Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung läuft

Verdi kämpft um die Arbeitsplätze bei insolventer APM Produktions GmbH

(Bild: Shutterstock/Leungchopan)

In der Darmstädter Druckerei APM Produktions GmbH stehen nach einem Insolvenzantrag zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel. Deshalb hat sich die Gewerkschaft Verdi an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Erklärung der Verdi-Vertrauensleute und des APM-Betriebsrats heißt es 75 der 160 Arbeitsplätze seien bedroht. Ende Juli war für die APM Produktions GmbH ein Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt worden. Der Betrieb wird aktuell von der Geschäftsführung in Eigenverwaltung unter Aufsicht einer vom Amtsgericht bestellten Sachwalterin geführt.

Die Gewerkschaft und der Betriebsrat befürchten offensichtlich, dass ein Personalabbau die Chancen für den langfristigen Erhalt der Druckerei eher verkleinern denn verbessern würde. Künftig sollten Aufträge an andere Druckereien durchgereicht und nicht mehr in Darmstadt umgesetzt werden. „Die gewerkschaftlichen Vertrauensleute und der Betriebsrat halten den Kurs für falsch“, heißt es in der Erklärung der Gewerkschafter. Die jetzige Muttergesellschaft Alpha Print Medien AG hatte 2016 die Beschäftigten in die APM Produktions GmbH überführt. Alle Maschinen und Anlagen verblieben bei der AG.

Anzeige

Die APM darf der Astov-Gruppe zugerechnet werden. Die Astov Vertriebsgesellschaft (Geschäftsführer: Andrew Seidl) führt APM aktuell auf ihrer Website in einer Liste der Unternehmen, die dem Astov-Verbund angehören. Astov sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen, weil Unternehmen der Gruppe Insolvenz anmelden mussten – zuletzt die Firma Kessler in Bobingen. Im Juni hatte Dr. Torsten Voß den Vorstandsposten der APM übernommen und Denis Kämper abgelöst.

Die Alpha Print Medien wiederum war aus der gewerkschaftlichen Union-Druckerei und den Heidelberger Vereinigten Offsetdruckereien (VOD) hervorgegangen. 2003 wurde die APM nach Darmstadt verlagert. Im Dezember 2006 veräußerte die GBG Gewerkschaftliche Beteiligungsgesellschaft mbH alle Anteile an der APM AG an eine private Investorengruppe, die von Andrew Seidl und Dr. Torsten Voß angeführt wurde. Noch heute stellt die APM eine Reihe von Gewerkschaftspublikationen her wie etwa “Druck und Papier” oder “M Menschen machen Medien”.

“Erhebliche Verluste eingefahren

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte APM-Vorstand Voß jetzt, seit der Abtrennung der Produktions GmbH im Jahr 2016 habe man versucht, neue Partner zu finden, “um nicht-kostendeckende Aufträge an solche Unternehmen weiterzuleiten, die auf relativ einfache und schnell durchlaufende Produktionsprozesse spezialisiert seien”. Laut Voß habe das Unternehmen habe seit 2006 erhebliche Verluste eingefahren, in der Regel rund eine Million Euro pro Jahr. Die APM Produktions GmbH sei deshalb kurz vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden. Nun müsse man die Gesellschaft gesund schrumpfen. Laut Voß stehe noch nicht fest, wie viele Mitarbeiter von diesem Schrumpfungsprozess betroffen seien. Kündigungen sind laut Voß aber “unausweichlich.”

Die Verdi-Vertrauensleute und der Betriebsrat fordern den Vorstand dagegen auf, alle Optionen zu prüfen, die einen Erhalt der kompletten Produktion in Darmstadt und einen Verzicht auf Kündigungen ermöglichen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ist es nicht ein wenig zu spät, wenn Verdi jetzt erst kämpft?

    Wäre nicht die “Auslagerung der Kosten” (sprich der Mitarbeiter) in die apm Produktions GmbH der richtige Zeitpunkt gewesen? Nebenbei bemerkt soll wohl die Führungsriege Ihre Bezüge weiter von der AG erhalten, nur eben die normalen Mitarbeiter nicht?
    Interessant wäre auch zu wissen, ob die (Zitat) “… nicht-kostendeckende Aufträge an solche Unternehmen weiterzuleiten, die auf relativ einfache und schnell durchlaufende Produktionsprozesse spezialisiert seien …” an andere Astov-Unternehmen „weitergeleitet“ wurden. Und sind die bestehenden Aufträge von Kunden an die AG erteilt worden? Und wie viel davon behält die AG ein, so dass der Rest, der bei der Produktions GmbH ankommt, gar nicht mehr kostendeckend sein kann?
    So behält man die Aufträge und kann die „Kosten“ günstig durch eine mit Steuergeldern unterstützte Planinsolvenz reduzieren, wenn nicht gar, wie bei Kessler, mangels Masse alle Mitarbeiter entlassen.
    Und die Gewerkschaft stützt diese Model noch durch weitere eigene Aufträge?
    Erstaunlicher Weise waren die “Sanierungskonzepte” der Astov auch in allen anderen Fällen zumindest stark in der Diskussion.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Zitat: “Und die Gewerkschaft stützt diese Model noch durch weitere eigene Aufträge?”
    Naja, der größte Fehler der Gewerkschaften war, nicht mehr selbst
    zu drucken, sondern drucken zu lassen. Da haben sie sich freiwillig und
    kurzsichtig in eine Abhängigkeit gebracht.
    Dieser Fehler musste sich irgendwann rächen.
    Wenn dann die Gewerkschaft nicht mal ca. 150 Arbeitsplätze so
    schützen kann, dass ihre eigenen Produkte hier weiter gefertigt
    werden können, dann ist das aus meiner Sicht eine schlicht blamable
    Niederlage und man stellt sich die Sinnfrage, wenn es um eine
    Mitgliedschaft bei Verdi geht.
    Andererseits ist es bizarr, dass Herr Voss seit ca. 10 Jahren schon
    im Vorstand ist und erst jetzt merkt, dass all die Jahre Geld verbrannt
    wurde.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: