Import aus China

„Der Druckplattenmarkt sortiert sich neu“

Sie stellten die europäische Vertriebsgesellschaft von Huaguang auf dem Bayerischen Druck- und Medientag vor (v. l.): Yudi Li (Deputy Managing Director) und Achim Denninghoff (Director Strategic Business Development).(Bild: Huaguang)

In Europa hat sich die Druckplattenfertigung in den vergangenen Jahren strukturell verändert: Konsolidierungen und Produktionsverlagerungen prägen den Markt. Mitten in diesem Wandel baut das chinesische Unternehmen Huaguang seine Vertriebsaktivitäten für Europa vom nordrhein-westfälischen Willich aus. Deutscher Drucker hat Achim Denninghoff, Director Strategic Business Development bei Huaguang, zur Strategie des Unternehmens und zu den Aktivitäten am Standort Willich befragt.

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Herr Denninghoff, können Sie uns bitte das Unternehmen Huaguang kurz vorstellen?

Denninghoff: Als Vertriebsgesellschaft in Europa mit Sitz in Willich bei Düsseldorf steuern wir die Versorgung des europäischen Marktes mit Druckplatten der Lucky Huaguang Graphics LTD. in China. In unseren Produktionsstätten in China werden rund 150 Millionen Quadratmeter Druckplatten im Jahr produziert. In Willich liegt unsere Europazentrale mit dem Zentrallager mit Verfügbarkeit rund um die Uhr. Mit Druckplatten beschäftigen wir uns seit über 40 Jahren – historisch kommen wir aus der Filmbearbeitung und sind daraus zu einem Technologiekonzern geworden.

Die Offsetplattenproduktion hat sich in den letzten Jahren regional verändert. Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar?

Denninghoff: Bis 2018 gab es in Europa im Wesentlichen drei Produktionsgesellschaften: Agfa, Kodak und Fujifilm. 2018 ging Agfa eine strategische Allianz mit Huaguang ein – Agfa-Produkte wurden daraufhin in China für den asiatischen Markt gefertigt. 2019 folgte ein Joint Venture von Huaguang mit Kodak, dessen Werk im chinesischen Xi’an an uns überging. 2023 verkaufte Agfa sein Offsetgeschäft an den Investor Aurelius, woraus Eco3 hervorging. Fujifilm gab die Schließung von Tilburg bekannt. Das hat uns angetrieben zu sagen: Der Druckplattenmarkt sortiert sich neu.

Die klassischen UV-Platten, positiv wie negativ, werden größtenteils in China hergestellt. China ist als Produktionsstandort heute fast gesetzt. Genau deshalb wollen wir die gesamte Prozesskette von China bis Europa selbst steuern.

Huaguang will dem Vernehmen nach mehr sein als nur ein Importeur. Was heißt das?

Denninghoff: Wir könnten Container in China füllen, nach Hamburg verschiffen und nur über den Quadratmeterpreis reden. So verstehen wir uns aber nicht. Wer heute eine UV-Platte einsetzt, wird schon aus Umweltgründen zur prozessfreien Platte wechseln müssen. Da begleiten wir den Prozess vom Belichtungssystem bis zur Verfügbarkeit der Platte am Point of Print. Wir wollen nicht nur den Spotmarkt bedienen und den Quadratmeterpreis in den Vordergrund stellen, sondern Partner der gesamten Druckvorstufe sein.

Versorgungssicherheit ist heute ein großes Thema. Wie sichern Sie Lieferungen, wenn es geopolitisch hakt?

Denninghoff: Dafür haben wir vier Wege. Eine Standard-3B-Platte liefern wir ab Willich in 24 bis 48 Stunden. Bei individuellen Formaten empfehlen wir rund drei Monate Seefracht plus einen Monat Sicherheitszuschlag, weil ein Auftrag in China zugleich unsere Aluminiumversorgung auslöst. Für gelistete Kunden halten wir ein Vorratslager in Europa mit Tageslieferung vor. Und wir nutzen die Bahn über die nördliche Seidenstraße, mit Verladepunkten in Duisburg, Nürnberg, München und Hamburg – damit hätten wir Ware in drei bis vier Wochen von China in Europa. Luftfracht bleibt der Notfall, empfiehlt sich aber bei Produkten wie Druckplatten normalerweise nicht.

Zur Versorgung seiner Kunden in Deutschland und Europa hat Huaguang im Zentrallager in Willich eine Lagerkapazität von 1.500 Palettenplätzen. (Foto: Huaguang)

Wie groß schätzen Sie den deutschen Druckplattenmarkt ein?

Denninghoff: Eine belastbare Zahl gibt es nicht, auch der Bundesverband Druck und Medien hat keine, weil die Druckplatte als Betriebsmittel statistisch nicht erfasst wird. Den Bedarf verorte ich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an Quadratmetern. Genauer will ich nicht werden, das muss ja auch seriös bleiben. Viele singen nur mit Blick auf den grafischen Bereich das Klagelied. Bezieht man aber den Verpackungsdruck mit ein, ist der Markt eher steigend, zumal die neue EU-Verpackungsverordnung ab dem 12. August 2026 einen Schub bringen dürfte.

Druckereien sind ihren Lieferanten gegenüber loyal. Warum sollte jemand überhaupt wechseln?

Denninghoff: Wir erfüllen jede Druckplattenart, die ein Druckbetrieb braucht. Entscheidend ist die Compliance: Ein deutsches oder europäisches Lieferkettengesetz erfüllen wir heute schon, weil wir früh damit angefangen haben. Es geht nicht um ein Zertifikat in der Schublade, sondern darum, dass die Werke danach produzieren, ISO 45001 für den Arbeitsschutz, SA 8000 für Menschenrechte. Ein Einkauf soll sich damit gar nicht beschäftigen müssen, sondern sich auf den Partner verlassen können, nicht erst, wenn ein Auditor danach fragt. Und dann will eine Druckerei noch von ihrem Lieferanten wissen: wo steht er 2030, wo 2035?

Es gibt sehr gute Referenzkunden wie zum Beispiel DCM Druck Center in Meckenheim, die Druckerei Niedermayr in Regensburg oder die Druckerei C.H. Beck in Nördlingen.

Wie sichern Sie eine gleichbleibende Qualität über die Chargen hinweg?

Denninghoff: Jede Platte ist über eine detaillierte Chargennummer bis ins Werk rückverfolgbar, kontrolliert wird im Werk und bei uns. Wir sind ein atmendes Unternehmen, etwas kann immer passieren, aber wir sichern durch Vorsorgemaßnahmen in unserer Qualitätssicherung von der Druckplatte über die Verpackung mit Zwischenlagen bis hin zur standardisierten Palettengröße unsere Druckplattenqualität. Alle Produkte unterliegen vor dem Warenausgang strengen Qualitätskontrollen in allen Produktionsstätten in China sowie in der gesamten Prozesskette.

Gibt es Partnerschaften mit Maschinenherstellern oder im Vertrieb?

Denninghoff: Direkte Partnerschaften mit Maschinenbauern nicht. Im Belichtungsbereich pflegen wir Direktkontakte zu den maßgeblichen CTP-Maschinenherstellern, da diese ja auch bezüglich Produktentwicklung und Produkterprobung in unseren R&D-Abteilungen mit entscheidend sind.

Im europäischen Vertrieb arbeiten wir mit Partnern wie Graphic Deal in den Benelux-Staaten sowie in Deutschland mit ausgewählten Handelsunternehmen in der grafischen Industrie zusammen.

Setzen Sie auf Einkaufsgemeinschaften?

Denninghoff: Eine direkte Kundenbeziehung steht an erster Stelle, dafür bauen wir unsere Vertriebsaktivitäten in Europa aus. Reine Container-Mengengeschäfte zum Billigpreis streben wir nicht an. Am Ende muss es wirtschaftlich eine Win-win-Situation in der gesamten CTP-Prozesskette auf Augenhöhe sein. Wir stehen für Zuverlässigkeit, Stabilität und Versorgungssicherheit, das klingt wie eine Schlagzeile, ja, aber wir wollen es mit unseren Kunden markt- und wettbewerbsfähig gemeinsam leben.

Können Sie Referenzkunden nennen, die schon heute von Ihnen Druckplatten beziehen?

Denninghoff: Es gibt sehr gute Referenzkunden wie zum Beispiel DCM Druck Center in Meckenheim, die Druckerei Niedermayr in Regensburg oder die Druckerei C.H. Beck in Nördlingen.