Vizeweltmeister! Noah Blaumoser hat bei den Print Technology World Championships 2025 in Wiesloch den 2. Platz belegt. (Bild: Heidelberger Druckmaschinen AG)
Noah Blaumoser wusste nicht mal, dass es in seinem Heimatort eine Druckerei gibt. Drei Jahre später steht der 19-Jährige bei der Weltmeisterschaft auf dem Podium – mit Silber und einer Geschichte über Talent, das gefunden werden will.
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Unerwarteter Karrierepfad Druckindustrie
So richtig auf dem Schirm hatte Noah Blaumoser die Druckindustrie als Karrierepfad nicht. Wenn er ehrlich ist, dann war ihm nicht einmal wirklich bewusst, dass es direkt in seinem Heimatort Weichs eine Druckerei gibt. Erst als es ernst wurde mit der Berufswahl und er sich nach einem Ausbildungsplatz umsah, wurde er auf die Druckerei Betz GmbH aufmerksam.
Es hätte auch ein anderer technischer Beruf werden können, so richtig festgelegt hatte sich Noah Blaumoser zunächst noch nicht. „Klar war erst einmal nur, dass ich in keinen Bürojob wollte.“ Praktika in der Industrie sollten ihm Einblicke in die Betriebe und die jeweiligen Tätigkeitsprofile geben. Immerhin sind in Weichs, einem idyllischen Örtchen in der Nähe von Dachau, einige Maschinen- und Anlagenbauer sowie Metallverarbeitungsbetriebe ansässig. Und München mit bekannten Namen wie BMW liegt ebenfalls in erreichbarer Nähe. Dass es am Ende die Druckerei Betz wurde, lag nicht zuletzt an der Atmosphäre, die Noah Blaumoser während seines Praktikums dort erlebte. Ein Unternehmen mit überschaubarer Mitarbeiterzahl, ein angenehmer, familiärer Umgang miteinander und die Aussicht, in diesem Umfeld viel und schnell lernen zu können, gaben für ihn schließlich den Ausschlag. Das – und eine zunehmende Begeisterung für Print.
Klein, aber fein
Im September 2022 begann er seine Ausbildung als Medientechnologe Druck bei der Druckerei Gebr. Betz, dem kleinen Familienunternehmen mit 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die 1985 gegründete Druckerei produziert die klassischen Akzidenzen, aber auch Postkarten, Aufsteller, Faltschachteln, Verpackungen, Mappen im Offset- und im Digitaldruck. Kunden sind Verlage, Industrie, Handel, Agenturen, Vereine, Kommunen und Verbände, überwiegend aus der Region. Betz ist vollstufig aufgestellt und – wie es selbstbewusst auf der Firmenwebsite heißt – eine der „modernst ausgestatteten Druckereien im Großraum München“.
Blaumosers Annahme, hier eine intensive und gute Ausbildung zu bekommen, bestätigte sich. Er durchlief die komplette Prozesskette des Unternehmens, wurde in alle Abläufe eingebunden und durfte von Anfang an mit anpacken – ein Glückstreffer für den heute 19-Jährigen. Dass er zudem einen Beruf gefunden hatte, für den er ein Auge und das sprichwörtliche Händchen zu haben schien, ebenfalls. Das bemerkte auch sein Chef: Dieser entdeckte auf Social Media die Ausschreibung des Verbands Druck + Medien in Bayern zur Landesmeisterschaft der Druck- und Medientechnik und schlug ihm vor, mitzumachen. Das war im Juli 2024. Blaumoser überlegte nicht lange, sagte zu, wurde Zweiter und geriet damit ins Blickfeld von Mark Fassl. Fassl ist Senior Application Specialist bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, wo er außerdem die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften im Bereich Druck verantwortet, die im Print Media Center, dem Showroom des Druckmaschinenkonzerns, in Wiesloch stattfinden. Und so stieg Blaumoser eine Liga auf.
Entspannt zum Deutschen Meister
„Ich bin da eigentlich mit wenig Erwartungen reingegangen“, erinnert sich Noah Blaumoser an seine Teilnahme bei den bayerischen Meisterschaften. „Ich hatte ja keine Ahnung, was bei so einem Wettbewerb gefordert wird. Ich wusste nur, dass ich bis dahin eine gute Ausbildung genossen hatte.“ Auch für die Deutsche Meisterschaft, zu der Fassl die ersten drei Platzierten der bayerischen Qualifikation einlud, trainierte Blaumoser nicht allzu viel. Das klingt verwegen, ist aber einem nüchternen Pragmatismus geschuldet: „Wenn man jeden Tag an der Druckmaschine steht, muss man eigentlich nicht mehr viel üben.“ Es komme vielmehr darauf an, sich schnell auf eine Aufgabe einzustellen – auch ohne große Vorbereitung. „Auswendig üben kann jeder.“ Die Strategie ging auf. Im Showroom von Heidelberg, umgeben von hochmodernen Maschinen und beobachtet von Fachleuten, zeigte Blaumoser drei Tage lang, was er konnte. Nach einer ausgiebigen Einführung an der hauseigenen Speedmaster CX 75 am ersten Tag, hatten die Teilnehmer am zweiten Wettbewerbstag zwei anspruchsvolle Druckaufträge zu bewerkstelligen. Außerdem sollten Sonderfarben gemischt werden und die Maschine fachmännisch auf- und abgerüstet werden. Die drei zentralen Bewertungskriterien: Neben der Präzision und Farbgenauigkeit, die messtechnisch ausgewertet wurden, standen die Effizienz der Arbeitsprozesse und die kreative Lösungsfindung bei Herausforderungen im Mittelpunkt der Bewertung.
Erster! Bei den Deutschen Meisterschaften holte Noah Blaumoser (rechts) Gold vor Xenia Jobs und Yannick Schobert. (Bild: Heidelberger Druckmaschinen AG)
„Die Atmosphäre war relativ entspannt“, beschreibt Noah Blaumoser seinen Eindruck vom Wettbewerb. Die größte Herausforderung sei gewesen, in der Zeit zu bleiben. „Du hast immer diesen Zeitdruck im Hinterkopf, und man vergisst schnell die Zeit, wenn man so konzentriert ist.“ Dabei zeigte sich, welche Kompetenzen er neben dem fachlichen Know-how mitbrachte: Ruhe, Präzision und die Fähigkeit, auch unter Druck zu liefern. Eine Kombination, die schließlich mit dem 1. Platz bei der Deutschen Meisterschaft belohnt wurde und ein Titel, der ihm nicht nur Anerkennung einbrachte, sondern auch das Ticket zur Weltmeisterschaft.
Heimspiel bei der WM
Die Weltmeisterschaft beziehungsweise die Print Technology World Championships fanden vom 17. bis 21. November 2025 statt – nicht etwa in einer exotischen Metropole, sondern erneut in Wiesloch im „Home of Print“, aus dem einfachen Grund, weil Heidelberg auch den internationalen Wettbewerb organisierte und ausrichtete – in Kooperation mit dem Schweizer Druck- und Medienverband. Ein ambitioniertes Unterfangen, das zeigt, wie sehr dem Konzern an der Nachwuchsförderung gelegen ist. So bietet Heidelberg bereits im Vorfeld der Meisterschaft Trainings für die jeweiligen Kandidaten an, um die jungen Leute bestmöglich vorzubereiten.
Als internationale Konkurrenz reisten Kandidaten aus Frankreich, der Schweiz und Japan nach Wiesloch. Die Aufgabenstellung sah insgesamt drei Druckjobs in Folge vor, darunter den Druck einer Postkarte im Digitaldruck, variablen Datendruck und einen Offsetdruckjob. Auch das Anreiben einer Farbe war erneut gefordert. Ebenso stand ein Schneidjob auf der Liste, was für einen in Deutschland ausgebildeten Medientechnologen nicht zum Standard gehört. Denn hier unterscheidet sich die Ausbildung in Deutschland von anderen Ländern, in denen die Weiterverarbeitung meist in der Druckerausbildung enthalten ist. In Deutschland deckt diesen Bereich das Berufsbild des Buchbinders ab. Beim Wettbewerb wiederum geht es mit dieser Aufgabenstellung auch darum, zu zeigen, dass der Kandidat den ganzen Prozess verstanden hat.
„Wenn man jeden Tag an der Druckmaschine steht,
muss man eigentlich nicht mehr viel üben.“
Neben den Trainings bei Heidelberg stand für Blaumoser im Vorfeld vor allem eines auf dem Programm: Englisch büffeln. Der internationale Wettbewerb findet auf Englisch statt und insofern mussten natürlich die Fachbegriffe sitzen. Blaumoser sieht es positiv. „Das schadet auch dem Lebenslauf nicht“, reflektiert er. Und auch diese Herausforderungen meisterte Noah Blaumoser und landete nach drei intensiven Wettbewerbstagen auf dem zweiten Platz – hinter dem Schweizer Lucas Briggen.
Für den jungen Medientechnologen gab es somit gleich zweimal einen Grund zu feiern. Neben der Silbermedaille erhielt er ebenfalls im November eine Urkunde von der IHK München und Oberbayern, die ihm bescheinigte, dass er seine Ausbildung als Bester des Jahrgangs 2025 abgeschlossen hat. Dafür, dass er mehr durch Zufall in der Druckindustrie gelandet ist, ist das eine ziemlich beeindruckende Bilanz.
Mehr als nur Knöpfe drücken
Aber was macht einen guten Medientechnologen aus? Blaumoser muss nicht lange überlegen: „Das Auge für die Farbe ist das Wichtigste. Jeder Mensch sieht Farben ein bisschen anders, aber man sollte schon Unterschiede erkennen können.“ Das lässt sich zwar lernen, eine gewisse Grundveranlagung hilft aber enorm. Mathematische Vorkenntnisse? „Nicht so ganz wichtig“, winkt er ab. „Den Rest lernt man eigentlich, wenn es um den direkten Druck geht.“
Wichtiger sind für ihn Soft Skills: Teamfähigkeit, Offenheit für Neues und vor allem der Wille zu lernen. Bei Betz hat er auch gelernt, wie wertvoll es ist, den gesamten Prozess zu verstehen. „Das Zusammenspiel dieser vielen verschiedenen Faktoren finde ich am spannendsten.“ Auch gefällt ihm, wie abwechslungsreich der Beruf ist: „Kein Job ist wie der andere; man macht immer wieder etwas anderes, lernt immer neu dazu.“
Zu den Aufgaben bei der Weltmeisterschaft gehörte es auch, Sonderfarben zu mischen. (Bild: Heidelberger Druckmaschinen AG)
Besonders gerne arbeitet Blaumoser an der alten SM 52, die bei Betz neben einer modernen Speedmaster XL 75 noch im Einsatz ist. „Da muss man noch alles selbst einstellen. Das macht tatsächlich ein bisschen mehr Spaß als an der großen, voll digitalisierten, automatisierten Druckmaschine, weil man selber Hand anlegen kann und ein eigenes Gespür dafür bekommt.“ Es ist diese Verbindung aus Handwerk und Technik, aus Erfahrung und Präzision, die ihn fasziniert. Moderne Maschinen nehmen einem viel ab, aber wer versteht, was im Inneren passiert, wer die Haptik des Materials spürt und die Nuancen der Farbgebung erkennt, der hat einen Vorteil, ist Noah Blaumoser überzeugt.
Branche im Wandel
Freilich ist sich Noah Blaumoser auch den Herausforderungen der Branche bewusst. Bei Betz sucht man beispielsweise händeringend nach Auszubildenden. Die Druckindustrie kämpft mit Imageproblemen und einem Mangel an Nachwuchs. Dennoch ist Blaumoser optimistisch: „Ich denke, dass sich die Branche einfach weiterentwickelt, aber keineswegs am Aussterben ist. Druckprodukte werden sicher nicht verschwinden.“ Gerade im lokalen Bereich sei Print unverzichtbar. „Werbung, die physisch und haptisch präsent ist, wirkt oft besser als digitale Medien.“ Hinzu komme, dass das Vertrauen in digitale Medien durch Fake News sinke. „Und dann gibt es natürlich noch Bereiche wie den Verpackungsdruck, die zunehmen.“
„Viele machen sich gar keine Gedanken darüber, wo Flyer,
Magazine oder Verpackungen eigentlich herkommen.“
Er selbst sieht in der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt vor allem Chancen: „Jede Druckerei sucht. Arbeitslos wirst du nicht.“ Die Perspektiven für gut ausgebildete Fachkräfte seien sehr gut. Trotzdem sieht er das Nachwuchsproblem kritisch: „Viele machen sich gar keine Gedanken darüber, wo Flyer, Verpackungen oder Magazine eigentlich herkommen. Und wenn man sich keine Gedanken macht, dann kommt man auch nicht drauf, dass es dafür Jobs gibt.“
Der traut sich was
Noah Blaumoser ist nicht nur in seinem Beruf ehrgeizig. Der 19-Jährige engagiert sich vielfältig: Er ist Vorstand im örtlichen Schützenverein, kirchlich aktiv als Mesner, Mitglied in Burschen- und Madelvereinen und kandidiert für die CSU im Gemeinderat von Weichs. Es ist diese Mischung aus Bodenständigkeit und Ambition, die Blaumoser ausmacht. Er hat durch Zufall einen Beruf gefunden, der zu ihm passt – aber er verlässt sich nicht auf Zufall, wenn es um seine Zukunft geht. Er plant, bildet sich weiter, übernimmt Verantwortung. Eigenschaften, die in seiner Generation nicht selbstverständlich sind, wie er selbst findet: „Heutzutage will keiner mehr Verantwortung übernehmen. Oder die Führung von einem Projekt – da trauen sie sich nicht.“ Noah Blaumoser indes hat sich schon ganz schön viel getraut – und das hat sich ausgezahlt.
NOAH BLAUMOSER
kann mit 19 Jahren schon einige Auszeichnungen vorweisen. Während der Ausbildung bei der Druckerei Betz in Weichs belegte er bei den bayerischen Meisterschaften der Druck- und Medientechnik den 2. Platz und holte bei den Deutschen Meisterschaften den 1. Platz. Bei der Weltmeisterschaft im letzten November setzte er sich als Vizeweltmeister gegen internationale Wettbewerber durch. Dass er auch als Jahrgangsbester in München/Oberbayern seine Ausbildung abschloss, passt ins Bild. Privat engagiert er sich ehrenamtlich in Vereinen, der Kirchengemeinde und der Politik.
Das Porträt von Noah Blaumoser gehört zu einer Reihe von Interviews und Geschichten über „Menschen in der Druckindustrie“.
Reportagen über weitere Menschen, deren Herz heftig für Print schlägt, finden Sie in Ausgabe 16/2025 von Deutscher Drucker. Die gesamte Ausgabe steht im print.de-Shop zur Verfügung.