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Knapp ein Jahr nach dem Start

Reutlinger Buchbinderei Lagroni stellt Insolvenzantrag

Die Buchbinderei Lagroni in Reutlingen hat die Insolvenz beantragt. (Bild: designer491/shutterstock.com)

Die Buchbinderei Lagroni hat beim Amtsgericht Tübingen die Insolvenz beantragt. Sitz des Unternehmens ist das ehemalige Lachenmaier-Betriebsgebäude im Reutlinger Gewerbegebiet »Im Laisen 34«. Der Insolvenzantrag erfolgte nur ein knappes Jahr nach dem Start der Buchbindereigruppe.

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Insgesamt liegen dem Amtsgericht Tübingen Insolvenzanträge für drei Gesellschaften vor: die Lagroni GmbH, die Lagroni Feine Bücher GmbH sowie die MBD GmbH, die ausführlich »Manufaktur für Buchkunst und Deckenfertigung« heißt. Als Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Gerhard Walter von der Tübinger Kanzlei Walter, Riegger & Partner eingesetzt. Betroffen sind nach dessen Angaben etwa 25 Mitarbeiter.

Zu den Gründen für den Insolvenzantrag könne er aktuell noch nicht viel sagen, so Walter. Sicherlich hätten die Anfangsproblematiken sowie eine Erkrankung des Geschäftsführers mit eine Rolle gespielt. Allerdings sei man aktuell noch dabei, die Lage zu sondieren. Im weiteren Verlauf werde man die Sanierungsmöglichkeiten der Buchbinderei ausloten.

Lagroni hat erst vor einem knappen Jahr den Betrieb aufgenommen und wollte das komplette Spektrum von Hardcoverfertigung nebst Buchdeckenherstellung, über Softcoverproduktion bis hin zu Sammelheftung und Wire-O-Bindung abdecken. Sitz der Firma ist das ehemalige Betriebsgebäude der Buchbinderei Lachenmaier, auch mehrere ehemalige Lachenmaier-Mitarbeiter sind bei Lagroni beschäftigt. Die Buchbinderei Lachenmaier selbst hatte ihrerseits bereits zweimal Insolvenzanträge gestellt (2006 und 2016).

Das Gebäude war vor dem Start des neuen Unternehmens aufwändig renoviert worden, ebenso hatte Lagroni nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro in neue Technik investiert. Lagroni-Geschäftsführer Karl-Heinz Heim hatte in einem Gespräch mit Deutscher Drucker zudem davon gesprochen, eine »siebenstellige Summe in Form von Eigenkapital einzubringen«.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es gibt immer noch Manager mit viel Geld die der Meinung sind mit Ihrem Geld und ohne große Kundenkontakte eine insolvente Buchbinderei oder Druckerei erfolgreich wieder auf den Markt zu bringen. Die vorherigen Eigentümer oder Geschäftsführer waren ja nach deren Ansicht unfähig. Leider übersehen Sie die ruinöse Preissituation in der gesamten Branche – insbesondere in der Buchbinderei. Mit den auf dem Markt bestehenden Preisen ist auch bei guter Auslastung keine erfolgreiche längerfristige Weiterführung möglich. Wie überall gibt es natürlich auch da Ausnahmen. Diese Ausnahmen sind aber in den vergangenen 10 Jahren erheblich geschrumpft. Es ist erstaunlich, dass sich trotz einer starken Marktbereinigung die Preise nicht nach oben sondern weiterhin auf dem ruinösen Niveau befinden, oder sogar noch weiter fallen. So taugen die Betriebe nur noch als Abschreibungsobjekte für solvente möchtegern Drucker oder Bücherhersteller.

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    1. Klare Worte, die man nur bestätigen kann

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    2. Herr Nething,
      Da kann man nur zustimmen !

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  2. Das kann man klarer nicht formulieren.

    Jedoch sollte nun auch allen klar sein, daß alle Buchbinder Rückgrat haben sollten den Preisstrudel nach unten, aus Angst vor Verlust des Kunden, nicht mehr mit zu machen. Ansonsten wird das sterben der Buchbindereien nicht enden. Und Druckereien werden erst wach wenn sie den letzten Buchbinder wie eine Zitrone ausgepresst haben und es den dann nicht mehr gibt.

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    1. Liebe Ulrike Vettermann,
      leider sitzen die Druckereien im gleichen Boot wie die Buchbinder, vor allem hier im Süden. Druckereien im Osten oder Norden der Republik arbeiten mit Bixhbindereien zusammen, die wegen deutlich niedrigerer Lohnkosten deutlich geringere Preise anbieten können. Wenn wir hier im Süden nicht zu ähnlichen Preisen binden können, erhalten wir den Auftrag nicht. Also ist auch nichts gewonnen.
      Ein Ausweg aus dem Dilemma? Noch mehr Druckereien müssen vom Markt verschwinden, damit dann Kapazitäten im Druck eng werden. Allerdings gehen die Druckaufträge schneller zurück als die Kapazitäten. Also müssen wir der Realität ins Auge sehen. Entweder du bist Kostenführer oder du stirbst. Denn für Qualität und Leistung zahlt kein Kunde auch nur einen Cent mehr!

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      1. Hallo Druckereiunternehmer,
        ganz so stimmt das auch nicht. Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland. Im Preisvergleich sind wir manchmal teurer, manchmal günstiger als die Kollegen aus dem Süden und Westen. Ein genereller Trend, ist nicht erkennbar!
        Wir sehen schon, dass Kunden bereit sind für Qualität und Service zu bezahlen und nicht nur immer jedem Cent hinterherrennen.

        Allerdings kann ich Wolfgang Kern nicht ganz zustimmen, mit jedem wegfallenden Buchbinder kommen mehr Anfragen/Aufträge für die verbleibenden.
        Es gab in letzter Zeit durchaus Phasen wo Kapazität fehlte und man schon gut überlegen muss, welche Kunden zuerst bedient werden.

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  3. Zitat Ulrike Vetterman: “Und Druckereien werden erst wach wenn sie den letzten Buchbinder wie eine Zitrone ausgepresst haben und es den dann nicht mehr gibt.” Druckereien pressen die Buchbinder ja nicht aus reiner Freude am Auspressen aus. Wie sehr sie selbst unter Druck stehen, dürfte hier allen Lesern bekannt sein.
    Nachdem es 2017 so einigermaßen lief, haben die Papierhersteller 2018 kräftig an der Preisschraube gedreht. 10% plus (und mehr) war die Regel. Jetzt vermelden sie enorme Gewinnsprünge . Und die Drucker? Da sie die erhöhten Kosten kaum an die Kunden weiter geben konnten, mussten dort die Verarbeiter dran glauben.
    Die Kunden, die sich nun “Printbuyer” nennen, jubilieren und lachen sich kaputt: Siehe Kommentar zum Artikel “Circle Media Group stellt alle Druckereien zur Disposition”.

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    1. Die Papierhersteller habe die Preise aber auch nicht gewürfelt. 2018 gingen die Titandioxidpreise und auch der Zellstoff auf ein Rekordniveau . Das ganze hat sich hauptsächlich im 1 Halbjahr abgespielt, Ende des Jahres entspannte sich die Situation wieder und aber die Kostensenkung wurde natürlich nicht direkt weitergegeben, was dann ggf. die Ergebnisse erklärbar macht.
      Letztendlich ist ja das Problem, dass die Druckereien ihre Preise nicht durchbringen, da es immer noch einen “Dummen” gibt der es billiger macht. So lange dies der Fall ist, wird sich an der Situation nichts ändern, aus der Markt ist so bereinigt, dass es keine Alternativen mehr gibt.

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  4. Jetzt kommen alle Besserwisser aus ihren Löchern…

    Warum hatte denn der Artikel vom Mai 18 “In Reutlingen entsteht eine neue Buchbinderei” keinerlei Kommentare, Herr N.?

    Ohne Zweifel war das Lagroni vorhergehende Geschäftsführerduo unfähig.

    Noch kennt man keine genauen Gründe, warum das neu aufgesetzte Projekt “Lagroni” vorläufig scheiterte. Vielleicht ist bis dahin etwas Demut angebracht wenn man es selbst nicht besser gemacht hat.

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  5. Ein Problem der Buchbindereien und der gesamten graphischen Industrie sind die vorhandenen Überkapazitäten und in dessen Folge die zu niedrigen Preise, die häufig unter den Selbstkosten liegen. Ein großer Teil der Unternehmen kennt sogar seine eigenen Kosten nicht. Kostensätze sind veraltet oder schlichtweg nicht bekannt und werden so bei der Vor- und Nachkalkulation eingesetzt. Zumindest die Vorkalkulation erfordert aktuelle Kostensätze, um eine vernünftige Grundlage für die Angebotsabgabe zu erhalten. Ein großer Teil der Insolvenzen ist auf mangelhaftes betriebswirtschaftliches Wissen zurückzuführen.

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    1. Das unterschreibe ich vorbehaltslos. All das habe ich in mehreren Druckerei-Insolvenzen selbst mitbekommen. Hauptsache Umsatz – der Verlust dabei ist egal. Schon hat man den perfekten Teufelskreis installiert. Das manchmal weniger mehr ist war in den Pleitefirmen noch nicht bis zum Management durchgedrungen 😉

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  6. Mich würde als Außenstehender (= Büchersammler) interessieren, ob es überhaupt noch Unternehmen der Buchbinderbranche gibt, die Vorzugsausgaben (z.B. Ganz- und Halblederbände, Pergamentbände) und die dafür notwendigen “Verpackungen” (Chemisen, Leinenkassetten, Schuber) herstellen? Lachenmaier in Reutlingen hat bei Lederbänden in qualitativer Hinsicht z.T. Maßstäbe gesetzt. Ich kenne aktuell nur Kleinstbetriebe, die so etwas auf individuelle Bestellung hin anbieten, aber keine professionell geführten Buchbindereien. Heißt das am Ende, dass diese Handwerkskunst vom Aussterben bedroht ist? Mein mittelhessischer Handbuchbinder malt die Zukunft jedenfalls sehr düster. Das hätte auch beträchtliche Auswirkungen auf den Sektor der Buchrestauration (was wiederum für Universitäten mit Rara-Beständen sehr problematisch wäre). Anders gefragt: Kann man mit der Herstellung von wertvollen Büchern genug Geld verdienen, um einen Betrieb dauerhaft am Leben zu halten?

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    1. Hallo Herr Kling,
      aus meiner Sicht wird Qualität und Handwerk in den nächsten Jahren verschwinden und durch kurzlebige und standartisierte Druckerzeugnisse verdrängt. Heisst auch, dass die Buchbinder die das Handwerk beherschen verschwinden werden. Schon heute sind gute Buchbinder rar gesäht.
      Eine Buchbinderei, welche sich darauf spezialisiert, kann aus meiner Sicht heute nicht mehr überleben, weil die Kosten niemand mehr tragen möchte. Vielleicht noch als Nebenprodukt. Allerdings benötigen sie dazu auch das Handwerkliche know-how, dieses geht (wie auch an den Druckmaschinen) durch die Digitalisierung langsam verloren.

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    2. Hallo Herr Kling,
      falls Sie nach entsprechenden Herstellern suchen, probieren Sie es doch mal bei: “Hubert&Co. in Göttingen”.
      Ist mir als recht guter Hersteller, auch mit Sonder-Herstellungen, noch in Erinnerung.
      Gott grüß die Kunst.

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  7. Uns Einkäufer freuen solche Preise und freuen uns, dass die Druckereien und Buchbindereien sich weiter im Preiskampf aufreiben.

    Und sollten die Preise doch wieder steigen, was nicht wahrscheinlich ist, dann gibt es immer noch genug hochperformante Druckereien und Buchbindereien in Osteuropa.

    Als Gesellschafter in Deutschland kann man nur noch eines tun: Verkaufen und sein Geld anderweitig anlegen!

    Traurig, aber so ist die Realität!

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  8. Hallo Hannes,
    das sehe ich nicht so. Im Gegenteil, ein qualitativ hochwertiges und besonderes Buch wird eher das Produkt sein, mit dem sich Geld verdienen lässt. Die kurzlebigen und standardisierten Bücher werden werden vom Onlinedrucker kommen.

    Wir haben als Industriebuchbinder keine eigene Handbuchbinderei, sondern arbeiten da mit lokalen Meisterbetrieben zusammen.
    Dort ist die Auftragslage gut, es herrscht eher Personalmangel.

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    1. Hallo Herr Bradler,
      Da stimme ich Ihnen zu. Ein guter Buchbinder ist schwer zu finden, und der Nachwuchs noch schwerer. Dieses Handwerk lernt man auch nicht so schnell.
      Ich vermute eher, dass das Handwerk es schwer hat, zu überleben und auch der qualitative Anspruch beim Großteil der Bevölkerung abnimmt.
      Ich würde mich freuen, ich täusche mich.

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      1. Sehe ich genauso ABER welcher Hersteller, ob klein oder groß, bietet diese Leistungen denn offen an oder schickt seinen “Verkauf” darauf los?
        Es soll in einigen Universitätsstädten nicht unüblich sein, zum erfolgreichen Abschluss, hochwertige Fachbücher zu überreichen.
        Ebenso sollte doch in Ämtern, Behörden, traditionellen Handwerksbetrieben etc. zu bestimmten Jubiläen oder Ausscheiden solche “Erinnerungsstücke” zu überreichen.
        Auch hier haben wir es mit in der Hand, ob überhaupt ein Bedarf und damit auch ein Weiterleben existiert.
        Gott grüß die Kunst.

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  9. Nun, ich bin mittlerweile 25 Jahre in unserer Branche tätig, habe also sämtliche Umwälzungen und Herausforderungen der Branche hautnah miterlebt. Ich muss Herrn W. Kern da absolut rechtgeben, was das Wissen hinsicht der Wirtschaftlichkeit und den tatsächlichen Kosten angeht, meint man manchmal in den 70zigern zu leben. Viele kennen Ihre eigenen Kostensätze nicht mal, auf Basis dessen ein Angebot mit tatsächlich anfallenden Kosten erstellt werden kann. Druckereien in der heutigen Zeit müssen Mediendienstleiter sein, um überleben zu können, heisst die Bedürfnisse seiner Kunden zu kennen und diese ganzheitlich abzuholen.
    Da nützt es auch nichts, dass man sich spezialisiert und eine spezielle Kundenklientel ansprechen möchte, denn diese nimmt auch stetig ab. Von daher Ärmel hochkrempeln, die wirtschatlichen Hausaufgaben machen und entsprechend das Unternehmen ganzheitlich ausrichten, denn sonst heisst es wie in den letzten 20 Jahren “friss oder stirb”. Nur die Unternehmen werden bestehen, die diese große Herausforderung annehmen und dem Kunden und damit dem Unternehmen auch einen Mehrwehrt schaffen.

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