Rund 750 Beschäftigte verlieren ihre Stellen

Manroland Sheetfed stellt Betrieb ein

Blick auf das Manroland-Sheetfed-Werk in Offenbach am Main.(Bild: Archiv DD/print.de)

Nach dem Schutzschirmverfahren, das Anfang März 2026 eingeleitet worden war, ist nun das endgültige Aus für den Offenbacher Hersteller von Bogenoffsetmaschinen, die Manroland Sheetfed GmbH, offenbar besiegelt. Alle Rettungsversuche seien gescheitert, hieß es am 20. April bei einer Betriebsversammlung. Bereits zum 31. Mai werde die Fertigung neuer Maschinen eingestellt, am 1. Juni ende der reguläre Geschäftsbetrieb, sagte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Vogler. Der Großteil der 748 Beschäftigten wird zu diesem Datum freigestellt. Verbleibende Aufträge sollen in einer Restabwicklungsphase bis spätestens Ende 2026 abgearbeitet werden.


Laut IG Metall steht seit dem 16. April fest, dass selbst das zuletzt angestrebte Minimalmodell – die Fortführung des Service- und Ersatzteilgeschäfts – nicht aufrechtzuerhalten ist. Zwar gibt es offenbar noch zwei Interessenten für einzelne Vermögenswerte und Marktorganisationen. Beide hätten jedoch klargestellt, dass sie im Falle einer Übernahme keinerlei betriebliche Tätigkeiten in Offenbach fortführen werden.

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Damit endet eine industriegeschichtlich bedeutsame Ära: Der Druckmaschinenhersteller Faber & Schleicher, der 1871 in Offenbach gegründet worden war und  1979 mit MAN zur Manroland Druckmaschinen AG fusionierte, zählt zu den ältesten Druckmaschinenherstellern der Welt. Langley Holdings 2012 hatte Langley Holdings die Bogenoffset-Sparte aus der Insolvenz der Manroland AG übernommen und als eigenständige GmbH weitergeführt.

Strukturelle Ursachen

Die Krise bei Manroland Sheetfed hat mehrere Wurzeln. China, das historisch rund 40 Prozent der Neumaschinenverkäufe ausgemacht hatte, brach zuletzt als Absatzmarkt massiv weg. Hinzu kamen fehlende Investitionen in Digitalisierung und Produktentwicklung, die das Unternehmen technologisch ins Hintertreffen brachten. Im Jahresbericht 2025 von Langley Holdings werden die Verluste von Manroland Sheetfed für dieses Jahr mit 43,2 Millionen Euro ausgewiesen – während der Mutterkonzern gleichzeitig einen Gewinn vor Steuern von 152,3 Millionen Euro erzielte.

Anthony Langley, Chairman und CEO von Langley Holdings, hatte im März 2026 erklärt, die Situation sei „nicht nachhaltig”, und gleichzeitig zugesagt, die installierte Basis von Manroland-Maschinen langfristig weiter zu unterstützen.

Scharfe Kritik an Eigentümer

Betriebsrat, Gewerkschaft und die Offenbacher Stadtspitze reagieren mit Unverständnis und deutlichen Forderungen. Betriebsratsvorsitzender Stefan Vogler erklärte, man habe zumindest auf eine Fortführung des Intercompany-Geschäfts in Offenbach gehofft – auch das sei nun hinfällig. IG-Metall-Vertreter Manuel Schmidt wirft dem Eigentümer vor, das Unternehmen über Jahre systematisch geschwächt zu haben, und fordert eine gut ausgestattete Transfergesellschaft, um den Beschäftigten reale Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) bezeichnete das Ergebnis als „Versagen des Eigentümers und des Managements”. Zugleich machte er deutlich, dass Langley für künftige Projekte auf dem Gelände – etwa den geplanten Rechenzentrumsbau – auf die Kooperation der Stadt angewiesen sei. Schwenke kündigte an, sehr genau zu beobachten, wie der Eigentümer mit der Belegschaft umgehe.

Die Augsburger Schwesterunternehmen Manroland Goss (Rollenoffset-Vertrieb und -Entwicklung) sowie Manroland web production sind von der Schließung nicht berührt. Die wirtschaftliche Trennung der Geschäftsbereiche war bereits 2012 vollzogen worden, beide Unternehmen agieren eigenständig.