Kleinere Auflagen als Chance

Die Landa S10P Nanografie-Maschine im Einsatz bei der Groupe Prenant

Open House bei Diamant Graphic/Groupe Prenant: Auf großes Interesse stieß der Blick ins Innere der Nanografie-Maschine Landa S10P. Links die sieben Druckbalken.
Open House bei Diamant Graphic/Groupe Prenant: Auf großes Interesse stieß der Blick ins Innere der Nanografie-Maschine Landa S10P. Links die sieben Druckbalken.(Bild: Gerd Bergmann)

Seit drei Jahren produziert Diamant Graphic, die Bogendruckerei der französischen Groupe Prenant, mit der Nanografie-Maschine Landa S10P. Die Technologie eröffnet Chancen für anspruchsvolle Marktsegmente, in denen die Auflagen kontinuierlich sinken.

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Nach Aussage von Sharon Cohen, dem Chief Business Officer von Landa Digital Printing, war 2022 ein „Schlüsseljahr“ für den israelischen Druckmaschinenhersteller. Im US-Markt wurden eine Reihe weiterer Maschinen installiert, unter anderem beim Druckkonzern Quad Graphics. Weltweit sei man jetzt bei rund 30 Installationen, sagte Cohen auf Nachfrage von print.de. In China könne man nun erstmals auch die Nanografie-Maschine bei einem Drucker, Nine Stars Printing, in der Praxis vorführen.

Bei der Groupe Prenant wird die Nanografie nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zum Offset verstanden: (v.l.n.r.) Sharon Cohen (Chief Business Officer, Landa Digital Printing), Philippe Vanheste (Dep. General Manager, Groupe Prenant), Laurent Prenant (Président, Groupe Prenant) und Jean Baptiste Bardinet (Global Segment Manager Commercial and Publishing Market, Landa Digital Printing).
Bei der Groupe Prenant wird die Nanografie nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zum Offset verstanden: (v.l.n.r.) Sharon Cohen (Chief Business Officer, Landa Digital Printing), Philippe Vanheste (Dep. General Manager, Groupe Prenant), Laurent Prenant (Président, Groupe Prenant) und Jean Baptiste Bardinet (Global Segment Manager Commercial and Publishing Market, Landa Digital Printing). (Bild: Landa Digital Printing)

Steigerung der Produktivität

Überhaupt seien die drei Märkte Amerika, Asien und Europa sehr unterschiedlich zu betrachten. In Europa kamen 2022 keine weiteren Kunden dazu, Landa habe sich auf die Steigerung der Produktivität und Stabilität der installierten Systeme konzentriert. Der Hersteller rechnet allerdings mit weiteren Maschinenverkäufen in Europa für das laufende Jahr. Man könne dies sicher sagen – auch wenn noch keine konkreten Abschlüsse zu vermelden seien, sagte Sharon Cohen bei einer Pressekonferenz im Rahmen eines Open House bei der Groupe Prenant in Paris. Die Veranstaltung, die nun im Januar 2023 stattfand, war eigentlich bereits für März 2020 geplant gewesen, just für jene Tage, als die Covid19-Pandemie alles zum Stillstand brachte. Dass das zweitägige Open House nun mit fast drei Jahre Verspätung stattfand, war aus Sicht der Gäste kein Nachteil, da der Anwender über drei Jahre Erfahrung verfügt und damit ausgesprochen fundiert Auskunft geben konnte.

An einem Tag waren Kunden der Groupe Prenant geladen, am anderen Tag hatten Drucker aus ganz Europa die Chance, sich die Maschine aus der Nähe anzusehen und unter anderem mit Philippe Vanheste, dem Deputy General Manager der Groupe Prenant, ins Gespräch zu kommen. Unter den rund 50 Interessenten an der Landa-Technik waren auch einige Geschäftsführer und Führungskräfte aus deutschen Druckunternehmen.

Benjamin Bösch, Regional Sales Manager D-A-CH bei Landa Digital Printing, im Gespräch mit Besuchern aus Deutschland.
Benjamin Bösch, Regional Sales Manager D-A-CH bei Landa Digital Printing, im Gespräch mit Besuchern aus Deutschland. (Bild: Gerd Bergmann)

Einzige Maschine in Frankreich

In der Bogenoffsetdruckerei Diamant Graphic in Choisy-le-Roi, einem der drei Druckbetriebe der Unternehmensgruppe Prenant, war Anfang 2020 die erste und bislang einzige in Frankreich installierte Nanografie-Maschine des Typs Landa S10P in Betrieb gegangen. Und man ist mit ihr so zufrieden, dass noch in eine zweite Maschine investiert werden soll. Die familiengeführte Firmengruppe betreibt neben der Bogendruckerei auch die einige Kilometer stadteinwärts angesiedelte Rollenoffsetdruckerei La Galiote sowie im Seine-aufwärts gelegenen Ort Lisses den Direct-Mailing-Standort CFI Technologies. Dazu kommen separate Unternehmen für die Druckweiterverarbeitung, Logistik, Sicherheitsdruck und Augmented-Reality-Anwendungen.

Das Druckereigebäude in Choisy-le-Roi war 2012 erworben worden. Hier sind alle Bogen-Akzidenzaktivitäten konzentriert. Zu Prenants Strategie gehört das Wachsen durch Zukauf. Allein in einem Zeitraum von sieben Jahren wurden so zwölf Unternehmen akquiriert. Aktuell arbeiten etwa 400 Personen für die Gruppe, die mit etwa 500 Kunden einen Umsatz von rund 65 Mio. Euro erwirtschaften. Laut Philipp Vanheste arbeite man profitabel und erbringe so den Nachweis, dass man auch heute noch mit Druck Geld verdienen könne.

Die gefährdete Mitte

Da in vielen Branchen – und so auch im Druckgeschäft – die „Mitte“ wegbreche, konzentriere man sich einerseits auf das Low-Cost-Massengeschäft und auf der anderen Seite auf sehr anspruchsvolle Bogenoffset-Aufträge, für die das Nanografie-Verfahren eine Reihe von neuen USP eröffnet. Bei Diamant Graphic sind neben der Landa S10P sechs Bogenoffsetmaschinen in Produktion, davon fünf im 3B-Format und – bis auf eine – alles Wendemaschinen entweder von Heidelberg oder Koenig & Bauer, ausgestattet mit Rollenanlegern von Mabeg.

Es war wohl eine Idee von Benny Landa selbst gewesen, seine Technologie, die sich ja vor allem durch einen größeren Farbumfang von Offsetdruck abhebt, mitten im Brennpunkt der Luxusgüter- und Mode-Industrie zu platzieren. Die Groupe Prenant ist insofern ein interessanter Partner, als man bis heute dort – abgesehen vom Spezialgebiet Direct Mailing – keine Digitaldruckmaschinen betreibt, sondern auf Offsetdruck-Qualität im Einheitsformat 3B setzt, sowohl im Bogen- wie auch im Rollendruck.

Für die Groupe Prenant war deshalb laut Philippe Vanheste ausschlaggebend wie sich die Landa-Maschine in diese standardisierte Produktionsumgebung einfügen lässt.

Die Entscheidungskriterien waren:

  • Lassen sich dieselben gestrichenen Papiersorten bedrucken, die auch im Offset zum Einsatz kommen?
  • Können Bogen im selben Format wie auf den Offsetmaschinen verwendet werden?
  • Kann (mindestens) dieselbe Druckqualität wie im Offset erreicht werden?
  • Kann in einer Geschwindigkeit produziert werden, die sich dem Offset annähert?

Philippe Vanheste: „Nachdem die ersten drei Fragen bereits zum Zeitpunkt der Anfrage von Landa mit ,Ja‘ beantwortet werden konnten, dauerte die Entscheidung von Laurent Prenant keine 20 Minuten.“ Bezüglich der vierten Frage wollte man allerdings noch abwarten, bis Landa eine Maschine mit Wendung liefern konnte, entsprechend den vorhandenen Bogenoffsetmaschinen. Deshalb wurde es Winter 2019/20 bis die S10P in Paris den Betrieb aufnahm.

Besucher aus europäischen Druckereien kamen nach Choisy-le-Roi, um die Landa S10P in der Praxis zu erleben.
Besucher aus europäischen Druckereien kamen nach Choisy-le-Roi, um die Landa S10P in der Praxis zu erleben. (Bild: Landa Digital Printing)

Aktuell ist die Nanografie-Maschinen im Stande 6.500 Bogen pro Stunde zu drucken. Allerdings reduziert sich dies im Wendebetrieb durch den zweimaligen Kontakt des Bogens mit dem, das Motiv übertragenden Drucktuch auf die Hälfte, also auf 3.250 Bogen pro Stunde. Vanheste bestätigte, dass bei Diamant Graphic der Output der S10P im Jahr 2022 deutlich gesteigert werden, eine Verdoppelung gegenüber 2021. Auf der Maschine wird inzwischen an fünf Tagen pro Woche im Zwei-Schicht-Betrieb gedruckt. Das hat es aber auch nötig gemacht, weiteres Personal für die Maschinenbedienung auszubilden. Und dies müssten, so Vanheste, keineswegs Personen mit drucktechnischem Hintergrund oder einer entsprechenden Ausbildung sein. Ideal sei es, einerseits mit Bogen im Format 70×100 umgehen zu können, andererseits Prepresskenntnisse zu haben. Eine Affinität zu Videospielen sei durchaus hilfreich, sagt der Druckereimanager.

Break-even-Point 1.450 Bogen

Damit die Landa S10P zweischichtig ausgelastet werden kann, hat Diamant Graphic zunehmend Aufträge aus dem Offset in die Nanografie verschoben, die nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung der vorhandenen Offsetverfahren gesehen wird.

Laut Philippe Vanheste liegt der Break-even-Point für einen normalen 16-Seiter und 40 Prozent Farbdeckung bei einer Auflage von 1.450 Bogen. Es finden aber auch höhere Auflagen ihren Weg in die Nanografie – wenn mit variablen Daten gearbeitet wird. Die Groupe Prenant druck beispielweise vollständig personalisierten Kinderbücher auf der Maschine.

Dank der seit drei Jahren betriebenen Nanografie-Maschine kann die Groupe Prenant nach eigener Darstellung besser auf Marktveränderungen reagieren. Zum Beispiel bei den Finanzpublikationen börsennotierter Unternehmen, die früher Auflagen von 5.000 bis 50.000 Stück erreichen konnten. Hier werden nun meist weniger als 2.000 Exemplare produziert. Das muss allerdings binnen weniger Stunden geschehen und mit Änderungen in allerletzter Minute. Dafür ist die Landa S10P laut Philippe Vanheste ideal.

Individuelle Auktionskataloge

Ein weiterer Markt, in dem die Groupe Prenant eine gute Marktposition hat, sind Auktionskataloge. Vanheste: „Wir arbeiten für Sotheby’s, Christie’s und Artcurial.“ Die Auflagen sinken allerdings kontinuierlich und immer mehr Auktionen finden online statt. Deshalb hat die Druckerei den Auktionshäusern vorgeschlagen, vollständig individualisierte Kataloge zu produzieren, die exakt auf die Vorlieben einzelner Kunden abgestimmt sind. „Ohne die Landa-Technologie hätten wir diesen Vorschlag niemals unterbreiten können.“

Bereits 2021 hatte ein Projekt der Groupe Prenant für das französische Mode- und Lifestyle-Magazin „Elle“ Aufmerksamheit erregt. Zur Unterstützung des auf Inneneinrichtung spezialisierten Titels „Elle Décoration“ wurde das Druckunternehmen mit der Produktion einer speziellen 260-seitigen Ausgabe beauftragt. In einer Auflage von 900 Exemplaren gedruckt, wurde sie an Anzeigenkunden und Multiplikatoren verschickt. Im Vergleich zum Offsetdruck konnte das Unternehmen diesen Auftrag um etwa 25 Prozent günstiger als im Offsetdruck produzieren. Kleine Auflagen, speziell Vorauflagen, sind aus Sicht des französischen Nanografie-Anwenders ohnehin eine gute Möglichkeit, den Kunden Mehrwert zu bieten – und eine USP, die sich jenseits aller Preisdiskussionen abspielt.

Wie lange hält das Drucktuch?

In den Fragerunden mit Druckern aus ganz Europa wurde allerdings weniger zu USP’s und Geschäftsmodellen nachgehakt als zu technischen Themen rund um die Maschine. Gerne im Mittelpunkt der Diskussion: das erhitzte Drucktuch, auf dem das komplette Druckbild aus NanoInk-Partikeln entsteht um dann in trockenem Zustand auf das Drucksubstrat übertragen zu werden. Die Standzeit des Drucktuchs wurde bei der Groupe Prenant mit 100.000 bis 150.000 Druckvorgängen angegeben.

Der Drucktuchwechsel dauert aktuell noch zwischen zwei und drei Stunden. Das Thema gehört allerdings zu den vordringlichen Entwicklungsfeldern bei Landa und dieser Zeitbedarf soll im Lauf des Jahres 2023 durch eine Verbesserung des Verfahrens auf unter eine Stunde gedrückt werden. Kontinuierlich weiterentwickelt wird auch im Blick auf die Druckgeschwindigkeit, zu der allerdings beim Open House keine konkreten Zusagen gemacht wurden.

Sales Manager Benny Ohayon erklärt die Bedienung der Maschine, hier am kleinen Leitstand neben dem Bogenanleger.
Sales Manager Benny Ohayon erklärt die Bedienung der Maschine, hier am kleinen Leitstand neben dem Bogenanleger. (Bild: Gerd Bergmann)

Gern diskutiert werden auch die in der Nanografie möglichen Drucksubstrate. Aktueller Stand: Es geht alles außer PVC, wobei augenfällig ist, dass eine Landa-Maschine für die Produktion von flexiblen Verpackungen von einigen Marktteilnehmern herbeigewünscht wird. Aktuell konzentriert sich der Hersteller mit seinen beiden Modellen S10 und S10P noch auf die Marktsegmente Akzidenz, Publikationen und Faltschachtel. Diese drei Märkte machen allerdings zusammen 56 Prozent des gesamten, für das Jahr 2025 auf 850 Mrd. US-Dollar geschätzten weltweiten Druckvolumens aus.