Papierfabrik Zanders beantragt Insolvenz

Zum Zanders-Produktprogramm gehört unter anderem die Traditionsmarke Chromolux.

Die Papierfabrik Zanders mit Sitz in Bergisch-Gladbach hat am vergangenen Freitag (22.6.) beim Amtsgericht Köln die Insolvenz beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Marc d’Avoine bestellt. Beantragt hatte das Unternehmen die Insolvenz in Eigenverantwortung, die das Gericht bislang aber noch nicht beschlossen hat. Betroffen sind rund 500 Mitarbeiter und 22 Auszubildende.

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Nach dem Antrag der Geschäftsführung der Firma Zanders GmbH auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hatte das Amtsgericht Köln Dr. Marc d’Avoine zunächst zum Gutachter und nachfolgend zum vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Zudem seien Zwangsvollstreckungsmaßnahmen untersagt. Der Restrukturierungsweg wird nach Angaben der Zanders-Gesellschafterin Mutares AG fortgesetzt. Sanierungs-Geschäftsführer Igor Ferlan und externe Berater leiten die Firma Zanders im Verbund mit Marc d’Avoine und seinem Team.

Der Geschäftsbetrieb wird nach Unternehmensangaben vollumfänglich fortgeführt. Geschäftsleitung und Belegschaft sowie wesentliche Lieferanten und Kunden hätten Unterstützung bei der Fortführung und der Sanierung signalisiert. Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich August 2018 gesichert.

Sanierungsplan

Bei der Sanierung des Unternehmens in Eigenverwaltung soll ein gerichtlich überwachter Sanierungsplan den Papierhersteller in Bergisch Gladbach von Belastungen befreien. Der Papierhersteller leide unter hohen Kosten für Betriebsrenten und gestiegenen Rohstoffpreisen, teilte das Unternehmen in einer Pressemeldung mit. Trotz eines Umsatzwachstums von 2015 bis 2017 um jeweils durchschnittlich 12 Prozent hätten sich die Preissteigerungen bei Zellstoff, Chemikalien und Kohle für das unternehmenseigene Kraftwerk negativ ausgewirkt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten seien die Kosten dieser Rohstoffe um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Aktuell werden nach Unternehmensangaben ie Gegenstände des Anlagevermögens von Zanders erfasst und bewertet. Parallel werde eine Inventur durchgeführt, Ansprüche aufgenommen, untersucht und bewertet. Die Arbeiten an dem Businessplan und dem Sanierungskonzept liefen, mit einem ersten Zwischenergebnis sei Ende Juli 2018 zu rechnen.

Über Zanders

Der 1829 gegründete Papierhersteller Zanders gehört seit 2015 Zanders zu der Beitigungsfirma Mutares, die sich auf die Sanierung von Unternehmen spezialisiert hat. Mutares hatte Zanders von Metsä Board übernommen. ZumProduktprogramm gehören hoch­wer­ti­ge Spe­zi­al­pa­pie­re und -kar­tons für Eti­ket­ten, Ver­pa­ckun­gen und gra­fi­sche An­wen­dun­gen, darunter der gussgestrichene Karton Chromolux.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Schade um diese traditionsreiche deutsche Fabrik! Man erinnere sich an Ikonolux, Ikonorex, Ilono Matt und Silk, alles Papiere im high Premium-Bereich.
    Zanders war damals immer Vorbild und seiner Zeit weit voraus!
    Und jetzt?
    Zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht?Umstrukturierungen nicht rechtzeitig mitgemacht und dann den Anschluss verloren?
    Deutschland verliert schön langsam seine Vorbildunternehmen!
    Bitter

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  2. Es ist schade ohne Frage. Aber wir leben im zeitalter der Digitalisierung und Papier ist betroffen. Es ist notwendig, das die Konsolidierung in der Papierindustrie, im handel und der Druckereien schnellstens vorangetrieben wird. D.h. aber aktuell unternehmen schliessen, schliessen,…. und erst wenn 50% der aktuellen menge im Markt verblieben ist und die Preise um 100% wieder angestiegen sind, ja erst dann geht es wieder aufwärts…..

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  3. Hallo G.F., ja ist sehr schade um das Unternehmen. Habe selbst über 10 Jahre im Bereich Kosmetik+Parfüme etc. überwiegend mit diesen Materialien zu tun gehabt. War immer ein sehr partnerschaftliches Umgehen miteinander. Noch ist es ja nicht “verstorben”, halten wir mal die Daumen.
    Sicherlich war das Unternehmen auf seine Produkte zu Recht stolz, hatte aber in den Jahren zwischen 1985 und 2000 n.m.M. den Wettbewerb (gerade in Italien) viel zu stark unterschätzt.
    Deutsche Vorbild-/Traditions-Unternehmen verlieren sehr oft durch falsche Management-Entscheidungen, Heuschrecken und kapitalaussaugende Investoren/-Gesellschaften.

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  4. Die Digitalisierung ist erst der Anfang. Wer glaubt es würde eine sogenannte “Bodenbildung” in der graphischen Industrie geben, der irrt!
    Wer kann heute sagen, mit welchen Trends in 5 bis 10 Jahren gutes Geld verdient wird. Niemand!
    Darum: Augen und Ohren auf! Hinzu kommt Mobilität in allen 24 Stunden – persönliche Fortbildung ein ganzes Leben lang.
    Und möglichst keine persönlichen und gesundheitlichen Lebenskrisen.
    Gutes Gelingen euch Allen, die ihr noch an der “Druckfront” kämpft. Und zuletzt ein guter Rat. Engagiert euch in der Gewerkschaft, es wird sich irgendwann lohnen. Einer der mit 44 Jahren, krankheitsbedingt, den Anschluss verloren hat. Leider!

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