Schutzschild für die Kreislaufwirtschaft – echtes Recycling ohne Qualitätsverluste
Wie Sun Chemical Barriere-Lacke neu denkt
von Redaktion,
Von links: Matthias Siegel von der Grafischen Palette konnte sich bei Markus
Schmücker (kaufmännischer Geschäftsführer) und Daniel Fuhr (Produktmanager
Specialities)
vor Ort von Sun Chemicals Innovationsfähigkeit überzeugen.(Bild: Christian Lukas)
Barriere-Lacke bilden das technologische Werkzeug, mit dem eine echte Nachhaltigkeitswende eingeleitet werden kann. Sie lösen das ökologische Dilemma moderner Verpackungen, indem sie maximalen Produktschutz garantieren, ohne die Sortier- und Recyclingfähigkeit im Altpapier- oder Folienstrom zu blockieren. Sun Chemical am Standort Frankfurt hat sich längst von einem traditionellen Farblieferanten zu einem Hightech-Zentrum für nachhaltige Materialwissenschaft entwickelt, in dem das Thema Barriere-Lacke ganz oben auf der Prioritätenliste steht.
Die letzten Jahre waren für Hersteller von Druckfarben und funktionalen Lacken alles andere als einfach. Gestiegene Strom- und Transportkosten belasten die Bilanzen der Produktionsbetriebe schwer, weiß Markus Schmücker, Kaufmännischer Geschäftsführer der Sun Chemical Group GmbH, aus seiner Branche zu berichten. Preisschwankungen für Rohstoffe sind am Markt in diesen geopolitisch schwierigen Gegenwartszeiten die Regel, nicht die Ausnahme. Doch Sun Chemical verfügt in diesem wenig erquicklichen Spiel über einen entscheidenden strategischen Vorteil: Das Frankfurter Werk ist eingebettet in einen global agierenden Konzern, DIC. Da die Unternehmensgruppe wichtige chemische Grundbausteine zu großen Teilen selbst herstellt, profitiert der Standort Frankfurt davon erheblich. Schlüsselkomponenten müssen nicht teuer auf einem ständig nervösen Markt eingekauft werden. Diese zum Teil geschlossene Lieferkette im eigenen Haus sichert nicht nur die Lieferfähigkeit, sondern gibt den Hessen die Stabilität, selbst unter schwierigen äußeren Bedingungen echte Innovationen vorantreiben zu können.
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Schutzeigenschaften
„Wir verkaufen nicht nur Druckfarben, wir sind Entwickler und Problemlöser“, betont Markus Schmücker die strategische Neuausrichtung des Standorts. Und beim Thema Verpackungen und Barriere-Lacken treten die Hessen mutig gegen Konzepte an, die oft seit Jahrzehnten am Markt etabliert sind – und das nicht nur im Detail, sondern in ihrer Gesamtheit. Gemeint sind vor allem klassische Multilagen-Verpackungen: Verbundmaterialien aus verschiedenen Kunststoffen, Papieren und Alumini-umschichten, die zwar sehr gute Schutzeigenschaften besitzen, sich jedoch kaum recyceln lassen. Solche Verbundstrukturen blockieren den Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft, die diesen Namen auch verdient, ohne dass große Teile des wichtigen Rohstoffs Papier/Karton am Ende eben doch thermisch verwertet werden, weil sie sich nicht wieder aufbereiten lassen.
Um einen saftigen Hamburger kreislauffähig zu verpacken, braucht es clevere Barriere-Lacke zwischen Verpackungsmaterial und Packgut. (Bild: Sponchia/Pixaby)
Detailarbeit
Genau hier setzen die Frankfurter Chemieexperten an, und einer der wichtigsten Köpfe hinter dieser technologischen Transformation ist Daniel Fuhr. Als Produktmanager Specialities sorgt er maßgeblich dafür, dass in der Frankfurter Entwicklungsabteilung theoretische Chemie in Marktvorteile übersetzt wird. Ein wesentlicher Entwicklungsschwerpunkt für ihn sind die sogenannten NC-Farben. Diese auf Nitrocellulose basierenden Druckfarbensysteme bilden das bewährte Rückgrat vieler moderner Verpackungsdrucke. Für das Frankfurter Team bedeutet das intensive Detailarbeit: Sie müssen diese klassischen Farbsysteme chemisch so fit machen, dass sie im Zusammenspiel mit den neuen Beschichtungen perfekt funktionieren. Denn die beste Farbe nützt nichts, wenn sie sich beim späteren Auftrag des Schutzlacks wieder ablöst oder verschmiert. Und damit zu den Barriere-Lacken.
Die Barriere-Lacke bilden den Kern einer neuen Verpackungsgeneration und fungieren als funktionale Schutzschichten zwischen dem Verpackungsmaterial und dem eigentlichen Packgut. Je nach Zusammensetzung bauen diese Lacke physikalische, chemische oder diffusiv wirkende Barrieren auf. Sie schützen Produkte vor Wasserdampf, Sauerstoff, Fett und Aromaverlust und verhindern gleichzeitig Stoffmigration. Vor allem Mineralölmigration (MOSH/MOAH) ist ein Begriff, der Verpacker in Panik versetzt. Der Clou der Barriere-Lacke liegt in der cleveren Chemie des Lacks selbst: Er ersetzt die herkömmliche Kunststoffbeschichtung, verhält sich im Recyclingprozess aber völlig neutral. Weil die Zusammensetzung des Lacks so konzipiert ist, dass sie sich beim Wiederaufbereiten des Altpapiers sauber von den Fasern trennen lässt, entstehen keine klebrigen Rückstände, die die Recyclinganlagen blockieren. Die Verpackung bleibt somit im normalen Altpapierstrom vollständig kreislauffähig.
Auch bei folienbasierten Verpackungen leistet die Technologie aus Frankfurt wichtige Pionierarbeit. Um die Design-for-Recycling-Leitlinien von Organisationen wie CEFLEX oder RecyClass zu erfüllen, müssen Multilayer-Folien zunehmend durch Monomaterial-Konzepte ersetzt werden. Die Barriere-Lacke von Sun Chemical – zum Beispiel SunBar für Sauerstoff- und Multibarrieren, SunStar für den direkten Lebensmittelkontakt auf Papier sowie SunSpec für regulatorisch sensible Verpackungen – ersetzen dabei klassische Barriereschichten wie EVOH oder PET.
Dank dieser Entwicklungen erfüllt der Frankfurter Betrieb, freut sich Markus Schmücker, alle regulatorischen Anforderungen der Branche. Dazu gehören die EU-Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 zum Schutz der Verbrauchergesundheit, die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für kunststoffbasierte Materialien sowie die GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 für kontrollierte Herstellungsprozesse.
„Am Ende“, schließt Daniel Fuhr, „arbeiten wir hier an Lösungen, die für die Anwender einfach zu handhaben sind und dennoch höchsten Recyclingansprüchen genügen.“