Ausstellung

Ergebnisse aus dem Artist-in-Residence-Programm im Museum für Druckkunst Leipzig

Arbeiten aus dem Artist-in-Residence-Programm „Zeit zu Drucken 6“ zeigen den experimentellen Umgang mit historischen Drucktechniken und deren Verbindung zu aktuellen künstlerischen Fragestellungen.(Bild: Giesecke+Devrient Stiftung)

Drei internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen in Leipzig, wie sie mit historischen Drucktechniken arbeiten und diese mit heutigen Fragestellungen verbinden. Die Ausstellung gibt Einblick in unterschiedliche künstlerische Ansätze und den Umgang mit Material, Geschichte und digitalen Einflüssen.

Mit der sechsten Ausgabe von „Zeit zu Drucken“ präsentiert das Museum für Druckkunst Leipzig die Ergebnisse des Artist-in-Residence-Programms 2025/26. Das Programm wurde 2020 von der Giesecke+Devrient Stiftung ins Leben gerufen. Es ermöglicht internationalen Künstlerinnen und Künstlern, vier Wochen lang an historischen Pressen und Maschinen des Museums zu arbeiten. Aus mehr als 40 Bewerbungen wählte eine Jury drei Teilnehmende aus, deren Arbeiten nun zu sehen sind.

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Der niederländische Künstler Ivo Brouwer beschäftigt sich intensiv mit historischen Druckmaterialien und Schriftformen. Sein Interesse gilt unter anderem Initialbuchstaben, die früher vor allem als dekorative Elemente genutzt wurden. Da es oft nur einzelne Buchstaben gab, blieb Sprache unvollständig. Dieses Prinzip greift Brouwer in seinem Letterpress-Diptychon „Listen and Speak“ auf. Während seines Aufenthalts kombiniert er außerdem Buch- und Tiefdruck. In Arbeiten wie „Avant La Lettre“ nutzt er die direkte Gravur, bei der Spuren unmittelbar in die Druckplatte eingeritzt werden. Sein Holzschnitt „Desire“ nimmt Formen des 16. Jahrhunderts auf und verbindet sie mit aktuellen Fragen.

Beatriz Rodríguez Flores nähert sich dem Thema Geschichte aus einer anderen Perspektive. Ihr großformatiges Werk „Geschichte“ ist wie eine Ziehharmonika aufgebaut und wird von links nach rechts gelesen. Beim Entfalten wird sichtbar, wie Brüche und Veränderungen Geschichte prägen. Sie arbeitet mit der Technik der „verlorenen Form“, bei der ein Druckstock für mehrere Farben genutzt und dabei schrittweise verändert wird. So entsteht ein Bild, das Überlagerung und Verlust zeigt. Ausgangspunkt ist Leipzig als historischer Druckstandort. Gleichzeitig bezieht sie auch mündlich überlieferte Inhalte und Sprachgrenzen mit ein. Besucherinnen und Besucher können die Holztafeln berühren und den Entstehungsprozess nachvollziehen.

Eleonora Damme untersucht den Druckprozess selbst als künstlerisches Mittel. Sie verbindet klassische Techniken wie den Linolschnitt mit digitalen Elementen. Dabei arbeitet sie mit Überlagerungen, Verschiebungen und bewussten Störungen. Ihre Werke entstehen in mehreren Schichten, die sie auf Plexiglas und Folien druckt und räumlich anordnet. Licht und Bewegung spielen dabei eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt steht nicht ein perfektes Ergebnis, sondern der sichtbare Prozess mit all seinen Brüchen und Veränderungen.

Die Ausstellung läuft vom 6. März bis zum 31. Mai 2026 im Museum für Druckkunst Leipzig. Die Eröffnung fand am 5. März in Anwesenheit der Künstlerinnen und Künstler statt.