Forderung der Gewerkschaft sei "nicht finanzierbar"

Auftakt der Tarifverhandlungen: BVDM lehnt Verdi-Forderung weiterhin ab

Der Arbeitgeber-Verband hat die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach 12 Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von 12 Monaten zum Auftakt der Tarifverhandlungen für die deutsche Druckindustrie erneut abgelehnt. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertreter hatten sich am 11. März in Berlin zur ersten “Verhandlungsrunde” getroffen.

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„Wir fordern 12 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 110.000 Beschäftigten. Denn nach zwei Jahren mit einer überdurchschnittlich hohen Inflationsrate und damit verbundenem deutlichem Einkommensverlust ist der Nachholbedarf sehr hoch“, sagte die Verdi-Verhandlungsführerin Rachel Marquardt.

Der BVDM stellte nach eigener Aussage in der ersten Verhandlungsrunde “mit umfassenden Branchendaten klar, dass die historische Rekordforderung der Gewerkschaft von den Unternehmen nicht finanzierbar” sei. Der Branche ist es laut BVDM nicht gelungen, das Vor-Corona-Niveau wieder zu erreichen. Im Gegenteil: In den letzten fünf Jahren habe die Branche ein Drittel ihrer Produktion verloren und die Auslastung der Betriebe sei wegen der anhaltend schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung weiterhin deutlich unterdurchschnittlich. Auch Arbeitsproduktivität sei gegenüber 2018 um über 15 Prozent zurückgegangen.

“Forderung von Verdi gefährdet Arbeitsplätze”

Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass viele Betriebe wegen hoher Kosten für Energie und Papier bereits mit dem Rücken zur Wand stünden. Dass die Produktionskostensteigerungen vielfach nicht an Kunden weitergegeben werden könnten, liege in einigen Bereichen an einem starken Wettbewerbsdruck durch deutlich günstiger produzierende Unternehmen im Ausland und an der Tendenz, dass Budgets der Kunden zunehmend in die digitale Kommunikation fließen. „Die Forderung von Verdi ist in der aktuellen wirtschaftlichen Lage unrealistisch und gefährdet Betriebe und damit Arbeitsplätze,“ warnt Dr. Klemens Berktold, Verhandlungsführer des Bundesverbandes Druck und Medien (BVDM).

“Investitionen in die Beschäftigten nicht vergessen”

„Die Arbeitgeber sollten bei Investitionen in die Zukunft nicht die Investitionen in die Beschäftigten vergessen – erst recht nicht in Zeiten des Fachkräftemangels“, sagt Rachel Marquardt von Verdi. Entscheidend sei aber auch die Einkommensentwicklung. Denn während die Unternehmen ihre gestiegenen Kosten zumindest in Teilen an die Kundschaft weitergeben könnten, bestehe diese Möglichkeit für die Druckereibeschäftigten nicht, argumentiert Verdi. Sie müssten die nach wie vor höheren Preise im Supermarkt und an der Tankstelle zahlen. Genau deshalb brauche es “ordentliche Einkommenssteigerungen”, so Marquardt. „Wir werden alles dafür tun, dass die Beschäftigten in der Druckindustrie nicht länger von der Einkommensentwicklung in Deutschland abgehängt werden. Das machen wir mit unserer Forderung für diese Tarifrunde deutlich“, erklärte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft.

Die zweite Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem BVDM findet am 21. März 2024 in Nürnberg statt. Die Friedenspflicht in der Druckindustrie endet am 31. März 2024.