Heidelberg hat das gesamte Service- und Ersatzteilgeschäft für manroland Bogenoffsetmaschinen übernommen.(Bild: Heidelberger Druckmaschinen AG)
Die Heidelberger Druckmaschinen AG treibt die Erweiterung ihres Kerngeschäfts voran und integriert das Lifecycle-Geschäft von manroland sheetfed sowie die Produktion von Polar. Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen neue Aktivitäten bei Energiespeichern und im Verteidigungsbereich. Im ersten Quartal 2026/27 lagen Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis unter den Vorjahreswerten. Die Prognose für das Gesamtjahr hält Heidelberg dennoch aufrecht.
Heidelberg erwähnt in seinem Quartalsbericht vor allem die jüngsten Erweiterungen des Kerngeschäfts wie die Übernahme des Lifecycle-Geschäfts sowie der globalen Vertriebs- und Servicegesellschaften der manroland sheetfed Gruppe. Damit erweitert der Maschinenbauer sein Geschäft mit Service und Ersatzteilen für installierte Bogenoffsetmaschinen. Teil der Transaktion sind auch die Rechte an der Roland 900 beziehungsweise Cartonmaster für den großformatigen Bogenoffsetdruck. Eine erste Maschine sei bereits verkauft, teilt Heidelberg mit. Der Hersteller prüfe derzeit Möglichkeiten, das System künftig an einem kostengünstigeren Produktionsstandort weiterzubauen und weiterzuentwickeln. Hinzu kommt die vollständige Übernahme von Polar Weiterarbeitungssysteme. Heidelberg übernimmt damit auch die Produktion der Maschinen und Systeme des Weiterverarbeitungsspezialisten.
Anzeige
Hinter den Übernahmen steht auch das Ziel, den Anteil weniger konjunkturabhängiger Geschäfte zu erhöhen. Nach Angaben von Technologie- und Vertriebsvorstand Dr. David Schmedding will Heidelberg unter anderem das Service-, Verbrauchsmaterial- und Ersatzteilgeschäft ausbauen und damit den Anteil wiederkehrender Umsätze erhöhen.
Auftragseingang gibt leicht nach
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 (1. April bis 30. Juni 2026) erreichte der Auftragseingang 537 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal waren es 559 Mio. Euro. Als wesentlichen Grund für den Rückgang nennt Heidelberg das Auslaufen eines staatlich geförderten Investitionsprogramms in Italien. Dadurch sei der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als 60 Mio. Euro belastet worden. Eine bessere Entwicklung in China und weiteren Teilen Asiens habe diesen Effekt nur teilweise ausgeglichen. Der Umsatz sank von 466 Mio. Euro im Vorjahresquartal auf 404 Mio. Euro. Während Heidelberg in China, Großbritannien und Brasilien höhere Umsätze erzielte, gingen die Erlöse insbesondere in der Region EMEA zurück.
Deutlich schwächer fiel entsprechend auch die Ergebnisentwicklung aus. Die um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA-Marge erreichte 0,2 Prozent nach 4,4 Prozent im Vorjahresquartal. Heidelberg führt dies vor allem auf das geringere Umsatzvolumen zurück. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 32 Mio. Euro nach minus 11 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Free Cashflow belief sich nach drei Monaten auf minus 77 Mio. Euro gegenüber minus 68 Mio. Euro im Vorjahr.
Print & Packaging Equipment schwächer
Unterschiedlich entwickelte sich das Geschäft in den einzelnen Segmenten. Bei Heidelberg Technology lagen Auftragseingang und Umsatz nach drei Monaten über dem Vorjahresniveau. Das bereinigte EBITDA blieb mit minus 4 Mio. Euro unverändert. Im Segment Print & Packaging Equipment gingen dagegen sowohl Auftragseingang als auch Umsatz zurück. Als Ursache nennt Heidelberg insbesondere die schwächere Entwicklung in der Region EMEA. Im Bereich Digital Solutions & Lifecycle stieg der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresquartal um rund fünf Prozent. Der Umsatz blieb auf Vorjahresniveau. Gerade dieses Geschäftsfeld dürfte durch die Integration der Aktivitäten von manroland sheetfed künftig zusätzlich an Umfang gewinnen.
Heidelberg erweitert Geschäft mit Energiespeichern
Parallel zum klassischen Druckmaschinengeschäft baut Heidelberg weitere industrielle Aktivitäten auf. HD Advanced Technologies hat gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Phenogy eine Zusammenarbeit im Bereich Natrium-Ionen-Batteriespeicher gestartet. Im ersten Schritt soll die Heidelberg-Tochter komplette Energiespeichersysteme für Phenogy industriell fertigen. Das Aufgabenfeld reicht nach Unternehmensangaben von Beschaffung und Produktion bis zu Installation, Service und Wartung.
Darüber hinaus bereiten beide Unternehmen ein Joint Venture zur Entwicklung und industriellen Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen vor. Dabei sollen die Zellchemie von Phenogy und ein spezielles Druckverfahren von Heidelberg miteinander kombiniert werden. Für Heidelberg ist dieses Vorhaben damit auch eine Möglichkeit, vorhandenes Know-how aus Druck- und Produktionstechnologien in ein neues industrielles Anwendungsfeld zu übertragen.
Weitere Aktivitäten im Verteidigungsbereich
Auch das Engagement im Verteidigungssektor wird erweitert. Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin unterzeichnete Onberg eine Absichtserklärung zur Gründung eines weiteren Joint Ventures mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton. Geplant ist die Kombination von Überwachungsdrohnen von Skyeton mit einem unbemannten Bodenfahrzeug von Heidelberg. Im Juli nahm Onberg zudem in Brandenburg einen sogenannten Live-Hub in Betrieb, in dem Systeme zur Drohnenabwehr demonstriert werden. Die Aktivitäten stehen außerhalb des angestammten Druckgeschäfts und sind Teil der Strategie von Heidelberg, zusätzliche industrielle Geschäftsfelder aufzubauen.
Prognose für 2026/27 bleibt bestehen
Trotz des schwächeren ersten Quartals bestätigt Heidelberg seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Der Konzern erwartet einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der um Sondereinflüsse bereinigten EBITDA-Marge rechnet das Unternehmen mit einer Verbesserung gegenüber 2025/26. Die Prognose steht unter anderem unter der Voraussetzung, dass sich die für Heidelberg relevanten Wechselkurse nicht wesentlich verändern.