Papierfabrik Schleipen stellt Betrieb endgültig ein
von Redaktion,
Das endgültige Aus: Die Papierfabrik Schleipen Paper in Bad Dürkheim hat Ende August nach fast 300 Jahren ihren Betrieb eingestellt. 73 Beschäftigte verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.(Bild: Google Maps)
Nach fast 300 Jahren endet die Geschichte der Papierfabrik Schleipen in Bad Dürkheim. Der Betrieb ist nach einem erneuten Insolvenzverfahren endgültig geschlossen, 73 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze. Als Gründe gelten vor allem sinkende Aufträge, hohe Standortkosten und fehlende Wettbewerbsfähigkeit.
Die Papierfabrik Schleipen Paper GmbH aus Bad Dürkheim hat ihren Geschäftsbetrieb Ende August endgültig eingestellt. Damit endet die Geschichte des 1737 gegründeten Unternehmens, das zu den ältesten Papierfabriken Deutschlands zählt. Alle 73 Beschäftigten verlieren ihren Arbeitsplatz.
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Das Amtsgericht Baden-Baden hatte am 24. Juni das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Bereits vor fünf Jahren war die Fabrik nach einer früheren Insolvenz von der Lenk-Gruppe aus Kappelrodeck übernommen und saniert worden. Zuletzt wurde noch geprüft, ob zumindest der sogenannte Cutting-Bereich weitergeführt werden könnte. Dort werden große Papierrollen auf die von Kunden gewünschten Formate zugeschnitten. Dieser Plan ließ sich jedoch nicht umsetzen. „Zuvor konnte trotz erheblicher Bemühungen auch kein internationaler Investor gefunden werden“, erklärte Insolvenzverwalter Dr. André Berbuer.
Als wichtigste Ursache für die wirtschaftlichen Probleme nennt Berbuer den Rückgang der Aufträge. Deutsche Papierwerke hätten es zunehmend schwer, auf den internationalen Märkten mitzuhalten. „Der Industriestandort Deutschland ist hier nicht mehr attraktiv“, sagt der Insolvenzverwalter.
Nach seiner Einschätzung kommen mehrere Standortprobleme zusammen. Dazu zählen vor allem hohe und schwer planbare Kosten für Energie und behördliche Auflagen. Hinzu kommen aus seiner Sicht ein wenig flexibles Arbeitsrecht und der gleichzeitig bestehende Fachkräftemangel. Auch die Infrastruktur sei ein Problem. „Es fehlt an Glasfaser und viele Straßen sind in einem schlechten Zustand“, so Dr. Berbuer.
Die Schließung von Schleipen steht dabei nicht allein. Auch andere Unternehmen aus der deutschen Papier-, Karton- und Verpackungsbranche stehen unter Druck. Zuletzt stellte etwa Baiersbronn Frischfaser Karton seinen Betrieb ein. Dort waren rund 220 Arbeitsplätze betroffen.
Kritik an der Entwicklung kommt auch von der Gewerkschaft IGBCE. Sie bemängelt unter anderem, dass die Beschäftigten und ihre Vertreter erst nach dem Insolvenzantrag über die Situation informiert worden seien. Dadurch seien mögliche Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitsplätze bereits stark eingeschränkt gewesen. Mit der Schließung gehe neben den Arbeitsplätzen auch langjährig aufgebautes Fachwissen verloren.