Produkt: Deutscher Drucker 14-15/2019
Deutscher Drucker 14-15/2019
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Serie: Alternative Rohstoffe (2)

Eukalyptusfasern im Papier

Sie werden 30 bis 35 Meter hoch und sind schnell wachsend: Die Bäume der Art Eucalyptus globulus.(Bild: Pushish Images/Shutterstock)

Wie gut sich ein Holz für die Herstellung von Zellstoff als Grundlage für die Papierproduktion eignet, hängt nicht nur davon ab, ob es von Nadel- oder Laubbäumen stammt, sondern über welche Eigenschaften die Zellstofffasern verfügen. Eucalyptus globulus zum Beispiel, eine in Europa vorwiegend in Portugal kultivierte Baumart, hat besonders dicke Zellwände. Welche Merkmale hat das daraus gefertigte Papier? Deutscher Drucker hat Elena Potsi, Produktmanagerin Office & Print bei der Antalis GmbH, in einem Interview hierzu befragt. Lesen Sie hier einen Auszug daraus.

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Das Papier, das aus dem dickwandigen Zellstoff des Eucalyptus-globulus-Baumes hergestellt wird, soll besonders steif und dimensionsstabil sein, eine gute Blattformation sowie eine homogene Oberfläche und ein hohes Volumen besitzen. Kein Wunder also, dass man in der Papierherstellung auf diesen Rohstoff aufmerksam geworden ist, unter anderem auch beim Hersteller “The Navigator Company”. Das portugiesische Unternehmen setzt in seiner gesamten Produktion auf die Verwendung von Fasern des Eucalyptus globulus. Dessen Fasern kommen beispielsweise in den vom Papiergroßhändler Antalis in Deutschland vertriebenen Papiermarken Pioneer, Pioneer Preprint und Print Speed zum Einsatz.

DD: Frau Potsi, wie würden Sie den Eukalyptusbaum und seinen Einfluss auf Klima und Wasserverbrauch beim Wachstum beschreiben?
Elena Potsi: Die Pflanze Eucalyptus globulus, der sogenannte „Blaue Eukalyptus“, der in der Papierproduktion zum Einsatz kommt, ist ein immergrüner Baum, der ursprünglich in Australien beheimatet ist. Aufgrund seiner ganzjährig vorhandenen Blattmasse ist er auch in den Wintermonaten zur Photosynthese in der Lage. Somit hat der Baum einen stärkeren stabilisierenden Effekt auf das Klima als andere Laubbäume: er nimmt im Verlauf seines Baumlebens mehr Kohlenstoffdioxid auf und setzt demgegenüber im Rahmen der Photosynthese Sauerstoff frei. Der Baum verfügt über keine langen, tiefen Wurzeln, sondern er reguliert seine Transpirationsmenge durch die Blätter. In diesen lagert die Pflanze Wasser ein, das in Trockenzeiten wieder genutzt werden kann. Außerdem verfügt der Eucalyptus globulus im Vergleich zu anderen Baumarten wie Fichte oder Eiche über eine höhere Anzahl von Fasern pro Gewichtseinheit.

Würden Sie den Eukalyptusbaum als nachhaltige Pflanze bezeichnen?
Zahleiche Beispiele, bei denen Land bzw. Boden erfolgreich durch Eukalyptuswälder oder kultiviertes Wachstum in Eukalyptusplantagen erneuert werden konnte, beweisen, dass dieser Baum eine nachhaltige Spezies ist. Obwohl seine Setzlinge sehr schnell wachsen und dabei zahlreiche Mineralsalze aus dem Erdboden ziehen, werden 80 Prozent der Mineralien über die Rinde und Blätter wieder an den Boden zurückgegeben.

Wie reagiert Eukalyptus bei der Zellstoffherstellung?
Bei der Herstellung von Zellstoff werden die Fasern aufbereitet – sie werden aufgekocht und in die Bestandteile Zellulose, Hemizellulose und Lignin aufgespalten. Der niedrige Lignin-Anteil in der Faser von Eucalyptus globulus führt dazu, dass bei der Zellstoffaufbereitung weniger Chemikalien genutzt werden müssen und mehr Zellulose, sprich Fasern übrig bleiben. Bei der Zellstoffherstellung werden aus 1 m3 Kiefer lediglich 0,2 t Zellstoff gewonnen, aus 1 m3 Birke 0,25 t Zellstoff, bei Eucalyptus globulus sind dies sogar 0,335 t Zellstoff – das sind 67,5 Prozent mehr Zellstoff gegenüber 1 m3 Kiefer und 34 Prozent mehr als bei 1 m3 Birke. Beides sind meiner Meinung nach starke Umweltargumente.

Welches sind die Eigenschaften, aufgrund derer sich Eukalyptus für die Produktion von Papier eignet?
Eucalyptus globulus verfügt über die ideale Faser für Druck- und Schreibpapier. Es handelt sich hierbei um Kurzfasern mit für die Papierproduktion herausragenden Eigenschaften. Die größere Anzahl an Fasern pro Quadratmeter hat positive Auswirkungen auf die Papierqualität. Die Papieroberfläche ist somit nicht porös sondern geschlossen, da sich mehr Kurzfasern zusammenschließen und die Oberfläche ebener gestalten können. Dies führt in der Folge zu einer besseren Formation der Oberfläche. Des Weiteren ist bei Eukalyptusqualitäten die Opazität höher, da die Fasern das Durchscheinen minimieren. Aus Eucalyptus globulus wird der Zellstoff gewonnen, aus dem beispielsweise die Papiere Pioneer und Print Speed hergestellt werden. Beide eignen sich sowohl für den Office-, als auch für den Offsetdruck. Auch Pioneer Preprint wird mit dem Zellstoff der Eukalyptusfasern hergestellt und ist für den kombinierten Einsatz im Offset- und Digitaldruck verwendbar.

Können Unternehmen, die für die Umwelt und ihre Kunden auf ihre Ökobilanz achten, diese Papiere bedenkenlos einsetzen?
Natürlich können Sie das – unabhängige Institutionen wie FSC und EU Ecolabel bestätigen die Nachhaltigkeit der Produkte, wir als Antalis bewerten dies auch auf unsere Art und Weise und wie Sie ja gesehen haben – Eucalyptus globulus ist nicht so böse, wie die Mythen es behaupten.

Das gesamte Interview lesen Sie in Deutscher Drucker 12/2017, der im print.de-Shop zum Download bereit steht. Nutzen Sie auch gerne ein Abonnement von Deutscher Drucker. Hier geht es zu den Abo-Modellen.

 

 

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guten Tag,

    leider kann ich die Begeisterung für Eucalyptusfasern nicht nachvollziehen.

    In Europa leben keine Tiere, die sich vom Eucalyptusbaum ernähren können. Eucalyptuswälder in Europa sind somit tote Wälder. Es leben nunmal keine Koalas in Europa. Für die europäische Flora und Fauna ist das Eucalyptusöl giftig.

    Anders als im Text behauptet, hat Eucalyptus doch lange Wurzeln die dazu führen, das allen Pflanzen in der Umgebung das Wasser entzogen wird. Zudem hat Eucalyptus einen sehr hohen Wasserbedarf. Mit nachhaltig hat dies meiner Meinung nach nichts zu tun.

    Ökologisch ist das alles sehr zweifelhaft. Und ein FSC-Logo ist meiner Meinung nach auch kein Maßstab für einen umweltfreundlichen Umgang mit Rohstoffen.

    Zudem ist Offsetpapier aus Eucalyptusfasern im Vergleich zu Offsetpapier aus anderen Fasern hart und spröde, merkt man deutlich beim Verarbeiten.

    Auch wenn Ökologie sicherlich nicht zu den Hauptthemen vom Deutschen Drucker gehören, kann man erwarten das hier kritischer nachgefragt wird und falsche Aussagen nicht einfach stehen gelassen werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    DV

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  2. Kann ich auch nicht nachvollziehen, zumal Eukalyptus in Monokulturen angebaut wird, für die häufig Regenwald vernichtet wird!

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  3. Kann mich den beiden vorherigen Beiträgen nur anschließen. Der Vorteil für die Hersteller ist ganz einfach. Eukalyptuskulturen sind schnell anzupflanzen und zu “ernten”, in der Pflege sind diese Monokulturen auch bei weitem weniger anspruchsvoll als andere Wälder. Der Baum entzieht dem Boden definitiv viel Wasser und was mit diesen Monokulturen passiert wenn mal ein Feuer ausbricht sehen wir Jahr für Jahr in Portugal, wo ebenfalls riesige Eukalyptus Wälder für die Papierindustrie stehen, sie brennen auf Grund ihres hohen Ölgehaltes wie Zunder. Über FSC rege ich mich hier schon gar nicht mehr auf denn dies ist blanker Hohn bei Eukalyptus in Europa…

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