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Ein Streifzug durch die Geschichte: Das sind die Pioniere des Drucks und ihre wichtigsten Erfindungen.
Interview mit Peter Dankesreiter und Peter Sommer

Welche Pläne verfolgt P2 Medien Invest?

Peter Dankesreiter (li.) und Peter Sommer haben 2020 die P2 Medien Invest Holding GmbH gegründet.(Bild: Johannes Wosilat)

Peter Dankesreiter und Peter Sommer haben mit ihrer Holding P2 Medien Invest bereits drei Firmen übernommen – die Bücherdruckerei Hubert & Co, Wurzel Medien und die Raff Media Group. print.de sprach mit den beiden Unternehmern über ihre Beweggründe und ihre Pläne.

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Wie entstand P2 Medien Invest?

Peter Sommer: Peter Dankesreiter und ich hatten uns im vergangenen Jahr getroffen – vor dem ersten Lockdown, als die ersten Insolvenzen aufgetreten sind. Und da hatte er mir seine Idee präsentiert – eine, mit der ich auch schon lange schwanger gegangen bin. Nämlich in der Druckindustrie den Konsolidierungsprozess intensiv voranzutreiben. Firmen zusammenzuführen, wo es Sinn macht: Firmen, die keine Nachfolgeregelung haben oder in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Sie zu durchleuchten und – sagen wir mal – den Markt etwas neu zu sortieren. Damit haben wir jetzt angefangen und das Interesse insgesamt in der Branche ist sehr groß. Wir bekommen unglaublich viele Anfragen für Firmenübernahmen.

 

Sie waren beide unabhängig voneinander sehr erfolgreiche Unternehmer, Ihr Leben lang unterwegs mit eigenen Firmen oder auch in großen Konzernen. Was treibt Sie an, sich auf dieses Vorhaben einzulassen?

Peter Dankesreiter: Wir sind auf jeden Fall keine Hasardeure.

Sommer: Es gab ja in der Branche schon mehrere Investoren, die wild alles zusammengekauft haben. Wir sind unser ganzes Berufsleben lang in der Druckindustrie verwurzelt. Peter Dankesreiter ist Reprograf und gelernter Mediengestalter, er ist der Vorstufenmann. Ich bin gelernter, gelebter Drucker. Wir sind da verhaftet, wir können nichts anderes. Hier wissen wir, wo der Markt hingeht. Und jetzt ist Druck besonders unter Druck. In so einer Situation liegt die Chance verborgen, das ganze Thema neu auf die Schiene zu setzen. Wir maßen uns natürlich nicht an, das komplette Branchen-Ruder rumreißen zu können. Aber wir denken schon, dass wir einiges bewegen können. Ein Beispiel ist Hubert & Co. Die machen „richtige Bücher, mit Kapitalband, Fadenheftung – im Digitaldruck. Das heißt, sie bedienen den Markt, der in Zukunft wachsen wird. Aber Hubert & Co. braucht ein bisschen Adrenalin. Um den Markt besser zu bearbeiten.

Dankesreiter: Da muss der Spagat geschaffen werden zwischen feiner Buchproduktion und dem industriellen Digitaldruck.

 

“Wir maßen uns natürlich nicht an, das komplette Branchen-Ruder rumreißen zu können.”

Peter Sommer

 

Es gab schon manche, die sich „Konsolidierung“ auf die Fahne geschrieben haben. Arquana oder Circle Printers sind damit gescheitert. Was wollen Sie anders machen?

Sommer: Damals bei Arquana habe ich mich gewundert, dass sie eine Rollenoffset-Druckerei nach der anderen gekauft haben. Wir werden definitiv nicht in den Rollenoffset gehen. Und auch nicht in die Verpackung. Bleiben wir bei Hubert & Co – einem wunderbaren Beispiel. Das ist eine sehr lange am Markt befindliche Druckerei, bestens eingeführt in der Verlagswelt. Hat relativ wenig vertriebliche Aktivitäten, aber von der technischen Infrastruktur her die Möglichkeit, mehr zu machen. Hier wollen wir jetzt eingreifen, indem wir Hubert & Co für neue zukunftsträchtige Geschäftsbereiche öffnen. Zum Beispiel die Fotobuchindustrie. Die giert nach besserer Qualität. Wir müssen Lösungen finden, hochqualitative Fotobücher zu annähernd gleichen Preisen herzustellen wie die jetzt gängigen. Oder die Öffnung für Online-Drucker. Warum soll Hubert & Co nicht mit denen zusammenarbeiten? Das sind doch die Plattformen, wo heutzutage Printvolumen generiert wird.

Dankesreiter: Und dafür gilt es jetzt, die Prozesse aufzustellen. Es kann nicht sein, dass für ein Fotobuch in Auflage 1 ein Sachbearbeiter eine Auftragstasche schreibt.

Sommer: Wir könnten alles anbieten, was im Fotobuchmarkt gang und gäbe ist – und dies auf einem anderen Qualitätslevel. Unsere Philosophie ist: Wenn ich schon drucke, dann muss Print geil sein. Es muss das haptische Erlebnis, von dem immer wieder gesprochen wird, da sein. Sonst wäre Print zu teuer.

 

Wir haben ja in der Branche bereits den einen oder anderen institutionellen Anleger. Meist bei Verpackungs- oder Onlinedruckern engagiert. Sie haben auch einen Vorstufenbetrieb und einen Bogendrucker gekauft. Weshalb?

Sommer: Wir haben eine Basis entdeckt, die sich durch die aktuellen Insolvenzen auftut. Allein durch die Wurzel-Insolvenz werden plötzlich 18 Mio. Euro Umsatz auf der Straße liegen. Die werden sich zwar verteilen, aber ein gewisser Grundstock wird übrigbleiben. Ich schätze mal 8 bis 10 Mio. Euro. Wenn sich hier weitere Millionen dazu addieren lassen – aus anderen Insolvenzen –, dann kann man da durchaus eine attraktive Akzidenz-Druckerei gestalten. Die natürlich am Markt anders agieren muss, als das seither die Druckereien gemacht haben.

Dankesreiter: Ziel muss es sein, diese Kapazität in einer einzigen Druckerei zu bündeln. Damit nicht drei Druckereien ihre Maschinen nur zweischichtig auslasten. Und ganz wichtig: die Verarbeitung muss komplett im Hause sein. Ich kann nur dann Geld verdienen, wenn nicht auch noch eine Spedition die Falzbogen hin und her karrt.

Sommer: Unser Ziel ist die Verdoppelung des Umsatzes im ersten Jahr. Und das bekommen wir auch hin.

 

Viele Jahre erfolgreicher Agentur-Chef: Peter Dankesreiter (Foto: Johannes Wosilat)

 

Mit der technischen Infrastruktur in Riederich?

Sommer: Die Druckerei Wurzel in Esslingen ist seit dem 22. Januar geschlossen und wird abgewickelt. Wir haben eine hervorragende technische Infrastruktur bei Raff, einem renommierten Drucker. Er war ja mehrfach Drucker des Jahres. Vor allem: wir haben auch Platz, im Moment sogar zuviel. Aber unser Ziel ist natürlich, diesen Platz sinnvoll auszufüllen.

 

Sie haben in kurzer Zeit drei Unternehmen übernommen. Geht das jetzt in dem Tempo weiter? Wie sieht Ihr Beuteschema aus?

Dankesreiter: Wenn ich es mir wünschen dürfte, sollte jetzt noch relativ schnell ein Druckereibetrieb mit einer Maschine – und mit Umsatz – dazukommen. Aber nicht mit viel Personal und nicht mit Weiterverarbeitungstechnik. Und um Gottes willen nicht mit einem weiteren Standort. Was jetzt gebraucht wird, ist tatsächlich Umsatz. Aber ich bin der Meinung, dass in den nächsten drei bis sechs Monaten einige Druckereibesitzer, die vielleicht mit der Nachfolgeregelung zu kämpfen haben, auf uns zukommen. Solche, die bereit sind, ihren Standort zu schließen. Wie gesagt: Riederich hat noch Platz für zwei Maschinen.

Sommer: Wir sind auch mit Logistikern im Gespräch. Denn wir wollen Industriekunden ansprechen, die Print in Verbindung mit Fulfillment und Logistik benötigen. Aber in dem aktuellen Tempo wird es sicherlich nicht weitergehen. Ja, wir haben viele intensive Gespräche. Aber wir werden sehr genau selektieren, was zu uns passt. Also es wird keine Einkaufsorgie geben. Und wir erleben noch ein gravierendes Hindernis: Wir haben in der Druckindustrie ein Management-Problem. Es finden sich wenig bis gar keine Manager am Markt, die sagen: Hey, wir haben da jetzt einen Betrieb, der muss neu strukturiert werden, der braucht Führung. Und die hingehen und den Job erledigen.

 

“Wenn ich es mir wünschen dürfte, sollte jetzt noch relativ schnell ein Druckereibetrieb mit einer Maschine – und mit Umsatz – dazukommen.”

Peter Dankesreiter

 

Sie beide haben ja selbst viel Management-Erfahrung. Wie sehen Sie Ihre künftigen Rollen?

Sommer: Nicht nur als Investoren. Wir greifen schon auch in die Prozesse ein. Aber wir sehen uns nicht wirklich an operativer Stelle, als die, die das tägliche Geschäft machen.

Dankesreiter: Wir gehen bei den Unternehmen nicht in die Geschäftsleitung, wir fungieren eher als Beirat. Am Anfang ist es wichtig, die Firmen auf die Schiene zu bringen. Da muss man zunächst viel Tagesarbeit leisten – aber das kann nicht unser mittelfristiges Ziel sein.

Sommer: Letztendlich geht es auch darum, Netzwerke zu pflegen. Ein Netzwerk, das man naturgemäß hat, wenn man sich viele Jahre lang in der Druckindustrie bewegt hat. Dieses Netzwerk wollen wir zusammenzuführen.

 

Wie groß sollen denn ihre Units“ werden, die Sie jetzt bilden und in denen Sie die Unternehmen neu arrangieren?

Sommer: Bleiben wir einfach mal beim Thema Buch. Mit dem Digitaldruck sind wir sehr schnell an einer bestimmten Auflagengrenze. Ja, die Auflagen werden zwar kleiner, aber nicht alle werden um die 500 rum sein. D.h. wir brauchen einen weiteren Betrieb, wo wir auch andere Auflagen-Segmente kostengünstig und wettbewerbsfähig bedienen können. Sprich: wir müssen uns nach Druckern umschauen und da gibt es auch schon Gespräche. Drucker mit technischer Ausstattung, um im Offset Bücher herstellen zu können. Wir wollen die komplette Bandbreite in der Buchherstellung abdecken, um Verlagen eine Komplettlösung bieten können, die dem Bedarf der heutigen Verlagswelt entspricht.

Dankesreiter: Sagen wir für Auflagen von eins bis 10.000 oder 20.000.

 

2007 hatte Peter Sommer seine Firma bei Elanders eingebracht. (Foto: Johannes Wosilat)

 

In den Stellungnahmen der Insolvenzverwalter lesen wir stets dasselbe: Es sei zu viel Kapazität im Markt und die Preise würden beständig fallen. Die Initiative von P2 Medien Invest ist ja vermutlich kein karitativer Akt, sondern Sie wollen Geld verdienen. Wie soll das funktionieren?

Sommer: 15 Jahre als Verantwortlicher für Print und Packaging bei Elanders haben mir gezeigt, dass Umsatzrenditen zwischen 7 und 10 % in unserer Branche durchaus erwirtschaftbar sind. Das ist im Bereich des Möglichen und wir haben uns jetzt mal das Renditeziel von 7 % für die einzelnen Gesellschaften gesteckt. Damit ist man gut positioniert. Die meisten Druckereien, das wissen wir alle, krebsen so bei 0,5 bis 1,5 % herum. Wenn überhaupt. Und da ist deutlich mehr drin. Sprich: die Druckindustrie verkauft sich unter Wert. Das wissen wir auch schon lange. Und ja: die Überkapazitäten sind da. Wir wissen noch nicht, wieviel von dem Druckvolumen, das in Corona-Zeiten abgewandert ist, wieder zurückkommt. Und dann wird sich der Markt noch einmal neu strukturieren. Jede Krise ist natürlich auch Chance. Das ist die Zeit für Neuorientierung.

Dankesreiter: Wenn ich Raff jetzt mit Umsätzen von Wurzel und dessen Mitarbeitern kombiniere – und nicht gleich wieder in Richtung zweite oder dritte Maschine denke –, dann bin ich irgendwann in der Lage, auch mal zum Kunden zu sagen: Ich nehme Aufträge nicht um jeden Preis an.

 

Aber dann kann doch das Geheimnis des Erfolgs nur im schlanken Workflow und in der Automatisierung liegen?

Sommer: Ja. Ich habe zum Beispiel heute Morgen eine sehr lange Videokonferenz mit einem großen Online-Drucker gehabt. Und da war die glaubhafte Ansage: wir suchen langfristige Partner, mit denen wir seriös zusammenarbeiten können. Die Onlinedrucker haben natürlich in den letzten Jahren auch die Erfahrung gemacht, dass es nichts bringt, wenn man die Druckereien ausquetscht. Aber: die Druckereien müssen auch von sich aus bereit sein, sich zu strukturieren, um diese Aufträge entsprechend effizient abzuarbeiten. Und dann kann man mit den Onlinedruckern sehr konstruktiv zusammenarbeiten. Und das sind nun mal die Plattformen, die für die Akzidenz Umsätze generieren. Das ist der Staubsauger, der den Markt abgrast.

 

Sie wollen jetzt aber keinen neuen Staubsauger installieren?

Sommer: Onlinedrucker generieren Volumen, das sich eine normale Druckerei mit einem normalen Außendienst mit dem normalen Vertrieb niemals aufbauen kann. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Der klassische Vertrieb in der Druckerei ist tot.

 

Die großen Onlinedrucker haben ihre Kernkompetenz im E-Commerce.

Sommer: Genau. Das sind keine Drucker, das sind eben E-Commerce-Unternehmen. Und die brauchen Partner. Drucker, die das Geschäft entsprechend umsetzen können.

Dankesreiter: Deren Ziel kann nicht sein, die Preise jedes halbe Jahr neu zu verhandeln. Oder neue Prozesse mit den Druckern zu gestalten.

Sommer: Das wird sicherlich in Zukunft – neben den großen Industriekunden – ein wichtiges Standbein sein: strategisch mit diesen Leuten zusammenarbeiten.

 

“Aber jetzt wollen wir erst mal die Backen zusammenklemmen und das national auf die Schiene bringen.”

Peter Sommer

 

Ihr unternehmerisches Konstrukt, dass sie jetzt aufbauen – soll das ein nationales bleiben oder ist das auch international denkbar?

Sommer: Gern international. Aber jetzt wollen wir erst mal die Backen zusammenklemmen und das national auf die Schiene bringen.

 

Herr Sommer, 2019 haben Sie Ihr Engagement bei Elanders beendet. Was Sie jetzt machen, ist ja in Stück weit auch Konkurrenz zu Ihrem früheren Arbeitgeber? Wie reagiert Elanders?

Sommer: Ich beachte das nicht groß. Aber ja, Elanders reagiert in gewisser Weise bissig. Das würde ich auch machen. Aber das habe ich hinter mir gelassen. Das Kapitel ist erledigt. Elanders – das ist für mich zukünftig ein normaler großer Wettbewerber. Ich kenne ja die Strukturen dort. Größe heißt auch Unflexibilität. Ich bereue jetzt natürlich, dass ich den Standort Waiblingen so gut hingestellt habe. Mit der ganzen Digitaldruck-Technologie. Aber jetzt schauen wir eben mal, ob wir ein Stückchen vom Kuchen rausschneiden können. Aber Wettbewerb? Ja, auf jeden Fall.

 

Hilft es – auch im Vergleich zu früheren Branchenkonsolidierern“ –, dass sie beide mit ihren Namen für diese Initiative stehen?

Dankesreiter: Da wir mit Familienunternehmen ins Gespräch gehen, ist es wichtig, dass die Chemie stimmt. Die betriebswirtschaftlichen Zahlen sind ein wichtiges Thema, aber auch die Frage: Passen wir zu diesem Unternehmen?

Sommer: Hubert & Co. hatte bei der Übernahme elf Gesellschafter, die Erben der Gründer.

Dankesreiter: Jetzt hat die Geschäftsführerin Ramona Weiß-Weber nur noch zwei Gesellschafter. Solche, mit denen sie auf Augenhöhe über Prozessveränderungen oder Investitionen reden kann.

Sommer: Dass die Chemie stimmt, ist ein ganz wichtiges Thema. Wir haben in zwei Wochen ein Gespräch mit einem Familienunternehmer. Ich darf den Namen nicht nennen. Aber er ist weit über seinen Umkreis hinaus bekannt. Er hat auch das Nachfolgeproblem. Da geht es nur über die Chemie. Er macht nur das, was er will. Das hat viel mit „Schwingungen zu tun.

Dankesreiter: Das Business muss eben auch Spaß machen. Spaß macht es nur, wenn man mit den Menschen klar kommt. Es gibt zwar auch harte Verhandlungen, aber das ist eben auf einem anderen Level. Anders, als wenn man nur über die Rechtsanwälte geht.

Sommer: Wir machen es eben nur wegen dem Spaß für 7 %.

 

Das Interview führten Gerd Bergmann und Bernhard Niemela.

 

Die zwei “P”

Peter Dankesreiter war viele Jahre selbstständig mit der Dankesreiter Produktion GmbH und seit 2002 mit der Produktions- und Medienagentur Netzwerk-P, die er in die Spitze dieser Agenturgattung in Deutschland führte.

Peter Sommer gründete 1982 Sommer Corporate Media in Waiblingen. Seit 2007 gehört das Unternehmen zur schwedischen Elanders-Gruppe. Seit 2012 ist Peter Sommer Senator h.c. der Hochschule Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Er war bis Ende November 2019 Executive Vice President und CEO von Elanders Europe, Senior Vice President und Mitglied des Vorstands der Elanders Gruppe sowie President der Elanders Print & Packaging Worldwide.

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Deutscher Drucker 24/2018
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo,
    da bin ich mal gespannt, was die beiden Herrn auf die Füße stellen.

    Viel Glück den 2 P’s

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  2. Ganz starkes Interview von Herrn Sommer und Herrn Dankesreiter. Insbesondere die Aussage von Herrn Sommer dass der klassische Vertrieb in einer Druckerei tot ist, finde ich super und gut überlegt. Das ist im Prinzip die Kündigung für die Key Accounts der zugekauften Druckerei Raff. Auch eine Möglichkeit den Mitarbeitern über ein Interview zu kündigen. Diese Aussage zum Thema Außendienst ist sogar Branchenübergreifend. Die beiden Herren sollten gleich weitere Unternehmen aus anderen Branchen zukaufen, bevor andere auf die gleiche Idee kommen. GRATULATION zu diesem Geschäftsmodell. Das gab es noch nie und das Rad wurde neu erfunden. Schade das ich nicht darauf gekommen bin.

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  3. Ist die Aufgabe des Vertriebes dann nicht eine Komplettauslieferung an die Online-Plattformen? Quasi eine reine Lohndruckerei, die verlängerte Werkbank? Wird das dauerhaft auf Augenhöhe funktionieren? Und das im Büchermarkt, also im Umgang mit Verlagen. Die beiden sind natürlich Profis, aber da bin ich mal sehr gespannt

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  4. Bis zu diesem Interview war ich sehr gespannt, was sich hier entwickelt. Nun bin ich etwas desillusioniert. Erst dachte ich, man wird Hubert und Co. vertriebstechnisch unterstützen, dann lese ich “Vertrieb ist tot”.
    Der Fotobuchmarkt – sich hier an die großen Online-Plattformen zu hängen, hat in der Vergangenheit wenigen Druckern geholfen. Die Göttinger sind sicherlich gut in kleinen Auflagen – aber Fotobücher?
    Wurzel und raff lasse ich einfach mal außen vor, die waren vorher nicht gesund …
    Ich bin gespannt, wie sich diese Geschichte entwickelt.

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  5. Das perfekte Interview, um nicht nur die Kunden an den Pranger zu stellen, die noch auf den persönlichen Kontakt und Beratung wert legen, sondern so auch noch den Unmut der damit erfolgreich agierenden Druckereien auf sich zu ziehen. Welch eine Überheblichkeit.

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  6. Wer heute als Vertriebler im industriellen Teil der Druckindustrie erfolgreich sein will, wird sich kurz oder lang damit auseinandersetzen müssen, dass Druck auch nur Teil der digitalisierten Supply Chain der Kunden ist. Dieser Prozess ist unumkehrbar. Dennoch bleibt Beratung notwendig. Will ich mich in die Supply Chain einklinken, muss ich die Prozesse verstehen und dem Kunden beim Verbessern helfen. Vielleicht weist die Zuspitzung “der Vertrieb” sei tot nicht ganz in die richtige Richtung. Aber der Job des Vertrieblers wird sich, wie jeder Job, stark verändern.

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    1. Supply Chain – das ist der Punkt. Seinen Betrieb in die Prozesskette integrieren. In einer Spedition stolperte ich über ein Karl Lagerfeld Bild an der Tür eines Mitarbeiters. Auf meinen verwunderten Blick wurde mir erklärt, dass die Spedition für das bekannte Mode-Label die Geschäfte weltweit ausstattet. Auch die Zusammenstellung der Kollektion inkl. der passenden Krawatte zum Rest gehört dazu……..also nicht nur transportieren – Teil des Gesamtprozesses bis zum Kunden sein!

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  7. Eine Zusammenarbeit mit Onlinedruckern bringt meiner Erfahrung nach nicht 7% Rendite sondern 70% Betriebsleistungsabschlag.
    Der Staubsauger saugt nicht nur den Markt ab sondern auch die Drucker blutleer bei vollem Risiko bei Reklamationen.
    Das bemerkten viele (meist inzwischen insolvente) Drucker erst, nachdem sie nicht mehr zurück konnten…
    Ob das ein Erfolgsmodell ist wage ich zu bezweifeln.

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  8. Wenn Schachspieler über ihre Figuren sprechen. Diese haben aber Ohren, Hirn, Herz und: Beine. Viel Glück, möge das Spiel nicht ausufern. Der Grat zwischen impulsiv-ungefiltert-offen und naiv-respektlos-unklug ist sehr schmal. Gute Balanceküste sind beiden Ps zu wünschen!

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  9. Es sind zwei Sätze im Interview, die mir doch arg zu denken geben:
    1. “…Druckereibetrieb mit einer Maschine – und mit Umsatz – dazukommen. Aber nicht mit viel Personal und nicht mit Weiterverarbeitungstechnik. Und um Gottes willen nicht mit einem weiteren Standort. Was jetzt gebraucht wird, ist tatsächlich Umsatz.”
    2. “…Allein durch die Wurzel-Insolvenz werden plötzlich 18 Mio. Euro Umsatz auf der Straße liegen. Die werden sich zwar verteilen, aber ein gewisser Grundstock wird übrigbleiben. Ich schätze mal 8 bis 10 Mio. Euro.”

    Wer auch nur ein bisschen Ahnung von Insolvenzen in Druckbetrieben hat, weiß bestens, dass die Kunden und damit die Umsätze schneller weg sind als die Wölfe im Wald. Wurzel hat nur wenig Umsätze im Verlagsbereich, auch kaum Periodika produziert. Die meisten Vertriebler haben ihre Umsätze schon längst zu anderen Druckern transferiert.
    Auch der Hinweis, dass zu wenig fähige Manager am Markt verfügbar sind kann ja auch in den handelnden Personen begründet liegen

    Mir ist nicht ansatzweise klar, was die beiden Herren besser machen wollen als der Rest der Branche. Insgesamt ein bisschen zu viel Marketing und kaum Vertrieb, aber die Zukunft wird es uns allen zeigen wer hier Recht behält.

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  10. Wirklich sehr ärgerlich, dass einfach niemand vorher auf derart disruptive Ansätze gekommen ist: Weniger Mitarbeiter und geringere Kosten bei gleichzeitiger Verdopplung des Umsatzes und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Online-Druckkonzernen.
    Ich prophezeie, dass 7% Rendite bei diesem Modell noch eher tief gestapelt sind. Allein bleibt die Frage, warum in Gottes Namen die ganze Branche inkl. der großen Vielzahl an qualifizierten Beratern nicht eher darauf gekommen sind und jetzt die beiden P’s allen zeigen werden, wie der Hase läuft. Aber jetzt ist der Zug wohl schon abgefahren. Das hätte wohl der gesamten Branche viel Elend erspart.

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  11. Die Druckindustrie ist rückwärtsgewandt, genau wie die deutsche Autoindustrie. Druckereien mit Aussendienst sind wie Karstadt und Galeria Kaufhof. Heute sind Menschen wie Jeff Bezos (Amazon) und Elon Musk (Tesla) erfolgreich. Amazon ist wie ein moderner Quelle-Versand und Tesla baut Automobile mit vier Rädern. Nichts neues!
    Ich möchte die zwei Peter nicht mit den beiden Herren oben vergleichen. Um so erfolgreich zu werden, haben sie sich die falsche Branche ausgesucht.
    Aber sie machen nichts anderes als Herr Wurzel, nur mit einem anderen Konzept. Bei ihm war es doch auch in Ordnung und die Mitarbeiter (angeblich) zufrieden.
    Allen Mitarbeitern, die sich nicht mit der modernen Philosophie arrangieren können, sollten sich umorientieren.
    Am Ende entscheidet der Kunde. Und selbstverständlich der Markt.

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    1. Lieber Robert,
      Dein Vergleich mit Amazon, Teslar oder vielleicht auch Flyeralarm, usw. hinkt in meinen Augen sehr. bei Amazon gibt es Positionen im Vertrieb. Nennt sich Vertriebspartner-Manager. Dieser Außendienst wird bei Großkunden als Ansprechpartner eingesetzt. Das ist übrigens bei Flyeralarm, Onlineprinters und großen Druckereien nicht anders. Hier will der Kunde bei einem gewissen Umsatzvolumen keine Hotline am Ohr. Dieser Anspruch wird auch bleiben. Vielleicht bist Du aber zufrieden, wenn Du eine Hotline anrufen kannst und nach dem 3. mal Klingeln mit einem Roboter endlich auch mit einem Menschen sprechen kannst? Auch wenn der nicht vom Fach ist und wahrscheinlich im Ausland sitzt und Dich weiter vermittelt. Toller Service. Diese Einstellung treibt die Servicewüste Deutschland weiter voran. Wir brauchen uns deshalb nicht ärgern, wenn Du im Baumarkt, oder Supermarkt keinen findest, solltest Du mal was suchen. Steht doch alles in den Regalen rum. Musst halt mal die Augen auf machen. An der Kasse das gleiche Spiel. Bloß keine Zeit verlieren. Die Ablage der Kassen ist Bewusst sehr klein gehalten, damit der Durchlauf schneller ist. Für meinen Teil bezahle ich lieber mehr und habe auch einen Ansprechpartner und das ist auch mein Anspruch. Auch Tesla hat im übrigen Außendienstler ;-). Sorry, die werden ja alle Key Accounter in “Neudeutsch” genannt. Sag mir doch mal, welche Druckerei ohne einen Außendienst, oder Sachbearbeiter an ev. Interessenten kommt? Du glaubst doch selbst nicht, dass sich der Interessent bei Dir meldet? Der findet Dich als Druckerei nicht. Dafür gibt es noch zu viele Druckereien. Die Zukunft hat über das Land Druckzentren. Die kleinen Druckereien bis 50 Mitarbeiter, werden auch nach Corona weiterhin im sehr schwierigen Fahrwasser bleiben. Aber auch die Großen sind von zukünftigen Insolvenzen nicht sicher.

      P. Müller

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  12. Danke an den DD für dieses interessante Interview!

    Inhaltlich hätte mich eine Frage zur Finanzierung interessiert. Raff und Wurzel waren günstig auf dem Markt. Bei den Göttingern sieht dies schon anders aus.

    Bin sehr gespannt, ob hier die Halbwertzeit länger dauert als bei Lagroni…

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  13. Der Vertrieb ist tot. Mit dieser Aussage wagt sich P. sehr nahe an die Klippe. Mal abgesehen von Standardprodukten ist Druck immer noch Einzelfertigung. Ähnlich wie bei den Fertighausbauern ist die Produktion – besonders bei den Onlinedruckern – stark standardisiert worden. Aber auch der innovativste Fertighausbauer kommt ohne Architekten und Berater nicht aus.

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  14. Über die, zugegeben, heftigen Aussagen kann man diskutieren und streiten aber die Aussage “klassischer Vertrieb” bei Druckereien ist tot, stimmt! Wenn du an Aufträgen aus Industrie willst haben die betreffenden Personen oft weder Zeit noch das fachliche Wissen um von einem Außendienst 1 oder 2 Stunden “beraten” zu werden. Hier geht es um Preis, Lieferzeit und Konditionen! Das alles kann man (leider) für Standard Formate und Produkte per Klick im Web erledigen. Geht es in Beratung kostet es Zeit und Geld und dies will der Kunde in den seltesten Fällen einsetzen!

    Den Wunsch 8-10 Millionen Umsatz, der auf der Strasse noch liege, mitzunehmen halte ich für sehr gewagt. Wenn evt. 30-40 % des Umsatzes noch gerettet werden könnten finde ich das realistisch. Ansonsten wünsche ich den beiden Herren insofern Erfolg, da dies bedeuten würde ein Unternehmen in unserer gebeutelten Industrie mit Arbeitsplätzen zu erhalten!

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