Ausschießautomation mit mathematischem Kern

ImpoFox schießt Druckbogen ohne Templates aus

Die Ausschießlösung ImpoFox leitet Druckbogen und Produktionsdaten rein rechnerisch aus der Auftragsbeschreibung ab – ohne Vorlagenbibliothek.(Bild: Schmitthenner Software & Consulting GbR)


Die Schmitthenner Software & Consulting GbR aus Bad Nauheim bringt mit ImpoFox eine PDF2PDF-Ausschießlösung auf den Markt, die Druckbogen nicht aus Vorlagen, sondern rechnerisch aus Format, Umfang, Papier, Bindeart und Ausstattung ableitet. Die Lösung befindet sich derzeit in der Erprobung mit ersten Partnern und soll ab Januar 2027 verfügbar sein. Bedient werden kann sie von Hand, per Knopfdruck oder vollautomatisch über eine offene Schnittstelle.

 

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ImpoFox, vollständig Lep-O-Rello ImpositionAutomation, verzichtet nach Angaben des Herstellers vollständig auf Vorlagenbibliotheken. Stattdessen leitet die Software die Druckbogen deterministisch aus den Auftragsdaten ab: Dieselbe Eingabe soll immer zum selben Ergebnis führen, jeder Rechenschritt im Protokoll nachvollziehbar bleiben.

Gerechnet wird aus der Perspektive des Endprodukts und ausdrücklich auch aus der buchbinderischen Sicht. Die Ableitung verläuft rekursiv von der Produktklasse über den Produkttyp bis zur einzelnen Ausstattung und bestimmt daraus Falzarten, Bogenformat und Maschine – den kleinsten passenden Bogen, symmetrische Falzbogen, Bundlage und Laufrichtung, Beschnitt, Fräsrand und Greiffalze nach den Richtlinien des jeweiligen Betriebs.

 

Falzart-, Bogen- und Maschinenwahl

Grundlage der Produktzerlegung ist ein Katalog von über hundert mathematisch definierten Falzarten, darunter alle JDF-Falzschemata aus dem Lep-O-Rello-Falzartgenerator 4.0. ImpoFox wählt die Aufteilung nach Umfang, Endformat, Papierdicke und Bindeart und prüft die Bundstärke gegen die Grenzwerte der Falzart; technisch ungeeignete Falzarten werden nicht vorgeschlagen. Die Bogenwahl erfolgt über die hinterlegten Lagerformate, wobei die Papierlaufrichtung innerhalb eines Auftrags nicht wechselt.

Anschließend prüft die Software den Falzbogen gegen die Maschinen des Betriebs – Formatbereich, Falzwerke und Einlauflängen der jeweiligen Falzart – und schlägt die Maschine mit der geringsten erforderlichen Ausstattung vor; weitere geeignete Maschinen bleiben auswählbar. Auf dieselbe Weise ermittelt ImpoFox die passende Druckmaschine und den Druckmodus, also Geradeaus oder Schön- und Widerdruck.

Nach Herstellerangaben befinden sich derzeit 24 Falzmaschinen mit mehr als 70 Falzwerken im Test; eine vollständige Produktzerlegung soll rund eine Millisekunde benötigen, gemessen über 288 Aufträge mit vier Formaten, acht Umfängen, drei Papieren und drei Produktklassen.

 

Produktklassen, Umschlag und Komplexaufträge

Abgedeckt werden Rückstichheftung, Softcover mit Klebebindung, Fadenheftung oder Fadensiegeln, Hardcover inklusive Deckenberechnung sowie Vor- und Nachsatz, Wire-O-Bindung, Falzprospekte und Einzelprodukte wie Poster oder Etiketten. Der Umschlag läuft als eigener Ausschießweg mit eigenem Modell: als Bruttobogen mit Panels, mit Klappenverkürzung, Rückenstärke aus Umfang, Grammatur und Volumen sowie Registerhaltigkeit zum Inhalt. Für Sonderwege wie Kommen und Gehen, Booklets im Mehrfachnutzen, Bindung am Kopf oder Wire-O-Kalender gibt der Anwender laut Anbieter lediglich das Einzelprodukt ein.

Aufträge mit mehreren Papieren, Sprachen oder Umfängen führt ImpoFox als ein Werk mit mehreren Teilen und Varianten statt als Einzelaufträge. Daraus entsteht ein Gruppenbericht, der die gemeinsam druckbaren Druckgruppen und die Bindegruppen ausweist und Abweichungen oberhalb betriebseigener Schwellen meldet, ohne die Produktion zu sperren. Über die Sammelformtechnologie lassen sich zudem Signaturen unterschiedlicher Falzart und Restbogen aus Varianten und Sprachen kombinieren, was Druckplatten einsparen soll.

 

Ausgabe an die Callas pdfToolbox

Das Rechenergebnis geht als Ausschießdaten an die Callas pdfToolbox, ergänzt um einen Markenlayer je Bogenseite aus dem Markensatz der jeweiligen Druckmaschine mit Farbkontrollstreifen sowie Schneid- und Falzmarken. Ein Schneidprogramm mit definierter Schnittfolge und eindeutiger Kantenbezeichnung wird mit erzeugt. Hinzu kommen eine PDF-Vorschau mit tatsächlich platzierten Seiten einschließlich Drehung und Beschnitt sowie eine Dummy-Erzeugung, wenn die Kundendatei noch fehlt. Die preflightgeprüften Originaldaten in hoher Auflösung bleiben dabei unangetastet.

 

Automatisierung über REST-Schnittstelle

Über eine Web-Schnittstelle können ERP- oder Workflow-Systeme einen Auftrag mitsamt den Adressen der PDF-Dateien einreichen. ImpoFox schießt daraufhin ohne weiteren Eingriff aus und stellt das vollständige Paket aus Ausschießdaten, Markenlayern und den verwendeten Quelldateien nach Anbieterangaben innerhalb weniger Sekunden bereit. Welche Entscheidungen die Software dabei treffen darf, regeln sogenannte Leitplanken, die je Betrieb und je Kunde gepflegt werden – etwa ob Restbogen umschlagen oder vernutzt werden, welche Falzarten zulässig sind oder wo die Grenze des Sammelhefters liegt.

Jede Entscheidung wird mit ihrer Quelle protokolliert; Aufträge außerhalb der Vorgaben werden mit Begründung abgelehnt. Grenzwertige Angaben führen dagegen zu einer Warnung, nicht zu einer Sperre. Betriebswerte wie Beschnitt, Fräsrand, Greiferrand, Klappenabzüge oder Leimüberstand stehen in den Richtlinien des Betriebs und nicht im Programmcode. Die Lösung ist mandantenfähig und cloudbasiert; neben dem eigenen dokumentierten Datenformat und der ERP-Anbindung ist auf Wunsch eine XJDF-Ausgabe vorgesehen.

 

Verfügbarkeit und Hintergrund

ImpoFox wird derzeit mit ersten Partnern erprobt und soll ab Januar 2027 verfügbar sein; Onlinepräsentationen bietet der Anbieter nach Vereinbarung an. In Entwicklung sind nach eigenen Angaben Packungsbeilagen mit Falzarten bis zu 304 Panels, weitere Hardcover-Deckenvarianten sowie eine Fußanlage zum Wechseln der Vor- und Nachfalzposition.

In die Lösung der Schmitthenner Software & Consulting GbR mit Sitz in Bad Nauheim sind 18 Jahre Erfahrung in einer Vollstufendruckerei und in der Herstellung eingeflossen, ebenso wie ausgeprägtes Know-how mit MIS-Software für Industriebuchbindereien seit 1989 und der Entwicklung mathematisch basierter Ausschießtechnologie für Pharma- und Akzidenzprodukte im Bogen- und Rollendruck. Beratung, Projekte und Software lieferte das Unternehmen unter anderem für Heidelberger Druckmaschinen, manroland, Datamedia, Keyline und die Dr. Lauterbach GmbH, heute Delaware.

 

 

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