Kontrollierte Luftfeuchtigkeit für produktiven Inkjetdruck
Beim Raumklima setzt Rautenberg Druck aus Leer auf Finestfog-System
von Redaktion,
Einfaches Display: In Druckbetrieben gehören Befeuchtungsanlagen bekanntermaßen zu den Gerätschaften, die einfach funktionieren sollen.
Offset- und Tonerdrucksysteme sind bei Papier einigermaßen gutmütig und verzeihen die ein oder andere Unebenheit. Beim Inkjet endet diese Gelassenheit allerdings – und plötzlich werden Parameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu elementaren Produktionsfaktoren. Diese Erfahrung hat man auch bei Rautenberg Druck in Leer gemacht. Die Installation einer neuen Heidelberg Jetfire 50 machte es notwendig, sich intensiv mit den Umgebungsbedingungen auseinanderzusetzen.
Die neue Inkjet-Produktion wurde deshalb nicht in den vorhandenen Drucksaal integriert, sondern in einer eigenen Halle eingerichtet. „Wir hatten das Thema Luftbefeuchtung aber nicht unbedingt auf der Prioritätenliste“, gibt Tobias Hoffmann, Gesellschafter des 201 Jahre alten Druckunternehmens, offen zu. „Wir mussten allerdings schnell feststellen, dass eine kontrollierte Luftfeuchtigkeit Voraussetzung für einen stabilen Produktionsprozess im Inkjetverfahren ist.“
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Papier arbeitet
Papier ist hygroskopisch, das ist bekannt, und nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf oder gibt sie an diese ab, um sich an das herrschende Raumklima anzupassen. Da die Zellulosefasern im Papier ständig auf die Luftfeuchtigkeit reagieren, arbeitet das Material kontinuierlich. Im klassischen Offset oder mit einer Versafire lassen sich, wie eingangs erwähnt, Unwägbarkeiten oft „wegarbeiten“; beim Inkjet und seiner Tinte funktioniert das nicht mehr. Das Papier saugt die Tinte auf wie ein Schwamm. Ist die Umgebungsluft in der Halle nun zu trocken oder schwankt sie, reagieren die Zellulosefasern extrem empfindlich.
Kompakt und leistungsstark: Die Finestfog-Hochdruck-Luftbefeuchtungsanlage sorgt in Leer bei 21 C Temperatur für eine konstante Luftfeuchtigkeit von 50%.
So hat man sich in Leer an einen Spezialisten für das perfekte Hallenklima gewandt: Finestfog aus Ottobrunn. Vertriebsmitarbeiter Knut Ringel hat sich mit den Räumlichkeiten auseinandergesetzt: „Da es sich um einen überschaubaren Raum und keine große Produktionshalle handelt, die verschiedene Klimazonen notwendig machen würde, reicht in Leer eine Ein-Zonen-Anlage mit einer Befeuchtungsleistung von 20 l/h, um auch im Winter problemlos eine relative Luftfeuchte von 50% bei 21°C zu erreichen.“
Um das Wasser exakt und ohne Niederschlag in die Luft zu bringen, setzt der Spezialist auf eine Hochdruckbefeuchtungsanlage, die – der Name verrät es – mit hohem Druck feinsten Nebel erzeugt. Für die nötige Sicherheit im laufenden Betrieb sorgt dabei eine ausgefeilte Hygienetechnik: Das Wasser wird vor dem Versprühen per UV-Licht bestrahlt, um Keime zuverlässig abzutöten; eine automatische, verhindert jegliche Stagnation im System.
Der Feinfilter bereitet das Wasser vor dem Versprühen auf und schützt das System vor Verunreinigungen.
Gerade bei der Verarbeitung ungestrichener Naturpapiere zeigt sich, wa-rum sich dieser technische Aufwand auszahlt. Da diese Materialien Umgebungsfeuchtigkeit besonders rasch aufnehmen oder abgeben, sorgt die konstante Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent dafür, dass die Bögen absolut plan liegen: Wellen an den Rändern und lästige Bogenstaus gehören der Vergangenheit an. Gleichzeitig verhindert das stabile Klima, dass die Papierfasern quellen oder schrumpfen, wodurch – wie Co-Gesellschafter Stefan Schulz lobt – aufeinanderfolgende Tintentröpfchen beim Inkjet-Mehrfarbendruck exakt auf den Punkt treffen und gestochen scharfe Konturen entstehen. Nicht zuletzt bindet die feine Befeuchtung Schwebeteilchen und beugt elektrostatischer Aufladung vor, was das Zusammenkleben von Bögen verhindert und die Maschinenverfügbarkeit im Alltag spürbar erhöht.
Herausforderung Hochsommer
Gerade bei anspruchsvollen Aufträgen wird deutlich, welchen Vorteil die Finestfog-Anlage mit sich bringt. „Wenn ich im Hochsommer bei 35 Grad mit einer Pantone-Farbe gedruckt habe, brauchte ich gar nicht erst anfangen, sie mit einem Spektrometer zu messen“, blickt Hoffmann auf frühere Zeiten zurück. Dank des kontrollierten Klimas und der präzisen Steuerung ist das Problem Vergangenheit. Rund 90 Prozent aller Pantone-Farben lassen sich innerhalb engster Toleranzen direkt abbilden, selbst Sonderfarben für Fünffarb-Jobs sitzen exakt, sodass Kunden keinen Qualitätsunterschied zum klassischen Offsetdruck feststellen. Die Finestfog-Anlage wurde im Sommer installiert – mit Blick auf die Rekordtemperaturen keinen Moment zu früh.
Die Düsen verrichten unauffällig ihre Arbeit und versprühen 20 Liter Wasser pro Stunde.
„Je stärker der Inkjet-Druck in Richtung industrieller Produktion geht, desto weniger sollte man die Umgebungsatmosphäre dem Zufall überlassen“, bringt es Knut Ringel zum Abschluss auf den Punkt.