Uwe Richter, Lehrer für Drucktechnik und Ethik, verbindet klassische Druckausbildung mit digitalen Lernkonzepten. Fragen zur Umsetzung der
Inhalte mit Mebis können gerne per mail an uwe.richter@senefelder.muenchen.musin.de gestellt werden.
Am BSZ Alois Senefelder in München erhalten die angehenden Medientechnologen Druck und Siebdruck sowie Druck- und Papiertechniker eine qualifizierte Ausbildung mit moderner Ausstattung und einem durchdachten, hybriden Lernkonzept.
Das ursprüngliche Gebäude des BSZ Alois Senefelder datiert zurück auf 1905. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau Anfang der 1950er zeigt es die Architektur der Nachkriegsmoderne, wenngleich einige Bögen und Simse noch den Charme der Jahrhundertwende transportieren. Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine hochmoderne Schule. Zudem verfügt das BSZ über außergewöhnlich großzügige Platzverhältnisse – vor allem für eine Stadt wie München. Mit fast 400 Quadratmetern Fläche, zehn Metern Deckenhöhe und einer zusätzlichen Empore bietet allein der Drucksaal außergewöhnliche Dimensionen.
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Das denkmalgeschützte Schulgebäude des BSZ Alois Senefelder verbindet historische Architektur mit moderner technischer Ausstattung im Inneren.
Modernes Equipment
Während an vielen Berufsschulstandorten unterschiedlichste Ausbildungsberufe unter einem Dach beschult werden, konzentriert
sich das BSZ ausschließlich auf Berufsfelder des grafischen Gewerbes: Mediengestaltung, Drucktechnik, Buchbindetechnik und Fotografie. „Wir sind sozusagen noch ganz unter uns“, beschreibt Uwe Richter, Lehrer für Drucktechnik und Ethik, die Situation. Diese Konzentration ermögliche eine spezialisierte Ausbildung und eine technische Ausstattung, die ihresgleichen sucht.
Die modernisierte Siebdruckwerkstatt mit Halbautomat und UV- Belichter für praxisnahen Unterricht.
Aktuell werden rund 130 Auszubildende im Druckbereich beschult – Medientechnologen Druck und Siebdruck. Im Gegensatz zu vielen anderen Standorten kann die Schule ihre Drucktechnik-Klassen weiterhin fachrein unterrichten. „An kleineren Standorten müssen aufgrund geringer Schülerzahlen Drucker, Buchbinder und Mediengestalter häufig gemeinsam in einer Klasse beschult werden“, erläutert Richter. In München dagegen gibt es weiterhin zwei erste Eingangsklassen – dieses Jahr sogar mit 51 Anmeldungen.
Hightech im Unterricht: Die KBA Rapida 75 mit Lackwerk zählt zu den modernsten Ausbildungsmaschinen in Deutschland.
Der Maschinenpark beeindruckt: Im großzügigen Drucksaal steht unter anderem eine KBA Rapida 75 mit Lackwerk – eine Maschine, die die Stadt München 2018 gekauft hat. „Ich kenne keine andere Schule deutschlandweit, die so eine Maschine hat“, sagt Richter nicht ohne Stolz. Neben der KBA stehen drei Heidelberger Maschinen (SM52 und SM74), ein CtP-Plattenbelichter, eine Canon-Digitaldruckmaschine mit integrierter Weiterverarbeitungseinheiten und vieles mehr. „Die Landeshauptstadt
München hat in den letzten Jahren fast alles genehmigt, wenn es pädagogisch vernünftig begründet war“, betont Richter. Ein besonderes Merkmal der KBA: die transparente Seitenwand. „Wir wollten, dass die Schüler sehen, was da alles an Hardware
verbaut ist, damit so eine Druckmaschine funktioniert.“
Spielkarten als roter Faden
Verstehen, wie etwas funktioniert – das ist im Prinzip der berühmte rote Faden, der sich durch den gesamten Unterricht zieht. Und was könnte dabei besser funktionieren, als die manchmal trockene und abstrakte Materie selbst anzuwenden? Das Produkt, das sich Uwe Richter dafür ausgedacht hat, sind Spielkarten – mit den Fotos der Schüler. „Dann geht‘s an die Druckmaschine – im Rotationsprinzip, damit jeder mal ran kann.“
„Ich habe mir überlegt: Was ist ein Druckprodukt, mit dem ich die Schüler abholen kann?“, erklärt Richter die Idee. „Die Schüler
werden fotografiert, die Bilder in Photoshop freigestellt, das Layout für die Spielkarten erstellt“, beschreibt er den Prozess. Zentrale Themen des Lehrplans werden somit beispielhalft und praxisnah geübt: Druckformherstellung,
Produktionsvorbereitung, Materialkunde, Druck, Verarbeitung, Qualitätssicherung. „Welche Farben eignen sich?“ oder „Welches Papier ist sinnvoll – und warum?“, lauten typische Fragestellungen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen müssen. Die Mühe lohnt sich nicht nur aus schulischer Sicht: Am Ende des Schuljahres hält jeder Schüler sein eigenes Kartenspiel in den Händen – mit den Gesichtern der ganzen Klasse.
Digitale Lernplattform Mebis trifft Print
Richtig rund macht den Unterricht Richters allerdings erst die Verknüpfung von analoger und digitaler Welt. Uwe Richter hat über die digitale Lernlattform Mebis ein umfassendes digitales Lernsystem aufgebaut. Mebis ist die digitale Lernplattform des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in Bayern und basiert auf der Lernplattformsoftware Moodle. Der Zugang zu Mebis erfolgt über die so genannte BayernCloud.
Zu Uwe Richters gedruckten Scripten gibt es jeweils einen entsprechenden digitalen Mebis-Kurs, zu dem die Schülerinnen und Schüler auch jederzeit zugreifen können.
„Ich habe das Potenzial in Mebis gesehen und nutze es sehr intensiv – die Schülerinnen und Schüler können so jederzeit, auch außerhalb der Unterrichtszeiten, auf alle Materialien zugreifen“, erklärt Uwe Richter.
Die Lernplattform bietet vielseitige Möglichkeiten: So können beispielsweise zusätzliche Learning-Apps eingebunden werden.
Das Konzept: Zu nahezu jedem Thema hat Richter ein Skript in Broschürenform erstellt – als begleitende Lektüre, welche die Schüler zu Beginn ihrer Blockwochen erhalten – bewusst in Papierform. „Gedrucktes Unterrichtsmaterial bleibt viel länger haften als rein digitale Inhalte“, begründet Richter die Entscheidung. „Da gibt es genügend Studien „Welches Papier ist sinnvoll – und warum?“, lauten typische Fragestellungen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen müssen. Die Mühe lohnt sich nicht nur aus schulischer Sicht: Am Ende des Schuldazu.“ Zu jeder gedruckten Broschüre wiederum gibt es einen entsprechenden Mebis-Kurs, zu dem die Schüler über Schul-iPads Zugang erhalten. Diese digitalen Kurse vertiefen und
erweitern die Inhalte und bieten Aufgaben für den Selbsttest. Sie enthalten Videos, Learning Apps (interaktive Übungen), Lückentexte, Zuordnungsaufgaben und Abgabefristen für Hausaufgaben. „Ich nutze zum Beispiel Videos von Clever Printing oder der Berufsgenossenschaft“, erklärt Richter. „Die Schüler schauen sich das Video an, beantworten Fragen dazu, und ich kann während des Unterrichts nachverfolgen, wer schon abgegeben hat.“ Die Struktur der Kurse folgt dabei stets dem Aufbau der gedruckten Skripte.
Praxisnah und anwendungsorieniert auf der Lernplattform Mebis: der Einstieg zum Thema Druckfarbe.
Auch die Skripte selbst sind online als PDF hinterlegt – falls das gedruckte Exemplar mal verloren gehen sollte. Aber auch für Schüler mit Sprachbarrieren ist diese digitale Variante hilfreich: „Wir haben sehr engagierte Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, aus Afghanistan, aus Syrien. Die können sich das PDF nehmen und mit Hilfe einer KI in ihre Muttersprache übersetzen lassen.“ So profitieren am Ende alle.
Motivation für Schüler
Diese ganzheitlich aufbereiteten Arbeitsmaterialien entlasten nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrkräfte. „Es gibt Tage, an denen ich sechs Unterrichtsstunden am Stück eigenverantwortlich in einer Klasse stehe. Das ist anspruchsvoll und durchaus mal anstrengend – anfangs habe ich mich oft gefragt, wie sich ein solcher Tag entwickeln würde“, erinnert sich Richter. „Jetzt sehe ich das sehr entspannt. Ich teile die iPads aus und sage: Hier sind die Kurse, hier ist die Broschüre, los geht‘s.“ Auch Vertretungsstunden lassen sich so wesentlich leichter gestalten.
Die Schüler selbst reagieren absolut positiv auf die Mischung aus analog und digital. „Die freuen sich, wenn sie die iPads nutzen dürfen“, berichtet Richter. „Viele der angehenden Drucker dachten anfangs: ‚Das ist doch nur für die Mediengestalter.‘ Entsprechend gefreut haben sie sich, als ich gesagt habe: ‚Nein, das ist für euch. Auch Drucker dürfen digitale Sachen machen‘.“ Und gerade in längeren Unterrichtseinheiten, die viel Aufmerksamkeit verlangen und oft als „trockener“ Stoff angesehen werden, kommt die Abwechslung besonders gut an.
Nichtsdestotrotz ist Richter vorsichtig, was die Nutzung digitaler Medien, gerade bei den Berufsschülern, angeht. So werden die iPads beispielsweise nur in der Schule während des Unterrichts genutzt. Die Schülerinnen und Schüler bekommen die Geräte nicht mit nach Hause. Auch versuchen er und seine Kollegen, Ablenkungen durch private Handys zu minimieren: So gibt es beispielsweise seit dem vergangenen Schuljahr ein „Handyhotel“, in dem die Schüler ihre Handys zu Unterrichtsbeginn
„einchecken“ müssen. Der digitale Entzug scheint gut zu funktionieren: „Wir hatten mit viel mehr Widerstand gerechnet“, sagt Richter. „Aber beim Ausbildertreffen konnten uns die Betriebe rückmelden, dass auch die Auszubildenden positives Feedback
dazu gegeben hätten.“
Bei den angehenden Papier- und Drucktechnikern sieht die Sache etwas anders aus. Auch hier kommt das Lernen mit Mebis in der zweijährigen Weiterbildung zum Einsatz – und geht noch einen Schritt weiter: Die Fachschüler erhalten für die gesamte Ausbildung iPads und arbeiten nach einem Blended-Learning- Konzept – eine Kombination aus Präsenzunterricht und Online-Lernphasen. „Bei den Technikern lasse ich den Schülerinnen und Schülern die Wahl“, erklärt Richter. „Etwa die Hälfte sagt: Wir wollen das Gedruckte. Die andere Hälfte sagt: Wir möchten es digital.“ Das Blended-Learning ermöglicht flexible Weiterbildung
bei gleichzeitiger Vereinbarkeit mit beruflichen und familiären Verpflichtungen.
Für Uwe Richter ist die Arbeit mit den unterschiedlichen Lernmaterialien ein echter Gewinn. Die Erstellung bedeutete natürlich
unheimlich viel Arbeit, „aber ich sehe das wie ein Konto: Ich zahle jetzt ein und bekomme später wahnsinnig viel zurück.“