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Das aktuelle Interview

Berlin Letters Festival – geballtes Schriftwissen in familiärer Atmosphäre

Typografie: Das Berlin Letters Festival findet im Colonia Nova, einem Event-Loft mit Dachterrasse im Herzen von Berlin-Neukölln, statt.
Das Berlin Letters Festival findet im Colonia Nova, einem Event-Loft mit Dachterrasse im Herzen von Berlin-Neukölln, statt. (Bild: Chris Campe)


Seit im August 2018 klar wurde, dass die Typo Berlin 2019 aus kaufmännischen Gründen pausieren (und vermutlich für immer von der Bildfläche verschwinden) würde, keimte bei Typografie-Fans die Hoffnung auf ein spannendes Alternativ-Format. Mit Berlin Letters geht nun ein Festival für Lettering, Sign Painting, Kalligrafie und Type-Design an den Start, das im gleichen Maße begeistern möchte. Im Hintergrund agieren teils Macher mit Typo-Berlin-Erfahrung.

 

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Für Typografie- und Design-Liebhaber

Vom 16. bis 18. Mai 2019 findet erstmals das Berlin Letters Festival statt: vormittags mit Workshops zu allen Facetten des Umgangs mit Buchstaben, nachmittags mit Vorträgen prominenter Referentinnen und Referenten aus acht Nationen. Einige Besonderheiten seien herausgegriffen: Der Donnerstag endet mit sieben jeweils siebenminütigen Vorträgen von Teilnehmern (dafür kann man sich noch bewerben, das Los entscheidet). Am Freitag gibt es eine Filmvorführung: »Josef Samuel, Vienna’s Last Signpainter« von Tom Koch. Krönender Festivalabschluss ist am Samstag die Kalligrafie-Performance des niederländischen Let­ter Collectives »High on Type«. Mehr Informationen und Tickets gibt es auf www.berlinletters.com. print.de sprach mit Chris Campe aus dem Organisatorenteam über das neue Format.

 

print.de: Wie kam es zur Idee des Berlin Letters Festival?

Chris Campe: Die Initiative für das Festival kam von Claudia Guminski und Nils Töpfer. Beide waren lange im Team der Typo Berlin und als die Konferenz letztes Jahr eingestellt wurde, wollten sie ihre Erfahrung für ein neues Event nutzen. Unabhängig davon hatte ich schon vor drei oder vier Jahren angefangen, das »Hamburger Handlettering Festival« zu organisieren, doch mir fehlten damals die Mitstreiterinnen und weil ich dann in dichter Folge drei Fachbücher geschrieben habe, auch die Zeit. Das aktuelle Buch »Making Fonts!« habe ich zusammen mit Ulrike Rausch ge­schrieben, dadurch sind wir ein eingespieltes Team. Und als Claudia und Nils uns fragten, ob wir die Programmdirektion für Berlin Letters übernehmen wollen, haben wir begeistert zugesagt.

 

print.de: Worauf liegt der inhaltliche Fokus?

Chris Campe: Ulrike ist Schriftgestalterin, ich bin als Designerin auf Lettering spezialisiert und habe auch viel mit Schildermalern und Kalligrafinnen zu tun. Der Fokus des Festivals auf Lettering, Type-Design, Kalligrafie und Sign Painting ergab sich also aus unseren beruflichen Schwerpunkten.

 

print.de: Möchten Sie ein paar persönliche Highlights herausgreifen?

Chris Campe: Ich freue mich besonders auf den Vortrag von Ivan Castro aus Barcelona, der zeigen wird, wie die spanische Popkultur der 1960er seine Lettering-Arbeit beeinflusst, auf den Sign Painting Workshop von Ged Palmer aus London und darauf, dass Martina Flor uns die Geheimnisse perfekter Vektorkurven und ihrer Karriere verrät.

 

print.de: Veranstaltungsort, Programmgestaltung – wie verlief die Organisation?

Chris Campe: Wir haben uns einige Orte in Berlin angeschaut, aber die meisten waren für das erste Mal zu groß. Wir konnten ja vorab nicht einschätzen, wie die Resonanz sein würde. Im Colonia Nova hatte Claudia schon mal an einer Veranstaltung teilgenommen und uns gefiel gut, dass es so ein großer, offener Raum ist. Und das Beste: Es gibt eine 500 Quadratmeter große Dachterrasse! Wir hoffen also vor allem, dass das Wetter mitspielt. Was die Organisation des Programms angeht – im Grunde haben Ulrike und ich Kolleginnen und Kol­legen eingeladen, deren Arbeit wir bewundern und die wir schon immer mal in einem Raum zusammenbringen wollten. Alle, die wir angefragt haben, waren sofort mit Begeisterung dabei. Weil wir nicht nur fast alle Speaker, sondern auch 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer persönlich oder aus den sozialen Medien kennen, wird das Festival sehr familiär und besonders. Außerdem ist es mit inge­samt 250 Beteiligten so klein, dass es man sich alle untereinander kennenlernen und austauschen kön­nen. Dieser Aspekt ist uns besonders wichtig.

 

Typografie: Chris Campe (l.) und Ulrike Rausch. Nicht mehr nur gemeinsame Buchautorinnen, sondern jetzt auch Programmdirektorinnen des Berlin Letters Festivals.
Chris Campe (l.) und Ulrike Rausch. Nicht mehr nur gemeinsame Buchautorinnen, sondern jetzt auch Programmdirektorinnen des Berlin Letters Festivals. (Bild: Norman Posselt · www.normanposselt.com)

 

print.de: Das liebe Geld – wie finanziert sich das Festival?

Chris Campe: Da wir das Festival dieses Jahr zum ersten Mal aus dem Boden stampfen, finanziert es sich aus der hohlen Hand – das heißt, aus unserem eigenen Geld und aus den Ticketverkäufen. Mit den Erfahrungen von diesem Jahr und der Hilfe von Sponsoren könnte das Festival im nächsten Jahr noch größer und toller werden.

 

print.de: Es ist also eine Fortsetzung für 2020 geplant?

Chris Campe: Erst mal konzentrieren wir uns natürlich darauf, die erste Ausgabe des Festivals grandios über die Bühne zu bringen. Aber wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen, profitieren wir im nächsten Jahr gerne von all den Dingen, die wir jetzt schon entschieden, organisiert und in Gang gebracht haben. [8798]

 

 


Haben große Typografie- und Design-Konferenzen noch eine Zukunft?

Lesen Sie HIER einen aktuellen Kommentar von Silvia Werfel zum Wegfall der Typo Berlin – mit einer Einschätzung der aktuellen 
Typo-Szene.

 

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