Verpackungsverordnung

Ein Monat PPWR: Verpackungsindustrie beklagt hohen Bürokratieaufwand

„Die ersten Wochen müssen als Warnsignal verstanden werden. Die Europäische Kommission und die zuständigen Behörden sollten offene Begriffe schnell klären und für Standardsituationen belastbare Beispiele veröffentlichen“, meint IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger.(Bild: IPV)

Die ersten Wochen mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung PPWR sorgen bei vielen Unternehmen für zusätzlichen Aufwand. Eine Umfrage des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung (IPV) zeigt, wo die größten Probleme liegen und welche Änderungen die Branche fordert.

Einen Monat nach dem Inkrafttreten der europäischen Verpackungsverordnung PPWR fällt die erste Bilanz des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung (IPV) kritisch aus. Eine Blitzumfrage unter den Mitgliedsunternehmen zeigt: Viele Betriebe hatten sich auf die neuen Vorgaben vorbereitet. In der Praxis treffen sie jedoch auf unterschiedliche Auslegungen, neue Kundenfragebögen und unklare Zuständigkeiten.

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Besonders häufig geht es um die Frage, wer in der Lieferkette welche Rolle übernimmt und welche Nachweise dafür erforderlich sind. Unternehmen berichten von Vorgaben, die aus ihrer Sicht über den Verordnungstext hinausgehen. Unklarheiten gibt es unter anderem bei der Erzeuger- beziehungsweise Herstellerrolle. Offen ist beispielsweise, wer verantwortlich ist, wenn ein Kunde das Druckmotiv vollständig vorgibt, und wer in solchen Fällen die Kosten für Änderungen übernimmt.

Zusätzlichen Aufwand verursachen Konformitätsanfragen, technische Dokumentationen und umfangreiche Tabellen, die teilweise bereits vor einer Auftragserteilung verlangt werden. Gefordert werden dabei auch Angaben zu Klebstoffen, Farben oder Inhaltsstoffen, deren Bedeutung für den jeweiligen Auftrag aus Sicht der Hersteller nicht immer nachvollziehbar ist. Die Bearbeitung bindet Personal in Vertrieb, Arbeitsvorbereitung, IT und Compliance. Zudem müssen teilweise ERP-, Artikel- und Stammdatensysteme angepasst werden.

„Unsere Unternehmen unterstützen das Ziel nachhaltiger und kreislauffähiger Verpackungen. Aber Regeln helfen der Umwelt nur, wenn sie verständlich sind und in den Lieferketten einheitlich angewendet werden. Derzeit müssen viele Mittelständler für nahezu jeden Kunden neu klären, welche Unterlagen, Erklärungen und Daten verlangt werden. Das bindet Fachkräfte, verteuert Produkte und nimmt den Unternehmen Zeit für die Entwicklung besserer Verpackungen“, sagt IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger.

Der Verband fordert deshalb unter anderem einheitliche Leitlinien für typische Geschäftsfälle, eine klare Abgrenzung der Erzeuger- und Herstellerrolle sowie standardisierte Konformitätsnachweise. Auch bei den EPR-Pflichten und bei der Dokumentation soll es aus Sicht des IPV klare und möglichst risikobasierte Regeln geben.

„Die ersten Wochen müssen als Warnsignal verstanden werden. Die Europäische Kommission und die zuständigen Behörden sollten offene Begriffe schnell klären und für Standardsituationen belastbare Beispiele veröffentlichen. Gleichzeitig brauchen wir in der Wirtschaft gemeinsame Formate für Nachweise. Es ist untragbar, dass jedes Unternehmen dieselben Angaben immer wieder in neue Kundentabellen übertragen muss“, so Hunger.

Der Verband warnt zugleich davor, den zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit einer besseren Umweltbilanz gleichzusetzen. Claus Jung von Jung Verpackungen formuliert die Kritik so: „Es wird nur deutlich mehr Papierkram verursacht, mit dem viele Leute, die sich ansonsten um die Entwicklung von Innovationen hätten kümmern können, von sinnvoller Arbeit abgehalten werden.“

Der IPV erwartet daher, dass die Umsetzung der PPWR daran gemessen wird, ob sie tatsächlich zu ressourcenschonenderen und recyclingfähigeren Verpackungen führt.