Lagerbestände in Druckereien: Warum ein günstiger Einkauf teuer werden kann
von Redaktion,
Lydia Behrens bringt langjährige Führungserfahrung aus der Druckindustrie mit und beschäftigt sich mit der Optimierung von Einkaufs-, Produktions- und Prozessabläufen.(Bild: Apenberg & Partner)
Nicht der Einkaufspreis allein entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Hohe Lagerbestände verursachen oft versteckte Kosten, die Druckereien unterschätzen. Ein genauer Blick auf Einkauf und Bestände kann deshalb erhebliche Einsparungen ermöglichen.
In vielen Druckereien stehen Papierpreise, Maschinenlaufzeiten oder Personalkosten im Mittelpunkt. Weniger Aufmerksamkeit erhält dagegen der Einkauf – vor allem die Kosten, die nach einer Bestellung entstehen. Denn mit der Anlieferung des Materials beginnt oft erst der Aufwand: Ware muss geprüft, eingelagert, verwaltet, bewegt und später inventarisiert oder sogar entsorgt werden.
Anzeige
Ein niedriger Einkaufspreis bedeutet deshalb nicht automatisch einen wirtschaftlichen Einkauf. Werden größere Mengen bestellt, um Preisvorteile zu nutzen, entstehen häufig zusätzliche Kosten. Lagerflächen werden belegt, Kapital wird gebunden und Materialien können altern oder beschädigt werden. Dadurch kann ein vermeintlicher Preisvorteil langfristig verloren gehen.
Lagerbestände schaffen zwar Sicherheit und helfen, kurzfristig auf Kundenaufträge zu reagieren. Gleichzeitig verursachen sie laufende Kosten. Besonders problematisch wird es, wenn Bestände über Jahre wachsen und nicht mehr regelmäßig überprüft werden. Dann wird das Lager vom Sicherheitsfaktor zum Kostenfaktor.
Viele dieser Kosten bleiben im Alltag unsichtbar. Suchzeiten, Umlagerungen, Inventuren oder Abstimmungen zwischen Einkauf, Produktion, Vertrieb und Buchhaltung summieren sich zu einem erheblichen Aufwand. Da diese Arbeiten auf viele Abteilungen verteilt sind, werden ihre tatsächlichen Kosten oft unterschätzt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen kundenspezifische Lagerbestände. Werden Drucksachen für spätere Abrufe eingelagert, übernimmt die Druckerei Verantwortung für Lagerung, Verwaltung und Bestandskontrolle. Ohne klare Vereinbarungen zu Lagerdauer, Kosten, Abrufen oder Entsorgung wird aus einem Kundenservice schnell eine unbezahlte Zusatzleistung.
Ein professioneller Einkauf betrachtet deshalb nicht nur den Preis, sondern die gesamten Folgekosten. Dazu gehören die Auswahl geeigneter Lieferanten, eine möglichst einheitliche Materialbasis, die Reduzierung unnötiger Varianten und eine aktive Steuerung der Lagerbestände. Regelmäßige Auswertungen helfen dabei, überflüssige Bestände zu erkennen und gebundenes Kapital freizusetzen.
Das Fazit: In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten lohnt sich ein kritischer Blick auf das Lager. Einsparpotenziale entstehen häufig nicht durch den nächsten Rabatt beim Einkauf, sondern durch schlankere Bestände, einfachere Prozesse und ein konsequentes Bestandsmanagement.