Editorial aus Deutscher Drucker 24/2019

Gattungsmarketing muss auch nach innen wirken

Die nationalen World-Skills-Wettbewerbe im Bereich Drucktechnik fanden im Oktober Print Media Center (PMC) der Heidelberger Druckmaschinen AG statt.

In einem Kommentar auf print.de zu den laufenden Tarifverhandlungen rät einer unserer Leser „jedem Berufseinsteiger dringend vom Beruf Drucker ab“. Ein anderer pflichtet bei: Die Druckindustrie habe „eh schon ein nicht gerade gutes Image“. Da passen das Jammern über den Fachkräftemangel und die Probleme, Lehrstellen mit motivierten Bewerbern zu besetzen, perfekt ins Bild. Ein Trauerspiel, oder?

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Andererseits standen jüngst zwei frisch ausgelernte Medientechnologen Druck bei den World Skills Germany auf dem Siegertreppchen als beste ihrer Disziplin: Silber gab’s für Maurice Vornholt, der mit Mohn Media in Gütersloh bei einer der größten Druckereien Europas arbeitet. Er ist gerade mal 19 Jahre alt, bedient die ganz großen Bogenmaschinen, druckt Produkte in riesiger Auflage und sagt selbst, wie sehr ihn die vielfältigen Möglichkeiten des Drucks faszinieren. Gold holte Jessica Sturm, auch erst 19 Jahre alt, die den Beruf gelernt hat, um später einmal die Druckerei ihrer Eltern zu übernehmen – und damit in ihrer Berufswahl ein klares Invest in die Zukunft sieht. Die beiden haben sich garantiert nicht am Wettbewerb beteiligt, ­
weil sie an der Branche zweifeln.

Einer dieser beiden startet dann im nächsten Jahr zusammen mit zahlreichen anderen Disziplinen bei den Berufsweltmeisterschaften in Kazan (Russland). Dann wetteifern Bäcker, Konditoren, Fliesenleger, Maler, Mechatroniker und eben auch Medientechnologen darum, im Ländervergleich am besten abzuschneiden. Ein Spotlight auf den Branchennachwuchs – die Teilnehmer sind alle unter 23.

Interessanterweise messen andere Länder und andere Gewerbe dem Wettbewerb erheblich größere Bedeutung bei als die deutsche Druck- und Medienindustrie. Die Schweiz beispielsweise trommelt laut für den Wettbewerb, trainiert ihre Teilnehmer und ist unglaublich Stolz auf deren Erfolge.

Hierzulande fliegen die World Skills im Bereich Druck unter dem Radar der eigenen Branche. 15 Teilnehmer gab es in diesem Jahr für die nationale Ausscheidung in den Druck- und Medienberufen. Die Zahl ist durchaus ausbaufähig.

Dabei täten wir gut daran, ein wenig Gattungsmarketing nach innen zu betreiben und dem Nachwuchs das Gefühl zu vermitteln, in einer selbstbewussten, zukunftsfähigen Branche zu arbeiten. Denn wenn den jungen Leuten in erster Linie eine enttäuschte „No Future“-Haltung entgegenschlägt, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn irgendwann genau das eintritt: No Future.


Mehr über den World-Skills-Wettberwerb lesen Sie in Deutscher Drucker 24/2018.

Einen Eindruck von den ersten beiden Wettbewerbstagen geben die beiden Videos:

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