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Wechsel an der Spitze der Bertelsmann Printing Group: Axel Hentrei geht

Bertelsmann schließt Tiefdruckerei in Nürnberg

Der Publikationstiefdruck leidet unter dem Wegfall der hochauflagigen Kataloge und Zeitschriften.(Bild: Archiv)

Der Bertelsmann-Konzern schließt zum 30. April 2021 die Tiefdruckerei der Bertelsmann Printing Group (BPG) in Nürnberg. Damit sollen, wie es in einer Pressemitteilung heißt, die “massiven Überkapazitäten im Tiefdruck deutlich reduziert werden”, um “dem zunehmenden Preisverfall und den für die kommenden Jahre prognostizierten Verlusten im Geschäftsfeld Tiefdruck entgegenzuwirken”. Von den Schließungsplänen sind etwa 670 Mitarbeiter der Druckerei und der Klebebindung in Nürnberg betroffen, zudem etwa 250 Beschäftigte im Rahmen von Leih- und Zeit- beziehungsweise Werkverträgen.

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Bertelsmann will sein weltweites Druckgeschäft organisatorisch und personell neu aufstellen. Die Werkschließung ist eine der damit verbundenen Maßnahmen. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Druckunternehmen der BPG soll “deutlich intensiviert” werden. Dazu würden unter anderem die Organisationsstrukturen vereinheitlicht und weitere Funktionen, beispielsweise IT oder Controlling, gebündelt.

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, lässt sich unter anderem wie folgt zitieren: „Megatrends wie die Digitalisierung und die Individualisierung, aber auch die zunehmende Konvergenz von Tief- und Offsetdruck stellen die Druckbranche […] vor große Herausforderungen. Im vergangenen Jahr haben zudem Papierpreissteigerungen zu Zurückhaltung bei vielen Kunden geführt. Auf diese Entwicklungen haben wir in den vergangenen Jahren bereits mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert und antworten jetzt mit einer noch stärkeren Integration unserer Druck- und Direktmarketinggeschäfte.“

Kemmerer folgt auf Hentrei

Zur Neuausrichtung der Drucksparte kommt ein Wechsel an der Spitze der BPG: Axel Hentrei (60), seit Oktober 2016 alleiniger CEO der Druckereigruppe, geht nach fast 30 Jahren Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand. Seine Aufgabe übernimmt mit sofortiger Wirkung Dirk Kemmerer (46), der seit Februar 2017 Mitglied im BPG-Board ist und dort als CEO die Geschäfte von Mohn Media und Digital Marketing verantwortet. Zukünftig besteht das BPG-Board aus drei Mitgliedern. Neben Dirk Kemmerer als CEO sind dies Ulrich Cordes (51) und Niklas Darijtschuk (47). Cordes bleibt CFO der Gruppe, Darijtschuk übernimmt zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben im Bereich Print International die neu geschaffene Rolle des Chief Operating Officers (COO).

Tiefdruck schrumpft immer mehr

Die Stilllegung des Werks in Nürnberg reiht sich ein in die kontinuierliche Reduzierung der Kapazitäten im europäischen Publikationstiefdruck in den vergangenen Jahren. Erst 2014 hatte Bertelsmann das Werk in Itzehoe mit ebenfalls etwa 1.000 Mitarbeitern geschlossen. Die Circle Media Group (CMG) hat sich vor kurzem von ihrer Tiefdruckerei Helprint in Finnland getrennt. Die belgische CMG-Tiefdrucktochter Helio Charleroi war nach einer Insolvenz geschlossen worden.

Bertelsmann verweist darauf, dass die ebenfalls am Standort in Nürnberg ansässigen BPG-Tochterunternehmen RTV Media Group und die Agentur MBS von den Schließungsplänen nicht betroffen seien. Gleiches gelte für die Prinovis-Standorte in Ahrensburg und Dresden sowie für die Offsetdruckereien der Gruppe in Gütersloh (Mohn Media), in Pößneck (GGP Media) und in Würzburg (Vogel Druck).

Gewerkschaft: “Fatale Folge einer verfehlten Strategie”

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht in der geplanten Schließung der Tiefdruckerei und des Weiterverarbeitungsbetriebs in Nürnberg die “fatale Folge einer verfehlten unternehmerischen Strategie des Bertelsmann-Konzerns”, wie der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke sagte. Erst 2017 seien für die Prinovis-Standorte in Ahrensburg, Dresden und Nürnberg drastische Lohneinbußen durchgesetzt worden. “Jetzt sollen unsere Kolleginnen und Kollegen in Nürnberg den Preis für die irrige Strategie von Bertelsmann bezahlen und über ruinöse Lohnkostensenkungen den umkämpften Druckmarkt für hochauflagige Produkte konsolidieren”, kritisierte Werneke.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die Marktumwälzungen sind unerbittlich, seit das Internet und moderne Technik samt den damit einhergehenden neuen Kommunikationsmöglichkeiten und Medien unsere Gesellschaft umkrempeln. Aufzuhalten ist das wohl nicht, die Druckbranche konsolidiert ja schon seit Jahren. Aber schlimm ist das natürlich für die Betroffenen, die den abrupten Wandel ganz persönlich mitmachen und aushalten müssen.
    Ich wünsche diesen Menschen und Ihren Familien, dass sie einen passenden Anschluss finden.

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  2. Leider verschließt VERDI weiterhin die Augen vor der Realität,- kaum zu glauben, dass VERDI nicht war haben möchte, dass der Markt (und dass sind wir alle) diese Produkt in diesem Umfang nicht mehr benötigt. Was zieht VERDI für eine Karte,- alles sind die bösen AG schuld.
    …. Kaum zu glauben…..

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  3. Natürlich werden mittelfristig auch Ahrensburg und Dresden geschlossen. Verdi hat doch auch alle Druckstandorte der gewerkschafteigenen Holding geschlossen. Auch wenn hier immer anderes behauptet wird; Print hat eben kaum Zukunft. Die Arbeitnehmer finden keinen passenden Anschluss, ihnen bleibt letzlich nur die deutlich schlechter bezahlte Zeitarbeit. Dumm wer mal Drucker oder Buchbinder gelernt hat. Noch dümmer wer es heute noch anfängt.

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