Vorläufiges Insolvenzverfahren bei Steidl aufgehoben
von Redaktion,
Der 1969 gegründete Steidl Verlag genießt international insbesondere für aufwendig produzierte Kunst- und Fotobücher einen hervorragenden Ruf. Jetzt konnte das vorläufige Insolvenzverfahren beendet werden. (Bild: Screenshot www.steidl.de)
Der Göttinger Steidl Verlag hat die dem Insolvenzantrag zugrunde liegenden Forderungen beglichen. Das Amtsgericht Göttingen hebt deshalb das vorläufige Insolvenzverfahren wieder auf. Die wirtschaftlichen Herausforderungen des für seine hochwertigen Kunst- und Fotobücher bekannten Hauses sind damit allerdings noch nicht gelöst.
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Das Anfang Juli angeordnete vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der Steidl GmbH & Co. OHG ist nach wenigen Wochen beendet worden. Nach Angaben des Amtsgerichts Göttingen wurden die offenen Forderungen beglichen; der antragstellende Gläubiger habe dies bestätigt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter war der Braunschweiger Rechtsanwalt Stefan Liese bestellt worden.
Auslöser des Verfahrens waren nach übereinstimmenden Medienberichten offene Sozialabgaben. Verlagsgründer Gerhard Steidl erklärte, es habe sich um Mahnbescheide zweier Krankenversicherungen über vergleichsweise geringe Beträge gehandelt. Nach Informationen des Göttinger Tageblatts waren Forderungen der Knappschaft sowie einer weiteren Krankenkasse betroffen.
Unabhängig von diesen nun beglichenen Forderungen waren zuletzt auch Berichte über verspätet oder nicht gezahlte Gehälter bekannt geworden. Ein Göttinger Arbeitsrechtler, der nach eigenen Angaben einen größeren Teil der Beschäftigten vertritt, sprach Mitte Juli von mehreren noch anhängigen Verfahren. Die Aufhebung der vorläufigen Insolvenzverwaltung bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass sämtliche wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Streitpunkte erledigt sind.
Investor für Verlag und Druckerei gesucht
Steidl führt bereits seit Längerem Gespräche über eine Nachfolgeregelung und den Einstieg eines Kapitalgebers. Nach Angaben des Verlegers haben sich im Zuge der Berichterstattung ernsthafte Interessenten gemeldet. Voraussetzung Steidls ist demnach, dass der Verbund aus Verlag, Druckerei und den Immobilien in der Göttinger Innenstadt als Einheit erhalten bleibt. Der 75-Jährige will sich nach einem Einstieg künftig vor allem auf die künstlerische Leitung konzentrieren.
Der wirtschaftliche Druck auf das Unternehmen bleibt hoch. Steidl verweist unter anderem auf stark gestiegene Produktionskosten sowie Probleme in wichtigen Auslandsmärkten. Das internationale Geschäft sei deutlich zurückgegangen. Als Gründe nennt der Verleger unter anderem Importzölle in den USA und Einschränkungen beziehungsweise Zurückweisungen von Publikationen durch chinesische Zensurbehörden.
Einen Einschnitt bedeutet zudem der Verlust der Verwertungsrechte am Werk von Günter Grass. Die Günter und Ute Grass Stiftung hatte die seit 1993 bestehende Zusammenarbeit im Mai 2026 wegen wiederholter Zahlungsrückstände beendet. Die Stiftung sucht inzwischen nach einem neuen Verlagspartner. Steidl selbst misst den Grass-Titeln für die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Hauses laut Medienberichten nur noch eine geringe Bedeutung bei.
Der 1969 gegründete Steidl Verlag genießt international insbesondere für aufwendig produzierte Kunst- und Fotobücher einen hervorragenden Ruf. Entwicklung, Gestaltung und Druck der Publikationen werden weitgehend am Stammsitz in der Göttinger Innenstadt realisiert.