Prepress-Lösungen für den Verpackungsdruck

Investmentfirma Blue Cap AG übernimmt Prepress-Spezialist Janoschka

Zum Portfolio von Janoschka gehört insbesondere die Produktion von Tief- und Flexodruckformen.
Zum Portfolio von Janoschka gehört insbesondere die Produktion von Tief- und Flexodruckformen.

Der Münchener Beteiligungsinvestor Blue Cap AG hat am 7. Mai 2026 den Erwerb aller Aktien der Janoschka AG, Kippenheim, vereinbart. Der Deal verdoppelt annähernd die Größe des Blue-Cap-Konzerns und markiert einen strategischen Einstieg in den globalen Markt für Verpackungs-Prepress.

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Blue Cap hat mit Mitgliedern der Gründerfamilie Janoschka und der Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft Süd Beteiligungen GmbH (SüdBG) einen Kaufvertrag über den Erwerb von 100 Prozent der Aktien an der Janoschka AG sowie mittelbar deren Tochtergesellschaften abgeschlossen. Über den Kaufpreis haben die Parteien keine Angaben gemacht.

Die Transaktion steht noch unter aufschiebenden Bedingungen. Dazu zählen die Anpassung der bestehenden Konsortialfinanzierung der Janoschka AG, die Erteilung bestimmter gesellschaftsrechtlicher und regulatorischer Zustimmungen sowie die Durchführung festgelegter operativer Maßnahmen. Nach erfolgreichem Vollzug wird Janoschka vollkonsolidiert und trägt anteilig zum Konzernumsatz sowie zum Ergebnis des Blue-Cap-Konzerns für das Geschäftsjahr 2026 bei.

Verkäufer sind zum einen Gesellschafter aus der Gründerfamilie, darunter Firmengründer Manfred Janoschka, der das Unternehmen seit 1976 in Kippenheim (Baden-Württemberg) aufgebaut hatte und heute dem Aufsichtsrat angehört. Zum anderen veräußert die SüdBG ihren Anteil, den sie seit 2017 gehalten hatte.

Für Blue Cap bedeutet der Zukauf einen transformativen Schritt: Der Analystendienst mwb research schätzt, dass die Akquisition die Konzernumsätze annähernd verdoppelt. Entsprechend hat Blue Cap die Jahresprognose für 2026 deutlich angehoben: Der Vorstand rechnet nun – unter der Annahme eines erfolgreichen Vollzugs – mit einem Konzernumsatz von 170 bis 190 Mio. Euro (zuvor: 120 bis 140 Mio. Euro) und einer Adjusted-EBITDA-Marge von 7,5 bis 8,5 Prozent (zuvor: 5,0 bis 6,0 Prozent).

Als strategische Treiber nennt Blue Cap das strukturell wachsende Segment flexibler Verpackungen, für das der Tiefdruck – eine der Kernkompetenzen von Janoschka – eine zentrale Drucktechnik darstellt. Die geografische Präsenz von Janoschka in unmittelbarer Nähe wesentlicher Verpackungsmärkte sichere kurze Wege und hohe Servicequalität, was zu einer engen Kundenbindung beitrage. Zudem passe Janoschka mit einem Umsatz von rund 90 Millionen Euro und einer EBITDA-Marge von rund 13 Prozent (Schätzung mwb) exakt in das definierte Akquisitionsprofil von Blue Cap: mittelständische B2B-Unternehmen aus der DACH-Region mit nachhaltig stabilem Kerngeschäft und klarem Entwicklungspotenzial.

Unternehmensportraits

Janoschka AG

Gegründet 1976 von dem gelernten Tiefdruckretuscheur Manfred Janoschka in seinem Heimatort Kippenheim im Ortenaukreis, hat sich das ursprüngliche Fünf-Mann-Unternehmen zu einem der weltweiten Marktführer für Prepress-Lösungen im Verpackungsdruck entwickelt. Heute beschäftigt die Janoschka-Gruppe rund 1.500 Mitarbeitende und betreibt Produktionsstätten in 12 Ländern in Europa, Asien und Nordamerika; die Unternehmenswebsite zählte zuletzt 25 Tochtergesellschaften in 15 Ländern.

Als One-Stop-Anbieter deckt Janoschka die gesamte Prepress-Wertschöpfungskette des Verpackungsdrucks ab: von der Verpackungsentwicklung und Designadaption über die graphische Reproduktion – dem Überführen von Designs in druckfähige Daten – bis hin zur Fertigung von Tiefdruck- und Flexodruck-Zylindern sowie Prägewerkzeugen. Hauptkunden sind Verpackungshersteller und Markenartikler aus dem FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods), darunter Unternehmen aus der Lebensmittel-, Körperpflege-, Rauchwaren- und Pharmaindustrie.

Zum Unternehmensverbund gehört auch die Premedia-Produktionsagentur Linked2Brands, die die Verpackungsgestaltung und -vorbereitung für einen einheitlichen Markenauftritt an verschiedenen Points of Sale übernimmt. Weitere Anwendungsfelder sind Sicherheitsdruck, Fälschungsschutz sowie taktile Oberflächen für Dekor, Tissue und Textil. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Janoschka einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro.

Blue Cap AG

Die Blue Cap AG wurde 2006 in München gegründet und ist heute eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, deren Aktie im Börsensegment Scale der Frankfurter Wertpapierbörse sowie im m:access-Segment der Münchner Börse gehandelt wird. Das Geschäftsmodell beruht auf dem Erwerb mittelständischer Unternehmen aus dem B2B-Bereich, die sich in Sondersituationen befinden, jedoch über ein nachhaltig stabiles Kerngeschäft verfügen.

Der strategische Fokus liegt auf Unternehmen mit Hauptsitz in der DACH-Region und einem Jahresumsatz zwischen 20 und 200 Millionen Euro. Blue Cap übernimmt in der Regel Mehrheitsbeteiligungen, begleitet die Portfoliounternehmen aktiv in ihrer operativen und strategischen Weiterentwicklung und veräußert sie nach einer typischen Haltedauer von drei bis sieben Jahren gewinnbringend. Zum 31. Dezember 2025 umfasste das fortgeführte Portfolio vier Mehrheitsbeteiligungen in den Segmenten Industrials und Business Services sowie eine Minderheitsbeteiligung.

Für das Geschäftsjahr 2025 schloss Blue Cap erfolgreich ab und schlug der Hauptversammlung eine Rekorddividende von 1,60 Euro je Aktie vor – bestehend aus einer Basisdividende von 0,65 Euro und einer Sonderdividende von 0,95 Euro aus dem Verkauf der Beteiligung con-pearl. Mit der Janoschka-Übernahme treibt das Unternehmen unter CEO Dr. Henning von Kottwitz die Portfolioerneuerung konsequent voran.

Ausblick

Der genaue Zeitpunkt des Vollzugs der Transaktion steht noch nicht fest; er hängt unter anderem von der Neuverhandlung der Konsortialfinanzierung der Janoschka AG sowie weiteren gesellschaftsrechtlichen Genehmigungen ab. Blue Cap rechnet mit einer anteiligen Konsolidierung noch im laufenden Geschäftsjahr 2026. Die Hauptversammlung der Blue Cap AG ist für den 23. Juni 2026 in München terminiert.

Für die Druckindustrie ist die Transaktion ein weiteres Signal für die Konsolidierung im vorgelagerten Prepress-Markt: Spezialisierte Dienstleister wie Janoschka geraten zunehmend ins Visier finanzstarker Industrieinvestoren, die auf strukturelles Wachstum im flexiblen Verpackungsdruck setzen.