im Blickfeld haben. Was dagegen bei der Herstellung des Zellstoffs, bei der Papierproduktion oder in den Druckereien selbst passiert, ist nicht mehr relevant. Die Siegel suggerieren beim Endverbraucher Um­weltfreundlichkeit – trotzdem kann das Holz für den Zellstoff aus entfernten Ländern (Transportweg!) stammen (wenn auch aus einem zertifizierten Wald), die Papierfabrik kann verschwenderisch mit Unmengen an Wasser und Energie fertigen, womöglich sogar noch mit Chlor bleichen, und der Drucker muss weder den Umgang mit Ökofarben noch den IPA-freien Druck beherrschen. Inzwischen geht es sogar so weit, dass Sie ein FSC-Papier bedrucken, aber das Produkt nicht recyclefähig ist, weil es entweder mit UV bedruckt wurde oder zum Beispiel ein Haftpapier ist. Für das Erlangen des Zertifikats werden wir Druckereien dafür aber von den Organisationen ordentlich gegängelt …
  • print.de: Wie meinen Sie das?
  • Aumüller: Im Prinzip weisen wir für das Zertifikat nach, dass wir das eingekaufte FSC-Papier auch für den jeweiligen FSC-Job verdrucken. Kein Problem soweit. Aber: Wenn wir einen Produktionsschritt outsourcen, zum Beispiel an einen Buch­binder, muss auch dieser Dienstleister zertifiziert sein – obwohl immer noch derselbe „Baum“ in der Auflage steckt! Es bedarf stets einer Outsourcing-Vereinbarung, um nicht im Audit abgemahnt zu werden. Und diese muss ebenso fünf Jahre lang zu Dokumentationszwecken aufgehoben werden wie jeder einzelne FSC-Job – obwohl die Druckprodukte teilweise eine Lebensdauer von nur wenigen Tagen haben. Legen Sie aber zum Beispiel einem FSC-Katalog eine nicht FSC-Postkarte bei, darf auch der Katalog das Siegel nicht mehr tragen! Dabei kommt schon bei der Papierherstellung ein Mengenbilanzierungssystem zum Einsatz. Wer 50% FSC-Wald kauft, darf 50% seines Pa­piers zertifizieren. Faktisch heißt das: Eigentlich ist gar nicht 100% FSC drin, wo FSC draufsteht.
  • print.de: Ist das nicht fast Verbrauchertäuschung?
  • Aumüller: Natürlich. In diesem System geht es nur darum, möglichst viele zu zertifizieren und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Uns als Druckerei kostet das 20.000 Euro für fünf Jahre. Was für die Holzwirtschaft durchaus sinnig ist, muss nicht zwingend auch für die Druckindustrie gut sein. Wir sind einfach „viel zu weit weg“ vom Baum. Also unser Unternehmen hat absolut nichts davon, dass wir uns zertifizieren – und die Umwelt leider auch nicht!

Was haben Sie für eine Meinung zum Thema? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare …

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Näheres zu Aumüller Druck als Vorreiter im betrieblichen Umweltschutz (und weitere interessante Ökologie-Themen) lesen Sie im aktuell erschienenen Deutschen Drucker 5/17.

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