Manuelle Routineaufgaben und Auftragsdurchlaufzeiten reduzieren

Automatisierung und neue Geschäftsmodelle auf der Obility Insight

Obility-Geschäftsführer Frank Siegel moderierte durch das diesjährige Obility Insight.
Obility-Geschäftsführer Frank Siegel moderierte durch das diesjährige Obility Insight.(Bild: Obilty)

Beim Obility Insight 2026 in Höhr-Grenzhausen standen Digitalisierung, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle für Druckdienstleister im Mittelpunkt. Anwender berichteten, wie sie die E-Business-Print-Plattform von Obility für den Ausbau ihrer Dienstleistungen nutzen. Zudem ging es um aktuelle Entwicklungen in der Druckindustrie der DACH-Region.


Frank Siegel, Mitglied der Geschäftsleitung von Obility, stellte zum Auftakt die Digitalisierung von Prozessen in den Mittelpunkt. Ziel sei es, Arbeitsschritte zu automatisieren, miteinander zu verknüpfen und einen durchgängigen Datenfluss zwischen den beteiligten Systemen zu ermöglichen. Dadurch könnten manuelle Routineaufgaben reduziert und Auftragsdurchlaufzeiten verkürzt werden.

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Schwall baut Dienstleistungen aus

Wie sich auf dieser Basis zusätzliche Geschäftsfelder entwickeln lassen, zeigte die Schwall Medien GmbH aus Rheinstetten. Das Familienunternehmen hat neben seinem Kerngeschäft Druck seit 2016 den Bereich Werbetechnik aufgebaut. Dazu gehören unter anderem Fahrzeugbeschriftungen und die Folierung von Ladesäulen. Um sich stärker vom Preiswettbewerb im klassischen Druckgeschäft zu lösen, gründete das Unternehmen Schwall Service Solution. Neben der Folierung übernimmt das Unternehmen inzwischen unter anderem die Reinigung von Ladesäulen sowie die Pflege ihres Umfelds. Das Netzwerk umfasst nach Unternehmensangaben rund 80 Mitarbeitende, die mehrere Tausend Ladestationen auch außerhalb Deutschlands betreuen. Geschäftsführer Tobias Schwall sieht darin die Möglichkeit, das Angebot um weitere Dienstleistungen zu ergänzen und stärker konkrete Aufgabenstellungen der Kunden zu übernehmen.

Obility wird bei Schwall seit rund eineinhalb Jahren schrittweise in die Unternehmensprozesse integriert. Drei zuvor eingesetzte Kalkulationssysteme wurden auf der Plattform zusammengeführt. Hinzu kamen Closed Shops für Kunden sowie die Integration von Lager- und Materialwirtschaft.Nach Angaben von Projektleiter John Haag sollen damit unter anderem Angebotserstellung, Auslastungsplanung und Produktionssteuerung verbessert werden. Als nächste Schritte plant das Unternehmen einen offenen Shop sowie eine digitale Plantafel zur Koordination der gesamten Wertschöpfungskette. Ziel sei ein höherer Automatisierungsgrad, um Aufträge schneller abzuwickeln und Leistungen trotz Fachkräftemangels skalieren zu können.

Traffic verbindet Print, Daten und Logistik

Auch bei der Traffic Media Group GmbH aus Braunschweig bilden Druckdienstleistungen nur einen Teil des Geschäfts. Das Portfolio umfasst Dokumentenmanagement, Direktmarketing, IT-Services und Fulfillment. Peter Camp, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung, berichtete über ein Projekt mit dem Süßwarenhersteller Storck. Gemeinsam entstand die Idee, Verpackungen der Schokoladenmarke merci über einen Online-Shop individuell gestalten und personalisieren zu lassen. Für die Umsetzung musste Traffic unter anderem eine Food- und Kühllogistik aufbauen und die Rückverfolgbarkeit der Lieferungen sicherstellen. Gleichzeitig stieg das zuvor vor allem auf B2B ausgerichtete Unternehmen mit dem Shop in das B2C-Geschäft ein.

Eine Kundenbefragung habe gezeigt, dass zusätzlich zur Personalisierung unter anderem Grußkarten und Geschenkverpackungen gefragt seien. Diese Optionen können inzwischen direkt im Shop hinzugebucht werden und führen laut Camp zu zusätzlichen Druckaufträgen. Auch Social Media, Suchmaschinenwerbung und Influencer-Marketing wurden in das Konzept einbezogen.

Bei Traffic steuert Obility nach Unternehmensangaben inzwischen zentral die Prozesse. Daten aus eigenen und externen Shops sowie aus angebundenen Systemen fließen in die Plattform. Mitarbeitende im Support können dadurch den Status von Aufträgen zentral einsehen, während Fortschrittsmeldungen automatisiert an Fremdsysteme zurückgespielt werden. Für die Entwicklung der benötigten Schnittstellen beschäftigt der Geschäftsbereich IT-Services derzeit acht Programmierer. Ziel sei ein weitgehend automatisierter Workflow bis hin zur Versandlogistik. Künftig solle möglichst nur noch bei Fehlern manuell eingegriffen werden müssen, erklärte Camp.

Digitale Workflows bleiben zentrale Aufgabe

Die Entwicklung der Druckindustrie thematisierte print.de- und Deutscher-Drucker-Chefredakteur Bernhard Niemela in seinem Vortrag „Zukunfts-Check der Druckindustrie“. Auch wenn einzelne Marktsegmente schrumpften, biete die breite Produktvielfalt der Branche weiterhin Geschäftsmöglichkeiten. Gleichzeitig gewinne die Digitalisierung weiter an Bedeutung. Niemela verwies auf Ergebnisse einer jährlichen Befragung von print.de-Leserinnen und -Lesern. Demnach nennen mehr als 80 Prozent der teilnehmenden Druckereien die Einführung digitaler Workflows und Web-to-Print als wichtigste Digitalisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen. Rund 56 Prozent zählen zudem die Optimierung ihrer Einkaufsprozesse zu den wichtigsten Digitalisierungsaufgaben. Unternehmen, die Daten systematisch nutzen und ihren Kunden über die Produktion hinausgehende Dienstleistungen anbieten könnten, eröffneten sich aus seiner Sicht zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Obility zeigt KI-Anwendung und neue Funktionen

Im Ausstellungsbereich „Obility Orbit“ stellte der Softwareanbieter aktuelle Entwicklungen vor. Senior Consultant Jens Reifenberger präsentierte neue Funktionen des integrierten Closed-Shop-Systems sowie einen neuen Web-to-Print-Editor. Marcus Silber, Leiter Produktmanagement bei Obility, zeigte mit einem Bestellassistenten eine erste KI-Anwendung des Unternehmens sowie neue Funktionen für das Print-ERP. In den vergangenen Monaten seien dort nach Unternehmensangaben knapp 2.000 Änderungen und Erweiterungen umgesetzt worden. Vertreten waren außerdem die Partner ConceptiK, Horizon, Impressed, ITA-Systeme, Motioncutter, prinder, Professional Management sowie die Initiative We.Love.Print. Zum Programm gehörte zudem die Podiumsdiskussion „Wie verdiene ich morgen mit Druck noch Geld?“. Moderiert wurde sie von Luca Rieser von Obility. Auf dem Podium diskutierten Peter Camp, Jörg Scheffler von Motioncutter, Tim Grunewald von Grunewald Digital- und Printmedien sowie John Haag.